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Wal Mart berechnet Kunden zu viel

26.11.2008 | 11:47 Uhr |

Die Einzelhandelskette Wal Mart hat ihren US-Kunden wegen eines Systemfehlers im Schnitt rund 8,40 Dollar pro Einkauf zu viel verrechnet. Die Kunden mussten an den Supermarktkassen über mehrere Jahre hinweg höhere Preise für die eingekauften Waren bezahlen.

Wie die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf Ermittlungen des kalifornischen Justizministeriums heute, Dienstag, berichtet, mussten die Kunden an den Supermarktkassen über mehrere Jahre hinweg höhere Preise für die eingekauften Waren bezahlen - und dass, obwohl die Preise im Regal teilweise eklatant darunter lagen.

"Dies ist eine Hiobsbotschaft. Gerade in Zeiten der Finanzkrise, die die Verbraucher in den USA massiv verunsichert, kann der Konzern darauf mehr als verzichten", unterstreicht Patrick Müller-Sarmiento, Einzelhandelsexperte bei der Unternehmensberatung Roland Berger.

Dass der Fehler den Kunden nicht auffiel, erklären sich Branchenkenner damit, dass Käufer in den USA zumeist Waren in größeren Mengen einkaufen. Der Computerfehler soll sich jedoch ausschließlich auf Filialen in den USA beschränken. Bei Stichproben in 164 Läden wurden vor allem Lebensmittel falsch abgerechnet, so die Behörde. Aber auch bei anderen Produkten wie Kleidung trat der Fehler beim Einlesen der Strichcodes an der Kasse auf. "Für das Unternehmen ist es jetzt sehr wichtig, möglichst schnell Klarheit über das Ausmaß der Panne zu bekommen und wie es dazu kommen konnte. Um Imageschäden zu vermeiden, muss man entsprechende Gegenmaßnahmen umsetzen", ergänzt Müller-Sarmiento auf Nachfrage von pressetext. Diesen Rat hat das Wal-Mart-Management bereits beherzigt. Als Reaktion auf den peinlichen Vorfall will der Konzern nach Informationen des kalifornischen Justizministeriums nun 1,4 Mio. Dollar als Entschädigung zahlen.

Da Wal Mart in den USA für seine aggressive Preispolitik bekannt ist, kann der Handelsriese einem Großteil seiner Lieferanten die Preise diktieren. Aufgrund der immensen Marktmacht des Unternehmens gaben bislang die Lieferanten klein bei und akzeptierten die Bedingungen des wohlbekannten Großabnehmers. "Mit dem Geschäftskonzept der aggressiven Preise hatte Wal Mart in Deutschland jedoch keine Chance. Die Rechnung ging vor allem aus dem Grund nicht auf, da Kaufland, Lidl oder Aldi das Segment schon vorher besetzt hatten und der Markt zu eng ist", verdeutlicht Müller-Sarmiento weiter. Mit der einmaligen Entschädigungszahlung soll es jedoch nicht getan sein. Das Unternehmen zeigt sich durch wirtschaftlichen sowie auch politischen Druck einsichtig.

Wie das Justizministerium zudem bekannt gab, soll ein Ombudsmann Kundenbeschwerden in Kalifornien entgegennehmen. Geplant ist, dass dieser anschließend wöchentlich in allen Wal-Mart-Geschäftsfilialen die Preise auf ihre Richtigkeit hin überprüfen lässt und gegebenenfalls EDV-Systeme korrigieren lassen kann. Unterdessen zeigt sich das Einzelhandelsunternehmen für ein weiteres Entgegenkommen bereit. Sollte es erneut zu Fehlberechnungen bei Einkäufen kommen, sollen die Kunden jeweils die Preisdifferenz zuzüglich eines Entschädigungsbetrags von drei Dollar ausgezahlt bekommen. Experten bewerten diese Reaktion als angemessen und verweisen auf die ohnehin große Verunsicherung der Kunden durch Finanzkrise, Rezession, drohender Deflation sowie schwächelnder Weltkonjunktur. (pte)

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