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Topkräfte wollen Lebensqualität

17.12.2008 | 12:09 Uhr |

Um mit anderen Regionen zu konkurrieren, müssen viele Städte ihre Bildungs- und Standortpolitik überdenken, um Fachkräfte anzuziehen.

Im Standortwettbewerb müssen deutsche Regionen und Städte in den kommenden zehn Jahren einen höheren Wert auf die eigene Attraktivität legen. Wie die Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers ( PwC ) und das Hamburger Weltwirtschaftsinstitut ( HWWI ) aufzeigen, ist die Wirtschaftsförderungs- und Bildungspolitik besonders ostdeutscher Städte zu überdenken. Bis 2018 könnten vornehmlich jene Regionen eine positive Beschäftigungsentwicklung aufweisen, die viele hochqualifizierte Arbeitskräfte anziehen. Um dies zu erreichen, müssten die Kreise etwa statt dem Ausbau von Verkehrswegen und Infrastruktur jedoch auf eine höhere Lebensqualität bauen. Dazu trage neben dem kulturellen Angebot hauptsächlich eine wissens- und bildungsorientierte Standortpolitik bei.

"Städte und Kreise müssen sich heute auf die Anforderungen hochqualifizierter Arbeitnehmer und Führungskräfte von morgen einstellen", meint PwC-Partner Alfred Höhn. Sie seien der Schlüssel für die Regionen, um einen Beschäftigungsaufbau zu ermöglichen. Während bei einer unveränderten Förderpraxis in den kommenden zehn Jahren nur 330 der 429 deutschen Kreise und kreisfreien Städte ein Beschäftigungsaufbau gelinge, würden gezielte Investitionen zur Erhöhung der Standortattraktivität sowie der Lebensqualität die Zahl auf 357 Orte erhöhen. In Ostdeutschland wird die Relevanz von Top-Arbeitskräften besonders deutlich: Zwar steht 47 Kreisen auch angesichts einer Zunahme hochqualifizierter Arbeitskräfte ein Beschäftigungsrückgang ins Haus. Demgegenüber soll jedoch in 56 ostdeutschen Regionen ein Zuwachs erreicht werden, wenn eine wissens- statt infrastrukturorientierte Standortpolitik verfolgt wird. Zudem werde der Rückgang der Erwerbstätigenzahl in vielen Regionen deutlich abgeschwächt.

Mit den westdeutschen Metropolen und umliegenden Regionen wie Hamburg, Köln-Bonn, Frankfurt, Stuttgart, Hannover oder München benennen PwC und das HWWI wenig überraschend die großen Gewinner der künftigen Entwicklung. Ihr Vorteil liege besonders darin, bereits über ausgezeichnete infrastrukturelle Voraussetzungen zu verfügen. Zudem profitieren sie von der geographischen Lage mit Nähe zu Frankreich und den Benelux-Staaten. Dortige Erwerbstätigenzahlen würden demzufolge bis 2018 um jeweils über zehn Prozent wachsen. Während der Hauptstadt Berlin zwar eine weniger starke aber dennoch positive Erwerbstätigenentwicklung bevorsteht, erweisen sich Dortmund und Köln mit Wachstumsraten von bis zu 30 Prozent als regelrechte Boom-Städte. (pte/jp)

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