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Keine Krise in der Schattenwirtschaft

08.10.2009 | 16:46 Uhr |

Während die so genannte Realwirtschaft noch unter der Finanzkrise leidet, ist in der kriminellen Untergrundökonomie von Krise keine Spur. Das Geschäft mit Malware und gestohlenen Daten floriert wie nie.

Krise? Welche Krise? Die Online-Kriminalität macht bessere Geschäfte als je zuvor. Während die einen Angriffs-Toolkits verkaufen, verdienen andere daran, dass sie Rechner von Internet-Nutzern mit Malware und Scareware verseuchen. Anbieter betrügerischer Schutzprogramme ("Scareware") zahlen Prämien für jeden Rechner, auf dem ihre Machwerke installiert werden. Ein Vortrag auf einer Sicherheitskonferenz nennt auch Preise.

Roy Firestein von Sicherheitsunternehmen Digital Defence berichtet auf der Sicherheitskonferenz SecTor 2009 im kanadischen Toronto über die prosperierende Untergrundwirtschaft. Firestein hat etliche Malware-Familien und die dahinter stehenden Gruppen von Online-Kriminellen beobachtet und untersucht. Er weiß zu berichten, dass ein Premiumprodukt wie das Botnet-Kit "Adrenalin" für 3500 US-Dollar verkauft wird, inklusive 24/7-Support, Exploit-Code, der Fähigkeit digitale Zertifikate zu stehlen und ausspionierte Daten zu verschlüsseln. Aber auch mit einfachen Exploit-Toolkits für 100 Dollar wird ordentlich Geld verdient.

Kevin Stevens von Secureworks kennt eine Reihe von Online-Flohmärkten für kriminelle Dienstleistungen und Malware. Secureworks hat kürzlich einen von Stevens verfassten Bericht über solche Marktplätze veröffentlicht. Hier werden Prämien für die Installation von Scareware auf den Rechnern von Internet-Nutzern ausgelobt - je nach Heimatland mit erheblichen Preisunterschieden.

Im Rahmen solcher "Partnerprogramme" werden Infektionen von US-Rechnern am höchsten belohnt: pro 1000 Installationen gibt es 140 US-Dollar. Britische Rechner bringen 110 Dollar, deutsche und französische lediglich 30, asiatische gar nur sechs Dollar per 1000. Russland und andere ehemalige Teile der Sowjetunion sind hingegen tabu. Wie viele Millionen US-Dollar im Untergrund umgesetzt werden, lässt sich kaum erahnen - von Krise jedenfalls keine Spur.

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