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90 Prozent gegen Film-Kopierschutz

22.04.2009 | 18:22 Uhr

Die Kopierschutzrestriktionen für gekaufte Film-DVDs sind den Bürgern in den USA ein Dorn im Auge. Einer aktuellen Untersuchung der Verbraucherschutzorganisation National Consumers League (NCL) zufolge spricht sich mit 90 Prozent die große Mehrheit der US-Konsumenten dafür aus, dass ein rechtmäßig erworbener DVD-Film von seinem Eigentümer auch ohne Probleme auf dem eigenen Computer gesichert werden kann.

Das Erstellen einer Sicherungskopie (Backup) wird aber derzeit durch den Kopierschutz CSS (Content Scrambling System), den die Filmwirtschaft DVDs aufgedrückt hat, verhindert. Ein Umgehen dieser Kopierschutzmaßnahmen ist illegal. "Die Einstellung der Verbraucher in Bezug auf das Erstellen von Sicherheitskopien ist durch Erfahrungen mit dem problemlosen Kopieren der eigenen CD-Sammlung auf Computer oder iPod geprägt. Nun fordern sie dieselben Rechte auch für DVD-Filme ein", stellt NCL Executive Director Sally Greenberg fest. "Die Frage, ob Nutzer das Recht haben sollten, eine private Kopie von einem legal im Handel erworbenen DVD-Film zu erstellen, wird bereits seit geraumer Zeit diskutiert.

Obwohl dieses Problem mittlerweile etwas entschärft worden ist, bleibt es bis auf weiteres dabei, dass das Umgehen von technischen Schutzmaßnahmen in diesem Zusammenhang illegal ist", erklärt Andreas Manak, Urheberrechtsexperte und Rechtsanwalt des Vereins für Anti-Piraterie der Film- und Videobranche (VAP), auf Anfrage von pressetext. Die Auffassung, dass das Anfertigen eines Backups zulässig sein muss, habe sich nicht durchgesetzt. Das Erstellen einer Eins-zu-eins-Kopie sei deshalb auf legalem Wege nicht möglich. "Es finden sich zwar im Internet genügend Tools, die dies ermöglichen. Sobald der CSS-Kopierschutz von DVDs umgangen wird, macht sich der User aber unbestritten strafbar", betont Manak.

Nach Paragraph 90 des österreichischen Urheberrechtsgesetzes müssten Privatpersonen bei einem entsprechenden Vergehen mit einer Gefängnisstrafe zwischen sechs Monaten und zwei Jahren rechnen. "Es gibt aber noch eine zweite Möglichkeit, wie Nutzer zu ihrer Sicherungskopie eines DVD-Films kommen können. Da hierbei der Kopierschutz nicht umgangen werden muss, ist diese Variante im Rahmen der Bestimmungen zur Erstellung von Privatkopien legal", merkt der Urheberrechtsexperte an. So gebe es inzwischen bereits eine Vielzahl von Softwareprogrammen, die ein sogenanntes "Image" eines DVD-Films erzeugen würden. "Bei diesen Tools wird der laufende Film aufgezeichnet und es entsteht eine Art analoger Kopie des Originals. Die Qualität dieser Methode ist zwar nicht so gut wie bei einer Eins-zu-eins-Kopie, dafür ist diese Vorgehensweise aber auch vollkommen gesetzeskonform", betont Manak.

Dass die Verbraucher sich an die Kopierfreiheiten bei CD-Medien inzwischen gewöhnt hätten und ähnliches nun auch bei DVDs einfordern, sei zwar einerseits nachvollziehbar. "Andererseits muss man allerdings auch bedenken, dass User-Verhalten und Industriepolitik in den einzelnen Bereichen des digitalen Marktes sehr unterschiedlich sind. Während etwa Musik-CDs heute zum größten Teil ohne Kopierschutz auskommen, herrscht in der Film- und Games-Branche eine völlig andere Vertriebspolitik", meint Manak. Die Nutzer müssten sich aber auch unabhängig von der jeweiligen Medienform im Klaren darüber sein, dass derjenige, der ein Produkt auf den Markt bringt, auch das Recht dazu hat, die entsprechenden Nutzungsbedingungen dafür festzulegen. "Eine Entwicklung, dass die Filmwirtschaft auf Kopierschutzmaßnahmen bei DVDs verzichtet, sehe ich derzeit nicht", so Manak abschließend. ( pte )

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