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Aufregung um Kinder-Datenbank in Großbritannien

20.05.2009 | 11:05 Uhr |

Die britische Regierung sorgt zurzeit mit dem Start einer neuen Datenbank für Aufregung, in der detailreiche Informationen sämtlicher Kinder Großbritanniens im Alter von bis zu 18 Jahren gespeichert werden.

Das Online-System namens ContactPoint, das nach Angaben von BBC News Einträge zu insgesamt elf Mio. britischen Kindern und Jugendlichen umfasst, soll es den verschiedenen Jugendschutzorganisationen des Landes ermöglichen, ihre Aktivitäten besser zu koordinieren. "Diese Datenbank ist unerlässlich, wenn wir einen effizienteren Jugendschutz in Großbritannien erreichen und verhindern wollen, dass Minderjährige im Internet einer zunehmenden Gefahr ausgesetzt werden. Die Jugendschützer haben so eine schnelle und einfache Möglichkeit zur Hand, um herauszufinden, mit welchen Diensten und Leuten die Betroffenen online in Kontakt getreten sind", heißt es von Regierungsseite.

Die Sinnhaftigkeit des ContactPoint-Systems, dessen Errichtung dem britischen Staat insgesamt an die 224 Mio. Pfund (rund 254 Mio. Euro) gekostet haben soll, ist dabei bereits im Vorfeld seines offiziellen Starts heftig diskutiert worden. Vor allem von Seiten der Datenschützer waren die entsprechenden Regierungspläne immer wieder als "Sicherheitsrisiko" kritisiert worden. Bei einem ersten Testlauf der Kinder-Datenbank im Sommer vergangenen Jahres musste sogar die für die Datenbank zuständige Regierungsabteilung Department for Children, Schools and Families (DCSF) http://www.dcsf.gov.uk offiziell Mängel am System einräumen. Der Starttermin für ContactPoint wurde daraufhin zweimal aufgrund von "Datenschutzbedenken" verschoben.

"Auch hierzulande gibt es Tendenzen bei den zuständigen Kinderschutzbehörden, bestimmte Informationen untereinander auszutauschen. Die entsprechenden Zugriffsrechte sind aber sehr beschränkt", stellt Gertrude König, Psychotherapeutin des Kinderschutzzentrums Wien , auf Anfrage von pressetext fest. Dass es keine elektronische Vernetzung gibt, habe gute Gründe. "Die Missbrauchsgefahr dieser Informationen wäre einfach zu groß", betont König. Andererseits müsse man aber auch sehen, dass es prinzipiell große Unterschiede zwischen dem Kinderschutzsystem der einzelnen Länder gebe. "Ich denke, dass der britische Weg durchaus einer ist, den man verfolgen kann, der aber für sich allein möglicherweise ein Irrweg ist. Es müssten Wege beschritten werden, Eltern zu ermutigen, bei problematischen Entwicklungen Hilfe zu suchen, ohne Angst vor zentraler Erfassung und Strafverfolgung haben zu müssen", betont König.

Wie das DCSF aktuell wissen lässt, werde das Online-Verzeichnis zunächst lediglich 17 lokalen Behörden im Nordwesten Englands zur Verfügung gestellt. In weiterer Folge soll der Zugriff aber kontinuierlich ausgebaut werden. Letztendlich sollen dann alles in allem 800 praktische Ärzte, Sozialarbeiter, Gesundheitsbedienstete und Schulleiter die gespeicherten Daten der Kinder Großbritanniens einsehen können. Informationen der britischen Regierung zufolge, werden von den insgesamt elf Mio. Kindern, die in der Datenbank erfasst sind, mehr als 51.000 lediglich mit anonymisierten Identitäten und Informationen vertreten sein. Dadurch soll verhindert werden, dass die entsprechenden Daten in die falschen Hände gelangen könnten. (pte)

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