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Das Ende von 3Dfx

18.12.2000 | 16:42 Uhr |

Nvidia kauft 3Dfx. Damit kämpfen nur noch zwei Firmen um die Tempo-Krone bei den Grafikkarten: Nvidia und ATI. Das erinnert an das Duell Intel gegen AMD bei Prozessoren. Doch wer hier welche Rolle übernimmt, ist noch unklar.

Nvidia kauft 3Dfx: Das lange herumgereichte Gerücht hat sich am Freitag bewahrheitet. Technologie, Markennamen und Lagerbestände - alles geht an Nvidia. Damit kämpfen nur noch zwei Firmen um die Tempo-Krone bei den Grafikkarten: Nvidia und ATI. Das erinnert an das Duell Intel gegen AMD bei Prozessoren. Doch wer hier welche Rolle übernimmt, ist noch unklar.

Zwar hat Nvidia dem früher vor allem im OEM-Geschäft dominierenden Konkurrenten Marktanteile abgenommen. Doch ATI bringt seine Grafikchips auch außerhalb des PC-Bereichs gut unter: Bei den Grafikchips für Notebooks sind sie Marktführer, für Hauptplatinen und Set-Top-Boxen bietet ATI integrierte Chipsatzlösungen, und mit dem Grafikchip für Nintendos "Gamecube" hat die Firma auch einen Fuß im Konsolengeschäft.

Doch Nvidia will ebenfalls diese Felder besetzen: Mit dem Geforce 2 Go bringt das Unternehmen im nächsten Jahr einen leistungsfähigen Notebook-Chip auf Basis des Geforce 2 MX, in den Crush-Chipsätzen für Intel- und AMD-CPUs arbeitet ebenfalls ein MX-Grafik-Kern, und bekanntermaßen wird Nvidia für die Grafik in Microsofts Xbox-Konsole sorgen.

Mit dem Kauf von 3Dfx hat Nvidia Zugriff auf alle vom ehemaligen Konkurrenten entwickelten Technologien. Dazu gehören nicht nur die noch in der Entwicklung befindlichen Chips mit den Codenamen Rampage, Spectre und Sage, sondern auch die Multichip-Technologie, die auf der Voodoo-5-5500 zwei Grafikchips auf einer Karte ermöglichte - eine Technik, die ATI auf der Rage Fury MAXX schon letztes Jahr vorstellte.

Mit dem Kauf geht ebenfalls die Firma Gigapixel - erst im März von 3Dfx erworben - an Nvidia: Die von 3Dfx "Mosaic" getaufte Gigapixel-Architektur ermöglicht eine bandbreitensparende Render-Technik, bei der nur noch die im fertigen Bild auch wirklich sichtbaren Pixel vom Grafikchip gezeichnet werden. Eine ähnliche Technik integriert Videologic in den Kyro-Chip. Auch ATI (Hyper-Z) und Nvidia (Hidden Surface Removal) haben oder werden ihre Chips mit solchen Techniken ausstatten.

Auch rechtlich profitiert Nvidia vom 3Dfx-Kauf: Da Nvidia nun keine Patentklage mehr von 3Dfx zu fürchten hat, kann sich die Firma voll auf die Bedrohung durch Rambus konzentrieren. Nvidia hatte im letzten Quartalsbericht die Aktionäre gewarnt, dass gerichtliche Schritte von Rambus zur Durchsetzung angeblicher Patente für SD- und DDR-RAM ein finanzielles Risiko für Nvidia darstellen könnten. Einen Kampf gegen zwei Gegner hat Nvidia nun mit dem 3Dfx-Kauf vermieden. (PC-WELT, 18.12.2000, tr)

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