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DVD-Filme zu Hause kopieren

22.01.2001 | 16:49 Uhr |

Mit DivX können Videos im MPEG-4-Format abgespeichert werden. Damit könnte die größte Hürde für die Videobearbeitung am PC genommen sein. Denn endlich gibt es ein ausreichend gutes Kompressionsverfahren, um einen kompletten DVD-Film auf eine CD-R zu brennen.

Mit DivX können Videos im MPEG-4-Format abgespeichert werden. Damit könnte die größte Hürde für die Videobearbeitung am PC genommen sein. Denn endlich gibt es ein ausreichend gutes Kompressionsverfahren, um einen kompletten DVD-Film auf eine CD-R zu brennen.

Bisher sahen sich Heimanwender bei der Videobearbeitung mit dem Problem des unzureichenden Speicherplatzes konfrontiert. Und auch Raubkopierer konnten mit dem geknackten Kopierschutz einer DVD nicht viel anfangen. Denn wie sollte man die Kopien vertreiben, wenn die Filme nur auf Festplatten oder DVDs passen? Wechselfestplatten sind teuer und unpraktisch, DVD-Brenner zu erschwinglichen Preisen noch nicht marktreif.

Dies hat sich mit dem Kompressionsverfahren DivX entscheidend geändert. Eini ZweiStunden-Kinofilm passt damit in passabler Qualität auf eine CD. DivX ist ein Codec für Avi-Dateien für Windows, Linux, MacOS und BeOS-Rechner. Und DivX bewegt seit einigen Monaten die Gemüter im Internet. Der Name spielt auf ein gescheitertes Verfahren für Leih-DVDs an, hat damit aber nichts weiter gemeinsam.

Mit DivX kann man einen Film, der als DVD-Video vorliegt, anstelle des üblichen Filmformates MPEG-2 im MPEG-4-Format abspeichern. Dadurch lässt sich die Dateigröße eines DVD-Films um das Zehn- bis Zwölffache reduzieren. Die Qualität bleibt aber deutlich über VHS-Standard. Aus einem sechs Gigabyte großen Movie wird so eine relativ schlanke, weniger als 700 Megabyte große Datei, die problemlos auf einer CD-R Platz findet.

MPEG-4 ist eine Weiterentwicklung des bisherigen MPEG-2-Formats und wird seit 1996 entwickelt. Bei einem Bild werden die Bewegung (Motion), die Textur und die Form (Shape) übergeben. Außerdem kann MPEG-4 eine Erweiterung hin zu 3D-Objekten anbieten. Dies geschieht mit einer Skriptsprache, die dem aus der Webprogrammierung bekannten VMRL ähnelt. Zur Ansteuerung externer Hardware gibt es eine Java-Schnittstelle.

Die Kompressionsrate als solche ist bei MPEG-4 nicht höher als bei MPEG-2, aber Sprites können besser komprimiert werden, weil dem Coder dafür wesentlich mehr Zeit zur Verfügung steht. Eventuell kann dabei auf Wavelets umgeschaltet werden. Die Skriptsprache ermöglicht es, in wenigen Bytes Operationen wie "verschieben" wesentlich schneller durchzuführen, als es die digitalisierte komprimierte Form der gleichen Operation ermöglichen würde. Mit Hilfe dieser "Sprites" können beliebig konturierte Standbilder über sich bewegende Bilder geschoben werden.

Die Erfinder von DivX behaupten, einen Microsoft-Codec für MPEG-4 geknackt zu haben. Microsofts erste Implementation von MPEG-4 wird seit Windows 98 auf jedem Windows-PC immer installiert und beschränkt die maximale Datenrate auf 256 Kilobit pro Sekunde. Für ein ruckelfreies Video in ansprechender Qualität ist das zu wenig. Durch den Hack wurde die Erhöhung der Bitrate auf bis zu 6000 Kilobit pro Sekunde möglich. Doch eine so hohe Bitrate ist gar nicht notwendig: 600 Kilobits pro Sekunde reichen völlig. Ein derart bearbeiteter 120-Minuten-Film passt problemlos auf eine herkömmliche CD-R.

Außerdem wird vor der eigentlichen Codierung ein Weichzeichner eingeschaltet. Dieser ist nötig, da MPEG-Verfahren bei hohen Kontrastsprüngen für ein scharfes Bild mehr hochfrequente Signale und damit hohe Datenraten benötigen. Stehen diese nicht zur Verfügung, entstehen im Bild unansehnliche Artefakte, denen der Weichzeichner entgegen wirkt.

Mit DivX lassen sich übrigens nur die Bilder einer Videos bearbeiten - nicht jedoch der Ton. Dafür wird meist das bewährte MP3-Format hinzugezogen. Das Download-Paket von DivX beinhaltet eine gehackte Version des originalen MP3-Encoders des Fraunhofer Instituts, was eindeutig illegal ist.

Es gibt bereits einige Programme, die sich DivX bedienen, um DVD-Filme in DivX-Dateien umzuwandeln. Ein weit verbreitetes heißt FlaskMPEG. Der Kopiervorgang läuft in der Regel so ab: Zunächst muss der DVD-Film auf die Festplatte kopiert und der Kopierschutz beseitig werden. Dann erfolgt die Umwandlung des Videos per FlaskMPEG und DivX. Schließlich muss noch der Ton komprimiert und synchronisiert werden (im MP3-Format). Für diesen kompletten Kopiervorgang ist mit einem Zeitaufwand von ungefähr fünf bis 13 Stunden zu rechnen, wie Tests des Tecchannel ergaben. Entscheidend ist hier die Rechnerleistung. Wer sich also ernsthaft mit DivX beschäftigen will, sollte schon mal die Neuanschaffung eines modernen PCs mit hohen Taktraten ins Auge fassen.

Und wie sieht die Rechtslage aus? Darf man DVDs einfach kopieren? Nachdem das technische Problem des fehlenden Speicherplatzes gelöst ist - wodurch bisher Kopien von DVDs uninteressant waren - brennt diese Frage unter den Nägeln.

Gemäß Paragraph 53 Absatz 1 des Urheberrechtsgesetz darf man zum eigenen Gebrauch Kopien von urheberrechtlich geschützten Werken anfertigen. Und zwar bis zu sieben(!) Kopien. Diese Kopien dürfen durchaus verliehen werden, allerdings muss dies absolut kostenfrei geschehen. Der Tausch oder der Verkauf dieser Kopien ist eindeutig illegal!

Es gibt bereits eine Weiterentwicklung von DivX: 3ivx. Es basiert auf Apple Quicktime, während DivX auf auf Windows-Rechnern läuft. SMR, AngelPotion oder nAVI basieren auf DivX und werden ebenfalls als Nachfolger gehandelt. Sie ermöglichen eine noch bessere Kompression, wenn auch bei teilweise deutlich schlechterer Qualität. Der Vertrieb von Kinofilmen über das Internet wird damit Realität. Vorausgesetzt, es stehen genügend DSL-Anschlüsse zur Verfügung, denn eine Breitbandverbindung ist unverzichtbar.

Doch nicht nur "Videos-on-demand" könnte damit als neues Verkaufs- und Vertriebsmodell Realität werden. Auch der Filmpiraterie ist Tür und Tor geöffnet. Napster lässt grüßen.

Unter der Bezeichnung OpenDivX wird eine Open-Source-Version von DivX für Windows und Linux im Netz zum Download bereit gestellt. Unter dem Namen Project Mayo entwickelt das Team, das angeblich einen MPEG-4-Codec von Microsoft gehackt hat, derzeit einen neuen Video-Codec. Ob dieser noch auf fremdem Quelltext basiert, ist bisher ungeklärt.

Weitere Informationen zu DivX finden Sie bei unsrem Schwestermagazin TecChannel. (PC-WELT, 22.01.2001, hc)

TecChannel: DivX: Das MP3 für Kinofilme

3ivx

Opencodex

OpenDivx

3ivX fertig gestellt (PC-WELT Online, 18.12.2000)

Napster für Filme (PC-WELT Online, 05.12.2000)

Kompakteres DivX fast fertig (PC-WELT Online, 04.12.2000)

Legales DivX entwickelt (PC-WELT Online, 02.10.2000)

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