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Datenautobahn ins Gehirn

23.09.2005 | 18:03 Uhr |

Sony will Informationen direkt ins Gehirn übertragen. Noch wären dafür Neuro-Implantate nötig, doch alternative Kanäle in die menschliche Schaltzentrale sind denkbar.

Ob William Gibsons „Cyberspace“ oder die „Matrix“ – SF-Helden schließen ihr Hirn direkt ans Internet an. Dieser direkte Zugang ins Gehirn erscheint Sony immerhin so realistisch, dass die Firma ihn durch eine Reihe von Patenten absichert – auch wenn daraus in nächster Zukunft wohl noch kein Produkt werden dürfte. „Möglicherweise wird uns die Technologie eines Tages in diese Richtung führen“, antwortete Sony-Sprecherin Elizabeth Boukis orakelhaft auf eine Anfrage der Digital.World. Bereits seit Anfang der 90er-Jahre ist der Forschung bekannt, dass Ultraschallimpulse die Erregbarkeit von Nervenzellen kurzzeitig verändern. Wie aus den Aktivitäten einzelner Gehirnzellen Sinneseindrücke entstehen, ist jedoch weiter ein Rätsel. Wie kann man im Gehirn gezielt einen Freudentaumel auslösen oder bei einem Shooter-Spiel die Vorstellung eines Blutbads erzeugen? Die Komplexität der Hirnfunktionen sei heute nicht ansatzweise verstanden, gibt Rolf Eckmiller, Chef der Neuroinformatik der Universität Bonn, zu bedenken. „Von diesem Thema halte ich nichts“, ließen europäische Spezialisten für Gehirn-Computer-Schnittstellen mehrfach im Gespräch mit Digital.World verlauten – allerdings erst nach der Zusicherung, sie nicht namentlich zu zitieren. Beim Gedanken an derartige Gehirnmanipulationen erwacht schnell die Urangst der Menschen, ferngesteuert zu agieren und von Dritten kontrolliert zu werden. Ganz abgesehen von den unsicheren medizinischen Folgen einer andauernden Ultraschallberieselung.

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