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Data Mining als Studienarbeit

20.05.2005 | 15:39 Uhr |

Informatik-Studenten erhielten die Aufgabe im Internet nach privaten Daten zu suchen und waren ziemlich erfolgreich.

An einer amerikanischen Universität in Baltimore erhielt eine Gruppe von Informatik-Studenten im Rahmen einer Lehrveranstaltung die Aufgabe in öffentlichen Quellen nach privaten Daten zu suchen. Sie bildeten kleine Arbeitsgruppen, von denen jede ein Gesamtbudget von 50 US-Dollar erhielt. Sie sollten möglichst viele Daten über Privatpersonen sammeln. Im Ergebnis wurde gezeigt, dass mit im Internet verstreuten Informationen recht umfassende Profile vieler Menschen erstellt werden können, ohne dass viel Geld in die Dienst professioneller Datensammler investiert werden muss.

Die Studenten hatten strikte Anweisung nur legale, öffentlich verfügbare Informationsquellen zu nutzen. Das Eindringen in geschützte Datenbanken war nicht erlaubt. Stattdessen besuchten sie zum Beispiel lokale Behörden, beriefen sich bei Auskunftsbegehren auf den "Freedom of Information Act" oder fragten einfach mal freundlich an. So erhielten sie zuweilen ganze Datensammlungen auf CD-ROM. Sie schrieben auch kleine Programme, die ungeschützte Daten von Web-Servern wie etwa den Gelben Seiten oder staatlichen Genehmigungsbehörden für Gewerbeanmeldungen einsammelten.

Die gefundenen Informationen wurden in Datenbanken zusammengefasst, bereinigt und so aufbereitet, dass man zu den einzelnen Personen mehrschichtige Profile abfragen konnte. So enthielt zum Beispiel der Eintrag eines Architekten nicht nur seine genaue Adresse, sein Geburtsdatum und das seiner Frau, sondern auch den Preis, den die beiden für ihr Haus bezahlt hatten, die Parteizugehörigkeit des Architekten und alle Wahlen, an denen er teilgenommen hatte. Ferner erfuhren die Datensammler, dass seine Zulassung als Architekt einige Monate später ablaufen würde.

Die Studenten trugen mehrere Hundertausend Datensätze dieser Art zusammen. Hätte ihnen ein Budget zur Verfügung gestanden, wie es professionelle Datensammler haben, hätten sie wohl noch wesentlich mehr Informationen über noch mehr Menschen heraus bekommen. Data-Mining-Firmen kaufen etwa ganze Datenbanken unter anderem bei Schutzorganisationen der Kreditwirtschaft und erhalten so noch ganz andere, brisantere Informationen. Das stimmt insbesondere deshalb bedenklich, weil in letzter Zeit bei mehreren solcher Unternehmen massive Sicherheitsmängel entdeckt wurden, durch die ganze Datenbanken in fremde Hände fielen.

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