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Cybercrime: Frühwarnsystem gefordert

Die Bundesregierung will eine Art Meldestelle für Computerangriffe einrichten. Experten kritisieren aber vor allem die mangelnden Sicherheitsvorkehrungen der Firmen. Die Attacken würden immer gefährlicher und professioneller. Auch Nutzer von Internet-fähigen Handys seien in Gefahr.

Für eine Art Meldestelle für Computerangriffe hat sich das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ausgesprochen. Möglicherweise soll auch ein "Nationales Alarmzentrum" nach Vorbild der USA in Deutschland eingerichtet werden. Das berichtet das Nachrichtenmagazin "Focus". Noch gibt es in Deutschland kein nationales Frühwarnsystem für Hacker-Angriffe und Viren-Attacken. Bisher kooperierten einzelne Notfallteams nur lose mit dem BSI.

Experten warnen unterdessen vor weit gefährlicheren Computerangriffen und kritisieren mangelnde Sicherheitsvorkehrungen der Firmen. "Was wir gerade mit dem Liebes-Virus erlebt haben, ist wie ein Attentat aus dem fahrenden Auto mit einer Wasserpistole", so der US-Sicherheitsberater Arnaud de Borchgrave gegenüber Focus. Mittlerweile gebe es 30.000 Hacker-Sites im Internet, davon seien 2000 "außerordentlich fortgeschritten".

Auch der deutsche Sicherheitsfachmann Christoph Fischer kritisierte die mangelnden Sicherheitsvorkehrungen der Firmen: "Nahezu alle meine Hacker-Fälle werden nur durch Zufall entdeckt."

In der neuen Ausgabe des Nachrichtenmagazins "Spiegel" warnt der Netzwerk-Experte Geoffrey Baehr von Sun davor, dass Hacker mit Viren nicht nur Netzwerke von Behörden und Firmen, sondern jeden einzelnen Rechner und sogar Handy-Nutzer bedrohten. Spezielle Internet-fähige Mobiltelefone seien dem Datenstrom im weltweiten Netz und damit auch Virusattacken ausgesetzt.

"Die totale Datensicherheit ist in der vernetzten Welt kaum mehr möglich", so Baehr. Hinzu komme, dass sich die Art der Hacker grundlegend ändere. Neben den meist jungen Computerfreaks, die aus Spaß Viren basteln, seien immer mehr professionelle Hacker auf dem Vormarsch. Die so genannten Cyber-Söldner spionierten Regierung und Firmen gegen Bezahlung aus. (PC-WELT, 15.05.2000, dpa/ sp)

Streit um Cyber-Polizei (PC-WELT Online, 12.5.2000)

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