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Handy-Verbindungsdaten sind Goldgrube

05.06.2010 | 14:37 Uhr |

Anders als beim Internet werden Mobiltelefon-Daten bisher noch wenig kommerziell genutzt. Angesichts der großen Gewinne, die sich Netzbetreiber erwarten, wird sich das Experten zufolge jedoch bald ändern.

"Verbesserungen bei Speicherlösungen, Prozessoren und Algorithmen erlauben heute, diese riesigen Datenmengen auch in großem Maßstab auszuwerten und für Industrie und Wissenschaft nutzbar zu machen", betont Vincent Blondel, Leiter des Instituts für mathematisches Ingenieurswesen an der belgischen Universität Löwen , im pressetext-Interview. Im Gegensatz zu Festnetzdaten lassen sich Handyanrufe einzelnen Personen statt Gruppen wie etwa Familien zuordnen. Handynutzung generiert ständig eine riesige Menge von Daten, die unter anderem über Herkunft, Zielnummer, Art und Dauer der Verbindung Auskunft geben. Besonders relevant ist die Identifikation des gerade verbindenden Sendemasts, dank der ein Telefon zur Zeit des Rufaufbaus innerhalb von einem kleinen Radius geortet werden kann.

Die Auswertung dieser geografischen Information hat laut Blondel die besten Chancen, auf anderen Gebieten ausgenutzt zu werden. Möglich seien etwa Lösungen, die Ressourcen der Gesellschaft besser nutzbar machen. "Man denke an Carsharing. Will ich von Ort A nach B kommen, könnte ich dies als SMS-Nachricht eingeben, während das Handy-GPS meine genaue Lage weiterleitet. In einer Zentrale wird das mit Daten von Menschen übereingestimmt, die sich gerade auf diesem Weg befinden. Diese erhalten die Nachricht", veranschaulicht der Experte.

In den USA, wo es traditionell wenig Regulierung gibt, ist die Nutzung solcher Daten bereits weit fortgeschritten. Ein Umsetzungsbeispiel ist hier die Schätzung des aktuellen Verkehrsaufkommens, die bei Google Maps in größeren Städten integriert ist. Dabei wird ausgewertet, wie intensiv die Aktivität der jeweiligen Antennen ist. "Auch soziale Trends sind aus diesen Daten ablesbar und Marketing oder Stadtplanung profitieren. Für die US-Betreiberfirmen bedeutet das, dass schon heute ein bedeutender Teil ihres Einkommens auf den Datenverkauf zurückgeht", so der belgische Mathematiker.

Höchst relevant sind diese Daten jedoch auch für die Wissenschaft. Blondel und sein Team analysierten Handy-Telefonate von zwei Mio. Belgiern und zeigten, dass Französisch- und Flämischsprecher kaum mit der jeweils anderen Sprachgruppe in Kontakt stehen. Auch die deutschsprachigen Belgier bleiben am Telefon unter sich. "Menschen telefonieren vor allem mit ihren Nachbarn. Je größer die geografische Distanz, desto weniger Kontakt gibt es - auch am Telefon", so Blondel. Weitere Forschungsgebiete seien die Kommunikations- und Mobilitätsforschung, die Erkundung von Virusausbreitungen oder der Katastrophenschutz.

Sobald Daten nicht mehr nur auf Gruppen, sondern auf Individuen zurückführbar sind, steigen die Herausforderungen für den Datenschutz enorm. Ein Problem dabei ist, dass Individuen trotz Löschung von Name und Nummer durch Übereinstimmung mit anderen Datenbanken identifiziert werden können. Blondel forscht mit seinem Team an Lösungen, die geografische oder zeitliche Daten unscharf machen sollen. "Jede Gesellschaft muss festlegen, was Betreiberfirmen weitergeben dürfen. Wie Datennutzung und Datenschutz in Einklang gebracht werden können, sollte die Wissenschaft klären", so der Experte.

(pte)

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