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Audio- oder Multimedia-Systeme, Navis, eCall und mehr: Die Elektronik in modernen Autos wird immer ausgefeilter. Wir testen die Multimedia- und Multifunktionssysteme von Audi, BMW, Mercedes, Toyota und vielen Herstellern mehr.

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Datenkrake Auto dient als Beweismittel gegen den Fahrer

31.05.2016 | 12:18 Uhr |

Moderne Autos sammeln Daten, die bei Streitfällen gegen ihren Fahrer verwendet werden können. Der ADAC hat untersucht, welche Daten beispielsweise BMW, Daimler und Renault sammeln.

Update 31.5.: Datensammeln im Mercedes und Renault

Der ADAC hat untersucht, welche Daten ausgewählte Fahrzeuge speichern. Denn nur die Fahrzeughersteller wissen, welche Daten das genau sind – die Eigentümer und Fahrer der rollenden Computer besitzen darüber keinerlei Kenntnis.

Der ADAC hat deshalb aktuell eine Mercedes B-Klasse und einen Renault Zoe untersucht. Bereits 2015 nahmen IT-Experten im Auftrag des ADAC einen BMW 320d und einen BMW i3 unter die Lupe. Das Ergebnis laut ADAC: Die Hersteller sammeln vielfältige Daten, die unter anderem Rückschlüsse auf den technischen Zustand des Pkw oder das Nutzungsprofil des Fahrers zulassen.

Daten im Auto
Vergrößern Daten im Auto
© ADAC

Datensammeln in der Mercedes B-Klasse

Bei der Mercedes B-Klasse, die mit dem System me-connect ausgestattet ist, fanden die vom ADAC beauftragten Experten beispielsweise heraus, dass das System etwa alle zwei Minuten die GPS-Position des Fahrzeugs sowie Kilometerstand, Verbrauch oder Reifendruck an den Hersteller übermittelt. Auch die Zahl der Gurtstraffungen wird gespeichert, etwa aufgrund starken Bremsens.

Schichtenmodell Steuergeräte im Auto
Vergrößern Schichtenmodell Steuergeräte im Auto
© ADAC

Fehlerspeicher-Einträge werden teilweise mit Informationen über zu hohe Motodrehzahl oder -temperatur abgelegt (erlaubt Rückschlüsse auf den Fahrstil). Gefahrene Kilometer auf Autobahnen, Landstraßen und in der Stadt („highway-conditions“, „road-conditions“ und „urban-conditions“) werden getrennt gespeichert (erlaubt Rückschlüsse auf das Nutzungsprofil). Betriebsstunden der Fahrzeugbeleuchtung werden gespeichert. Die letzten 100 Lade- und Entladezyklen der Starterbatterie werden mit Uhrzeit und Datum sowie Kilometerstand gespeichert, woraus sich Fahr- und Standzeiten ergeben.

Datensammeln im Renault Zoe

Beim Elektroauto Renault Zoe fiel auf, dass Renault via Mobilfunkverbindung beliebige Informationen auslesen und im Pannenfall Ferndiagnosen vornehmen kann. Außerdem kann Renault das Aufladen der Batterie verhindern, etwa aufgrund nicht bezahlter Leasing-Rechnungen! Bei jeder Fahrt, spätestens jedoch alle 30 Minuten, wird ein Datenpaket an Renault gesendet, das mindestens enthält: VIN, div. Seriennummern, Datum, Uhrzeit, GPS-Position, Temperatur, Ladung und Zellspannung der Hochvolt-Antriebsbatterie; diese Informationen können von Renault auch jederzeit angefordert werden, wie der ADAC erläutert.

Datensammeln im BMW

Bei den BMW-Fahrzeugen, die bereits im August 2015 untersucht wurden, konnten die IT-Experten im Datensatz unter anderem die Anzahl der eingelegten CDs und DVDs (320d) beziehungsweise die 100 letzten Abstellpositionen des Autos (i3) auslesen. Außerdem die erreichte Maximal-Drehzahl des Motors mit jeweiligem Kilometerstand (erlaubt Rückschlüsse auf den Fahrstil).

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Der Datentransfer birgt sowohl Chancen als auch Risiken, wie der ADAC betont. Es kann ein Vorteil sein, an Wartungsintervalle erinnert zu werden oder den in einer fremden Stadt geparkten Wagen wiederzufinden. Nachteilig kann sich auswirken, dass die Autokonzerne und die nachgelagerten Versicherungen oder Finanzdienstleister Informationen über den Fahrstil eines Autolenkers bekommen und entsprechend ihre Prämien anpassen.

Ende des Updates, Beginn der ursprünglichen Meldung

Datenkraken und Spione gibt es nicht nur im Internet und im Bundesverteidigungsministerium. Sondern auch im Auto. Denn moderne Autos sammeln Unmengen von Daten über das Fahrverhalten. Dank immer ausgefeilterer Telematik- und Navigationssysteme, immer besserer Internet- und Smartphone-Konnektivität, immer mehr verbauten Sensoren und vor allem dank der immer leistungsfähigeren Steuergeräte, die im PKW verbaut sind. Anhand der in den Steuergeräten aufgezeichneten Daten können Automobil-Hersteller und Werkstätten (sofern sie über die nötigen Geräte zum Auslesen der Daten verfügen) das Fahrverhalten analysieren und zumindest teilweise rekonstruieren. Und diese Daten dann gegen den Autofahrer verwenden. Wie ein aktueller Fall beweist.

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Die ADAC Motorwelt berichtet in ihrer aktuellen Ausgabe 7/2014 von einem Fall, der jedem Autofahrer die Haare zu Kopf stehen lassen dürfte: Ein Mann kaufte sich ein BMW Z4-Cabrio. Kurz nach dem Kauf streikte bereits das elektrische Verdeck. Der Auto-Käufer verlangte von seinem Verkäufer, einem Auto-Händler, kostenlose Nachbesserung. Denn darauf hat er bei einem Kauf von einem Händler einen Rechtsanspruch.

So lesen Sie den Computer von Autos aus

Doch der Händler ließ den Z4-Fahrer abblitzen. Weil der Verkäufer angeblich an den im Steuergerät des Z4 gespeicherten Daten sehen konnte, dass der Fahrer das Verdeck während der Fahrt bei unzulässig hohem Tempo geschlossen beziehungsweise geöffnet habe. Dadurch sei die Verdeck-Technik kaputt gegangen. Der Beweis stehe also im Fehlerspeicher des Fahrzeugs. Das könne auch der Mitarbeiter, der den Fehlerspeicher ausgelesen habe, bezeugen. Der Z4-Fahrer bestreitet aber das Bewegen des Verdecks bei hohem Tempo. Der Fall wird nun vor Gericht verhandelt. Dort steht also die Aussage des Z4-Fahrers gegen den Eintrag im Fehlerspeicher und die Aussage des Werkstatt-Mitarbeiters.

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Dieser Fall, dessen Gerichtsurteil noch aussteht, beleuchtet auf frappierende Weise das Problem des „gläsernen Autofahrers“. Die Automobil-Hersteller und Anbieter von Telematikdiensten wissen (fast) alles über ihn und sein Fahrverhalten, der Autofahrer selbst hat jedoch keinen Zugriff auf die über ihn gesammelten Daten und kann diese nicht einsehen. Ja, er weiß nicht einmal, was alles über ihn gespeichert wird. Es herrscht keine Chancengleichheit zwischen Hersteller und Vertrags-Werkstatt auf der einen Seite und dem Kunden auf der anderen Seite.

In der Praxis können die Hersteller die Daten aus den diversen über das ganze Auto verteilten Steuergeräten immer für ihre Beweisführung heranziehen. Nur ein typisches Beispiel: Der Turbolader eines hochpreisigen Diesel-PKWs geht kurz nach Ablauf der Garantie kaputt. Der Fahrer hofft auf Kostenübernahme durch Kulanz. Der Hersteller sieht aber im Datenspeicher, dass der Fahrer den Turbolader nach langen Hochgeschwindigkeitsfahrten nicht eine Zeitlang im Leerlauf abkühle hat lassen, wie es der Herstellerempfehlung entspricht: Und verweigert die Übernahme der Reparaturkosten auf Kulanz.

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Der ADAC fordert deshalb, dass der Rechtsgeber klärt, wer die Daten aus den diversen Datenspeichern eines Autos verwenden dürfe und welche Beweiskraft diese vor Gericht haben sollen.

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Alternativen? Gibt es derzeit nicht! Sofern wir nicht alle mit Oldtimern durch die Gegend fahren wollen. Die gespeicherten Daten alle selbst zu löschen, ist für den Durchschnittsautofahrer nicht möglich. Nur das Lesen und Löschen des Fehlerspeichers lässt sich vergleichsweise einfach bewerkstelligen (möglicherweise hätte das im obigen Fall des Z4-Fahrers sogar geholfen) , zum Beispiel mit einem Scangauge. Aber um alle  Daten im Steuergerät löschen zu können, sind definitiv Spezialkenntnisse und teure Software wie zum Beispiel VCDS für Volkswagen-Fahrzeuge erforderlich. Diese stehen dem Durchschnittsfahrer nicht zur Verfügung und das ist gut so. Denn mit diesen Profi-Werkzeugen kann man einen PKW auch ernsthaft beschädigen.

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