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Datenschützer empfiehlt WhatsApp-Boykott

21.02.2014 | 09:41 Uhr |

Ein deutscher Datenschützer kritisiert die Übernahme von WhatsApp durch Facebook. Und empfiehlt den Boykott beider US-Dienste. Es gibt auch die Forderung, dass die EU-Kommission prüfen müsse, ob ein wettbewerbrechtliches Verfahren eingeleitet werden müsse.

Facebooks Ankündigung, WhatsApp für 19 Milliarden US-Dollar übernehmen zu wollen , stößt auch auf Kritik. Thilo Weichert, Leiter des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) empfiehlt deutschen und europäischen Nutzern gar den Boykott sowohl von Facebook als auch von WhatsApp. Das Handelsblatt zitiert den Datenschützer mit den Worten: "Wem die Vertraulichkeit der eigenen Kommunikation etwas wert ist, der sollte auf vertrauenswürdige Dienste zurückgreifen."

Die Nutzer, so Weichert, sollten Dienste nutzen, die zu Unternehmen gehören, die "einem wirksamen Datenschutzregime" unterlägen und auch transparente Sicherungen vorsehen. Weichert bezeichnet WhatsApp als eine technisch nicht ausgereifte "Datenschleuder". Weil die App auch Adressbücher auslese, seien Datenlecks problematisch. Außerdem äußerte Weichert die Befürchtung, dass Facebook nach der Übernahme die Daten der WhatsApp-Nutzer für kommerzielle Zwecke ausbeuten könnte, um damit Geld zu verdienen.

Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar bezeichnet WhatsApp als "Blackbox" für Datenschützer, weil unklar sei, ob bei ihr der europäische oder deutsche Datenschutz eingehalten werde. Er kündigt an, bei Facebook nachfragen zu wollen, ob künftig bei WhatsApp der Datenschutz eingehalten werde.

Es gibt außerdem wettbewerbsrechtliche Bedenken an der Übernahme. Jan Philipp Albrecht, Rechtsexperte der Grünen im Europäischen Parlament, fordert, dass die EU-Kommission prüfen müsse, ob ein wettbewerbrechtliches Verfahren eingeleitet werden muss, weil Facebook und WhatsApp eine marktbeherrschende Stellung einnehmen könnten. "Facebook und WhatsApp stellen eine ziemliche Bedrohung für ihre Konkurrenz in Europa und die Verbraucher dar", so Albrecht. Er empfiehlt Nutzern eher zu datensicheren Angeboten zu greifen.

Einen Überblick über die wichtigsten Alternativen zu WhatsApp finden Sie hier.

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