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Künstliches Rauschen spart Breitband-Energie

05.05.2009 | 09:28 Uhr |

Moderne Breitband-Internetzugänge können deutlich energieeffizienter und somit kostengünstiger gemacht werden. Durch Rauschen, genauer gesagt durch künstliches oder virtuelles Rauschen.

Moderne Breitband-Internetzugänge können deutlich energieeffizienter und somit kostengünstiger gemacht werden. Allein in Deutschland könnten jährlich Millionen Kilowattstunden und damit Euro gespart werden. Die Lösung der Fraunhofer ESK setzt dazu auf künstliches oder virtuelles Rauschen. Dadurch werden Anschlüsse stabil genug, um einen in ADSL2/2+-Systemen integrierten Ruhemodus auch wirklich nutzen zu können. Bisher wird dieser sogenannte L2-Modus von Anbietern nämlich deaktiviert, da er zu erheblichen Störungen führen kann.

Das weltweite DSL-Breitbandzugangsnetz verbraucht jährlich mehr als 20 Mrd. Kilowattstunden Energie. Der L2-Modus könnte diesen Verbrauch drastisch senken. "Die Breitbandanbieter bieten heute größtenteils ADSL2+ an", betont Erik Oswald, Wissenschaftler bei der Fraunhofer-Einrichtung für Systeme der Kommunikationstechnik ESK , gegenüber pressetext. Entsprechende Leitungen sind weit verbreitet, da auch ältere ADSL-Modems in der Regel daran betrieben werden können. Der ADSL2/2+-eigene Ruhemodus wird von Breitband-Netzbetreibern laut ESK aber deaktiviert, da er zu erheblichen Störungen in anderen DSL-Anschlüssen an der gleichen Leitung führen kann. Wenn nur ein Modem den Sparmodus verlässt, verbindet es sich bei geringer Störung mit einer extrem hohen Datenübertragungsrate. Erwachen aber weitere Systeme beispielsweise in Nachbarwohnungen, wird die Störung im ersten System so groß, dass die Verbindung abreißt. Das Modem kann erst nach einem Neustart und nur mit deutlich reduzierter Datenrate wieder online gehen.

Künstliches Rauschen auf Netzbetreiberseite und virtuelles Rauschen auf Teilnehmerseite können Abhilfe schaffen. Den ESK-Wissenschaftlern ist es gelungen, mit diesen Methoden DSL-Anschlüsse zu stabilisieren. Dabei wird dem Breitbandempfänger eine für das genutzte Kabelbündel typische Störung vorgetäuscht. Wenn ein Modem mit dem Internet verbindet, registriert das System dadurch eine normale Störung, selbst, wenn alle anderen Modems an der Leitung im Ruhemodus sind. Die Verbindung baut sich daher nicht mit der größtmöglichen, sondern einer geringfügig reduzierten Übertragungsrate auf. "Die Reduktion ist für Kunden vernachlässigbar und liegt üblicherweise unter einem Prozent", betont Oswald. Dafür bleibt die Verbindung auch dann stabil, wenn etwa der Nachbar online geht.

Der ESK-Ansatz verbindet mit L2-Modus und künstlichem Rauschen bestehende Technologie und könnte schnell umgesetzt werden. Das verspricht große Vorteile. Netzbetreiber könnten nach ESK-Angaben jährlich mehrere Mio. Kilowattstunden Strom und damit allein in Deutschland 1,5 Mio. Euro Betriebskosten sparen. Das wäre sowohl aus ökologischer Sicht als auch für die Unternehmen ein gewaltiger Vorteil. Auch könnte es helfen, zukünftigen Anforderungen an Breitband-Equipment zu genügen, die auf europäischer Ebene diskutiert werden, so Oswald. Offen bleibt allerdings die Frage, ob letztendlich auch die Nutzer profitieren, indem Anbieter Kostenvorteile an sie weitergeben. (pte)

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