131710

Woran Intels Forscher derzeit werkeln...

25.08.2008 | 14:25 Uhr |

Maschinen, die je nach Anwendung ihre Gestalt verändern? In den Laboren von Intel wird bereits daran gearbeitet. Und nicht nur daran...

In seiner Keynote auf dem Intel Developer Forum in San Francisco wiederholte Intels Forschungsleiter Justin Rattner seine Vision der Zukunft, in der Mensch und Maschine immer mehr zusammenwachsen. Er erwartet, dass bis 2050 Maschinen dem Menschen im logischen Denken ebenbürtig sind.

In den Intel-Laboren werde bereits an Mensch-Maschinen-Schnittstellen gearbeitet. Rattner erwartet große Veränderungen in der Robotertechnik und in der Art, wie Computer mit Menschen interagieren. Besonders ausführlich ging er in seiner Rede auf zwei Intel-Projekte ein: die drahtlose Übertragung von Energie und die Entwicklung winziger Roboter, die jede denkbare Form annehmen können.

„In den vergangenen 40 Jahren hat die High-Tech-Industrie unvorstellbare Fortschritte gemacht“, so Rattner. „Es gibt Spekulationen darüber, dass wir möglicherweise bald einen Wendepunkt erreichen, an dem die Zahl der technologischen Fortschritte exponentiell zunimmt. Es ist durchaus denkbar, dass Maschinen den Menschen in seiner Fähigkeit, logisch zu denken, bald sogar überflügeln.“

In einem Interview mit der PC-WELT-Schwesterpublikation Computerworld letzten Monat hatte sich Rattner ähnlich geäußert. Seiner Einschätzung nach könnten sich die Grenzen zwischen Mensch und Maschine schon ab 2012 langsam auflösen und im Verlauf der nächsten vierzig Jahre ganz verschwinden. Bis 2050 würden Computer nahtlos in unserem Alltag eingebunden sein.

In eine ähnliche Richtung gehen die Forschungen über programmierbare Materie, die Rattner in seiner IDF-Rede ansprach. Intel-Entwickler arbeiten daran, großen Mengen winziger Mikroroboter (sogenannte „Catoms") zu nutzen, um Form und Gestalt von Materialien zu verändern.

„Was wäre, wenn diese Maschinen in gewissem Maße intelligent wären, so dass sie sich in verschiedene Formen aneinanderfügen oder sich bewegen können?“ Laut Rattners Vision ließen sich so Elektrogeräte erschaffen, die jede denkbare Form annehmen könnten. Eines Tages sollten Catoms nicht größer als ein Sandkorn sein und mithilfe von elektromagnetischer Kraft dazu gebracht werden, sich in verschiedenen 3D-Formen aneinanderzufügen. Rattner erklärte, dass Intel sich dabei auf die Arbeit von Seth Goldstein stütze , einem Dozenten der Carnegie Mellon University .

„Wir setzen die Idee in die Wirklichkeit um“, so Rattner, der während seines Vortrags millimetergroße 3D-Catoms zeigte. Man habe auf recht grobem Level angefangen. Die Roboter seien mit Mikroprozessoren verbunden gewesen, die einander mit Elektromagnetismus oder elektrischer Ladung anziehen oder abstoßen konnten.

Intel-Entwickler Jason Campbell erklärte in einem Interview, dass Catoms den Umgang mit Computern und anderen Geräten revolutionieren werden. „Stellen Sie sich zum Beispiel Mobilgeräte vor: Mein Handy ist zu groß für meine Jackentasche, aber zu klein für meine Finger. Ganz zu schweigen davon, wenn ich damit Filme schauen oder Mails lesen will. 200 bis 300 Milliliter Catoms könnte ich aber dazu bringen, genau die Form anzunehmen, die ich gerade brauche.“ Die Catoms ließen sich so manipulieren, dass sie zum Beispiel zum Schreiben von SMS ein größeres Tastenfeld zur Verfügung stellen. Und wenn man das Gerät nicht braucht, könne man es extrem klein und nachgiebig werden lassen, so dass es problemlos in die Jackentasche passt. Campbell glaubt, dass künftig jedes Catom mit einem Prozessor und Speicher ausgestattet sein wird. Vor vier Jahren hielt er die Technologie erst in 30 bis 50 Jahren für umsetzungsreif. Mittlerweile glaubt er, dass es schon in zehn Jahren so weit sein könne.

Das Schwierigste sei, den winzigen Robotern eine Schwarmintelligenz beizubringen. Statt jedem Catom einzelne Befehle zu schicken, sollte ein einziger Befehlssatz genügen, damit die Catoms die korrekte Position für die gewünschte dreidimensionale Form einnehmen. Sowohl Rattner als auch Campbell sind jedoch optimistisch, dass dies irgendwann möglich ist.

„Irgendwann in den kommenden vierzig Jahren wird das alltägliche Technik sein“, sagte Rattner in einem Interview vor seiner Rede. Könnten Catoms auch menschliche Form annehmen? „Natürlich, warum nicht? Es ist eine interessante Vorstellung.“

Drahtlos Energie übertragen

Eine weitere Technik, die nach Rattners Einschätzung den Umgang mit Computern verändern wird, ist die drahtlose Übertragung von Energie. Beispielsweise würden sich ein Notebook, Handy oder MP3-Player von selbst laden, wenn man eine Flughafen-Lounge oder ein Büro betritt. Kabel und Steckdosen wären überflüssig.

Intels Arbeit basiert laut Rattner auf der Forschung von MIT-Wissenschaftlern . Das Unternehmen bezeichnet seine Technik zur drahtlosen Übertragung von Strom als Wireless Resonant Energy Link (WERL). Während seiner Keynote brachte Rattner eine 60-Watt-Glühlampe drahtlos zum Leuchten. Mehr Strom wäre auch nicht nötig, um ein herkömmliches Notebook zum Laufen zu bringen.

„Wäre es nicht sensationell, wenn wir endgültig ohne Kabel auskommen, keine schweren Akkus mehr bräuchten und uns nicht mehr ums Laden kümmern müssten? Wie effizient wären Geräte, wenn man Energie drahtlos übertragen könnte?“

Intel-Forscher Joshua Smith erklärte, dass sie bereits imstande wären, eine Glühbirne über eine Entfernung von mehreren Zentimetern mit 70 Prozent Effizienz zum Leuchten zu bringen. 30 Prozent gehen während der Übertragung also verloren. Dennoch sei dies ein großer Schritt. Innerhalb weniger Jahre könnten sich Notebook drei Meter von der Basisstation entfernt automatisch drahtlos aufladen. Es sei gut vorstellbar, die Technik in bestehende Computersysteme zu integrieren. Wie bei WLAN hätte man Sendestationen und könnte von dort Energie beziehen.

Tipp: Auf der IDF-Website können Sie die komplette Präsentation von Rattner inklusive aller Demonstrationen ansehen .

0 Kommentare zu diesem Artikel
131710