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Deutsche Autofahrer leben sicherer als südamerikanische Fahrer

26.07.2013 | 14:24 Uhr |

Auto-Fahrer in Südamerika, Afrika oder Asien leben gefährlicher als europäische Fahrer. Denn viele Automobil-Hersteller verkaufen in Schwellenländern ältere und deshalb unsicherere Autos, um ihren Gewinn zu steigern.

Vielfach verkaufen Automobil-Hersteller in Südamerika, Afrika und Asien noch ältere Auto-Modelle, die hierzulande sowie in Nordamerika und Japan keine Zulassung mehr bekommen würden. Für die Auto-Hersteller ein profitables Geschäft, doch für die Käufer ein tödliches Risiko: Denn die Veteranen besitzen einen deutlich schlechteren Insassenschutz.

Anlass für die jetzt gestartete Diskussion um den Verkauf ältere PKW-Modelle in Schwellenländern sind die verheerenden Ergebnisse in den NCAP-Crashtests für Lateinamerika, die von Latin NCAP durchgeführt wurden. Diese Crashtests untersuchen Autos, die in Süd- und Mittelamerika verkauft werden, auf ihren Insassenschutz bei einem Unfall (Hinweis: Die Crashtests für europäische Autos finden Sie hier, die ebenfalls sehr aussagekräftigen US-Crashtests können Sie auf dieser Seite nachlesen).

Bei den Latin NCAP-Crashtests schnitten mehrere getestete Fahrzeuge von Renault-Nissan, General Motors und Suzuki katastrophal ab. Getestete Fahrzeuge dieser drei Hersteller erreichten beim NCAP-Test teilweise nicht einmal einen einzigen Stern, während die in Europa getesteten Autos meist mindestens vier von fünf möglichen Sternen erzielen.

Renault Sandero schlechter als Dacia Sandero

So versagte der Renault Sandero fast völlig: Ein Stern von fünf möglichen. Der in Europa verkaufte Dacia Sandero schaffte beim Test 2008 immerhin (nach dem alten EURONCAP-Testschema) drei Sterne (Dacia ist die Budget-Marke von Renault. Die in Europa verkauften Dacias werden in Rumänien gebaut, wobei Renault auf Karosserie- und Motorelemente älterer Renaultmodelle zurückgreift). Drei Sterne sind zwar auch ziemlich mies (vier Sterne erwartet man eigentlich immer (das Nachfolgemodell des Sandero erzielte 2013 vier Sterne), die meisten Testfahrzeuge erreichen sogar fünf Sterne), aber immerhin bleibt die Fahrgastzelle des hiesigen Sandero einigermaßen stabil. Beim südamerikanischen Sandero dagegen stößt das Lenkrad auf den Fahrer zu (das kennt man in Europa nur noch von Youngtimern) und obendrein reduziert kein Airbag die schrecklichen Folgen des Aufschlags des Fahrerkopfes auf das Lenkrad.

Ebenfalls schlecht schnitten der Chevrolet Agile (0 Sterne), der Renault Clio Mio (0 Sterne), der Nissan Tsuru (0 Sterne) und der Suzuki Alto K10 (0 Sterne) ab. Bei allen diesen Testkandidaten konnten die Knautschzonen nicht genügend Energie aufnehmen und waren die Fahrgastzellen nicht stabil genug. Zudem fehlen meist die lebensrettenden Airbags völlig. Besonders der Nissan Tsuru entsetzte die Tester. Sein Karosserie kollabierte nahezu vollständig. Obendrein besitzt der Nissan auf den Rücksitzen nur Zwei-Punkt-Sicherheitsgurte und keine Drei-Punkt-Sicherheitsgurte. Deshalb kann man einen Kindersitz nicht vorschriftsmäßig befestigen.

Bei den Tests versagten übrigens chinesische Auto-Hersteller wie JAC Motors ebenfalls. Das dürfte aber niemanden überraschen, den Autos aus China wie der Brilliance waren auch in Europa bei einem europäischen Crash-Test durchgefallen.

Max Mosley, der NCAP weltweit vorsteht, fordert nun, dass die Automobil-Hersteller ihre Fahrzeuge weltweit überall gleichermaßen sicher anbieten würden. „Das Leben von Kunden in Lateinamerika ist nicht weniger wert als das Leben von Kunden aus Europa, Japan und Nord Amerika", so Mosley nach einem Bericht des The Guardian.

Es gibt aber auch positive Beispiele beim lateinamerikanischen NCAP-Test: So konnte der Kompaktwagen Leon von der spanischen Volkswagentochter Seat die maximale Wertung von fünf Sternen erzielen.

Die miserablen Testergebnisse der meisten Kandidaten passen zur Sterblichkeitsrate in Mittel- und Südamerika: 26 Verkehrstote auf 100.000 Einwohner.

Latin NCAP gibt es erst seit vier Jahren. Euro NCAP testet dagegen bereits seit 1997 Autos auf ihre Crash-Sicherheit.

Auch Volkswagen verkauft in Dritte-Welt-Staaten sowie in Schwellenländern oft noch Fahrzeuge mit schlechten Chrasheigenschaften. In Südamerika beispielsweise den Gol sowie eine in Europa nicht erhältliche Variante des legendären VW Busses T2 (mit wassergekühltem Motor und Ethanol-Betrieb). Und den Golf I verkaufte Volkswagen ebenfalls noch lange in Südafrika. Am Kap der Guten Hoffnung verkaufte VW auch lange Zeit noch den VW Bus T3. Golf I, T2 und T3 sind zwar Meilensteine der Automobilgeschichte, besitzen aber im Vergleich zu modernen Fahrzeugen miserable Crash-Eigenschaften.

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