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Digitale Gesellschaft bleibt Zukunftsmusik

11.07.2010 | 16:05 Uhr |

Die Internetnutzung hat in Deutschland im vergangenen Jahr um 2,9 Prozent zugenommen. Damit sind nun 72 Prozent der Bevölkerung online. Allerdings bleibt die digitale Gesellschaft weiterhin Zukunftsmusik.

Wie der aktuelle (N)Onliner Atlas der Initiative D21 zeigt, sind trotz politischer und medialer Aufmerksamkeit noch 28 Prozent der Deutschen bzw. 19 Mio. Menschen über 14 Jahren nicht im Web. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland damit unverändert auf Platz sieben. Auch das jüngste Wachstum belegt laut der Untersuchung, dass ohne gezielte Förderung künftig mit nur geringen Zuwächsen zu rechnen ist. Im vergangenen Jahr lag die Wachstumsrate noch um 1,1 Prozent höher.

"Es ist erfreulich, dass fast drei Viertel aller Bürger in Deutschland online sind", so Hans-Joachim Otto, parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie. Auf diesem Erfolg dürfe man sich aber nicht ausruhen. Daher will das Ministerium mit der Initiative "Internet erfahren" nicht nur mehr Menschen ins Web bringen, sondern auch deren Kompetenzen steigern.

"Der digitale Graben zieht sich hauptsächlich entlang der Faktoren Alter, Einkommen und Bildung", sagt Daniel Ott, Sprecher Initiative D21, gegenüber pressetext. Je älter, je geringer das Einkommen und je niedriger der Bildungsstatus, desto weniger wird auch das Web genutzt. "Der persönliche Nutzen muss für die ältere Generation deutlich werden und es sollten eher die Möglichkeiten als die Gefahren des Internets hervorgehoben werden. Denn sonst entsteht kein Vertrauen gegenüber der digitalen Welt", meint Ott. Außerdem sollte schon früh in der Schule mit der Vermittlung der Medienkompetenz begonnen werden.

Wenngleich die älteren Zielgruppen weiterhin weniger stark im Netz vertreten sind als jüngere, fiel auch in dieser Erhebung das Wachstum bei der Generation 50plus am stärksten aus. Diese Altersgruppe legte um 4,7 Prozent zu. Insgesamt ist nun rund die Hälfte der Genereation 50plus im Netz vertreten. Innerhalb der Gruppe gibt es aber weiter große Unterschiede. Bei den unter 60-Jährigen sind 71,8 Prozent, bei den über 70-Jährigen nur mehr 23,3 Prozent online.

Blickt man auf die einzelnen Bildungsgruppen, zeigt sich, dass es hier eine stetige Annäherung gibt. Zum wiederholten Male weist jene Gruppe mit formal einfacher Bildung den höchsten Zuwachs auf. Die Zahl der Onliner mit Volks- oder Hauptschulabschluss stieg um 3,9 Prozent auf 56,6 Prozent. Andere Gruppen, wie jene mit einem weiterbildenden Abschluss (76,2 Prozent) und Abitur oder Studium (88,8 Prozent), liegen jedoch noch weit voraus. Spitzenreiter sind derzeit Schüler mit einer Nutzung von 97,5 Prozent.

In puncto E-Government besteht in Deutschland nach Ansicht der Bürger noch deutlicher Nachholbedarf. Viele Nutzer legen besonderen Wert auf Sicherheit und Datenschutz. Aber gerade bei diesem Thema zeigen sich nur 29 Prozent ausgesprochen zufrieden mit den Online-Angeboten der Behörden. Einer intensiven Nutzung von E-Government-Services steht aus Nutzersicht in erster Linie eine mangelnde Durchgängigkeit der Angebote im Weg. Außerdem sind die Strukturen vieler Services nicht durchschaubar genug.

(pte)

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