01.09.2011, 10:47

Panagiotis Kolokythas

Daten-Gau

Wikileaks verliert Kontrolle über 250.000 Dokumente

Durch ein Sicherheitsleck hat Wikileaks laut eigenen Angaben die Kontrolle über den Inhalt von 250.000 US-Diplomaten-Depeschen verloren. Die Depeschen sollen bereits im Internet kursieren und dürften vor allem für Geheimdienste interessant sein.
Im Internet sind über 250.000 US-Botschafts-Dokumente aufgetaucht, die von Wikileaks entwendet wurden. Die Daten werden über Bittorrent in einer 550 MB großen Datei verbreitet. Besonders brisant: Die Depeschen sind in unredigitierter Fassung im Netz erschienen und enthalten somit auch Hinweise auf die Informanten. In einer ersten Stellungnahme macht Wikileaks die britische Zeitung "The Guardian" für die Veröffentlichung der Depeschen verantwortlich. Deren Reporter David Leigh soll in seinem Buch das Passwort veröffentlicht haben, mit dem sich die auf den Servern von Wikileaks abgelegten Botschafts-Dokumente entschlüsseln ließen. Durch diese Information konnten die Dokumente heruntergeladen und anschließend im Internet veröffentlicht werden.
Sowohl "The Guardian" als auch David Leigh weisen die Vorwürfe von Wikileaks in einer Mitteilung zurück. Leigh erklärte, dass Wikileaks-Gründer Julian Assange ihm im Juli 2010 ein Passwort genannt habe, mit dem er auf einem Server die US-Botschafts-Dokumente herunterladen konnte. Assange, so Leigh weiter, habe ihm aber damals versichert, dass der betreffende Server nur für kurze Zeit verfügbar sein würde und auch das Passwort anschließend nicht mehr gültig sein würde. Aus diesem Grund nannte Leigh das Passwort zur Entschlüsselung der Dateien in seinem Buch "Inside Julian Assange´s War on Secrecy", das im Februar erschien. Leigh verriet aber nicht, auf welchem Server die Dateien lagen.
Wieso auf dem betreffenden Server die Dokumente auch lange nach dem Gespräch zwischen Leigh und Assange lagen, erklärt Wikileaks in seiner jetzt veröffentlichten Stellungnahme nicht. Stattdessen wirft es der britischen Zeitung und David Leigh vor, dass das in dem Buch veröffentlichte Passwort über die vergangenen Monate verbreitet habe und das Sicherheitsleck dem Ruf der Enthüllungsplattform schade.
Das Nachrichtenmagazin Spiegel berichtet am Donnerstag, dass die nun im Internet veröffentlichten über 250.000 unredigierten US-Diplomaten-Depeschen die Namen von vielen Informanten enthalten, die die US-Diplomaten weltweit mit Informationen versorgen. In den im vergangenen Jahr vom Spiegel, dem Guardian, El Pais, Le Monde und der New York Times veröffentlichten Depeschen waren diese Namen noch zum Schutz der betreffenden Personen unkenntlich gemacht worden.
Die Nachrichtenagentur dpa meldet, dass der frühere deutsche Wikileaks-Sprecher und Openleaks-Gründer Daniel Domscheit Berg ein Schreiben eines Anwalts von Julian Assange erhalten habe, in dem Domscheit-Berg vorgeworfen wird, Journalisten die Hinweise zum Öffnen der verschlüsselten Dateien gegeben zu haben. Domscheit-Berg lehnt die Vorwürfe ab und wirft im Gegenzug Wikileaks vor, viele Fehler beim Umgang mit den Botschaftsdepeschen gemacht zu haben.
Fakt ist: Viele Informanten werden durch die Veröffentlichung enttarnt. Teilweise besteht für diese Informanten vermutlich Lebensgefahr. Künftig Informanten dürfte der Vorfall abschrecken und damit der Idee einer Enthüllungsplattform schaden.
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