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Tarnkappe für Street-View-Bilder

08.08.2010 | 14:31 Uhr |

Personen automatisch auf Straßenaufnahmen unsichtbar zu machen - das ist das ehrgeizige Ziel von Forschern der University of California in San Diego.

Ein Team um Serge Belognie und Arturo Flores hat soeben ein entsprechendes System vorgestellt. Es erkennt Personen, die auf Fotos einer Straßenszene auftauchen, löscht sie und ersetzt den Hintergrund automatisch. Profitieren könnte von dieser Technik vor allem der Straßenansicht-Dienst "Street-View" von Google Maps. Google wurde in der Vergangenheit schon mehrfach von Gerichten dazu verdonnert, Informationen von seinen Street-View-Bildern aus Datenschutzgründen zu löschen. So wurden Gesichter und Nummerntafeln durch Verwischen unkenntlich gemacht. Noch immer sind jedoch Kleidung, Form und Größe des Körpers einer Person gut erkennbar. In Verbindung mit der jeweiligen Adresse, an der eine Person aufgenommen wurde, ist in vielen Fällen eine Wiedererkennung mühelos.

Das System der kalifornischen Wissenschaftler soll hier Abhilfe leisten. Es entfernt Fußgänger und ersetzt die Löcher in den Bildern, indem es aus dem umliegenden Hintergrund eine künstliche grafische Information für das entstandene Loch bastelt. Kommt es eines Tages zur Integration in Google Street View, so würden diese Pixel laut den Forschern erst unmittelbar dann ersetzt werden, wenn der Nutzer das Bild anfordert.

Grundlage dieser automatisierten Retusche ist eine Technik zur Personenerkennung, die Bastian Leibe von der rheinisch-westfälischen technischen Hochschule Aachen entwickelt hat. "Zuerst muss ein Computer lernen, was eine Person ist", erklärt der Experte im pressetext-Interview. Kleidung, Körperhaltung und Artikulationen machen die Suche schwer, dennoch es ist die automatische Detektion möglich. "Erst wenn die zur Silhouette einer Person gehörenden Pixel identifiziert sind, kann man sie durch Artefakte ersetzen. Dazu braucht es Infos über den Hintergrund aus zwei andern Bildstellen."

Dass eines Tages automatisch alle Personen der Street-View-Bilder entfernt werden, hält der Aachener Computerwissenschaftler für technisch unmöglich. "Die Bilder würden durch die Artefakte so schlecht, dass sie keinen Nutzen mehr bieten. Allerdings ist denkbar, dass man eine Ausradierung von Fotos der eigenen Person gerichtlich erwirken kann. Das könnte dann zumindest halbautomatisch funktionieren."

Mit einigen Macken kämpft der Personenradierer jedenfalls weiterhin. Einerseits sind skurille Szenen zu erwarten, wie etwa Hunde an der Leine ohne Besitzer, herrenlose Fahrräder oder freistehende Schuhe, in denen nur Füße stecken. "Außerdem wird das System nur in städtischer Umgebung funktionieren, wo der Hintergrund in der Regel berechenbare Flächen sind", geben die Forscher zu bedenken. Auf eine Lösung wartet auch noch die Aufgabe, ganze Gruppen von Fußgängern aus Einzelbildern zu entfernen.

(pte)

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