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Experte: Kunden können Datenklau am Automaten kaum erkennen

30.04.2007 | 08:43 Uhr |

Bankkunden haben nach Einschätzung eines Experten nur geringe Chancen, sich vor kriminellem Datenklau am Geldautomaten zu schützen.

Die von professionellen Banden eingesetzten Lese- und Beobachtungsgeräte seien häufig so gut getarnt, dass sie für Laien nicht erkennbar seien, sagte der Leiter des Frankfurter Fachkommissariats für Betrug im bargeldlosen Zahlungsverkehr , Gerhard Ruhl, am Samstag in einem dpa-Gespräch. Er plädierte für eine bessere technische Ausstattung der Kreditkarten.

Die vor allem aus Rumänien stammenden Tätergruppen suchten sich in erster Linie Automaten im Außenbereich aus, von denen sie annähmen, dass die von den Banken nicht per Video überwacht werden, schilderte der Ermittler. Zum so genannten Skimming werden ein Lesegerät für den Magnetstreifen und eine Kamera zum Ausspähen der PIN-Geheimzahl an den Automaten angebracht. "Die neuen Geräte geben die Daten gleich per Funk weiter an einen der Täter, der vielleicht mit seinem Laptop gemütlich in einem Café sitzt", berichtete der Polizist.

Die Daten werden von den Banden später in aller Ruhe auf handelsübliche Rohlinge überspielt, mit denen die Konten abgeräumt werden. Zwischen dem Ausleseprozess, von dem der Kunde in der Regel nichts bemerkt, bis zur Kontoplünderung konnten in der Vergangenheit bis zu sechs Wochen vergehen, sagte Ruhl. Besonders beliebt sind Abhebungen in großen Feriengebieten. "Da sind die Täter absolut anonym." Wenn die Kunden nicht grob fahrlässig handeln, tragen die Banken den Schaden. Grob fahrlässig wäre es zum Beispiel, die PIN auf der Karte zu notieren.

Die Institute sieht der Kriminalbeamte in der Pflicht zur Vorbeugung. Keinesfalls dürften sie - wie von einigen Banken erwogen - die relativ verbreitete Videoüberwachung der Automaten aus Kostengründen streichen. Auch könnten die Karten mit verschlüsselten Kundendaten in Sicherheits-Chips wesentlich besser geschützt werden als derzeit auf den Magnetstreifen.

Die relativ neue Form der Betrugskriminalität sei laut Interpol in ganz Europa verbreitet, erklärte der Hauptkommissar. Die arbeitsteilige Organisation der Täter lasse Strukturen zur Organisierten Kriminalität erkennen. Im Nachhinein seien auch die Wege bestimmter Tätergruppen von Stadt zu Stadt erkennbar. In Frankfurt wurde ein Außenautomat auf einem zentralen Platz bereits drei Mal angegriffen. "In einer Serie gab es 220 Geschädigte, die um 300.000 Euro betrogen wurden." (dpa/tc)

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