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Hilfe, alle wollen mich ausschnüffeln - ein Kommentar

21.07.2010 | 11:45 Uhr |

Unternehmen kümmern sich immer weniger um den Datenschutz der Anwender. Aktuelles Beispiel ist Apple, das mich über mein iPhone abhört. Aber auch Facebook, Google & Co. sind nicht besser. Dabei wäre die Lösung so einfach.

Apple horcht seit 2008 die Nutzer seiner Geräte aus, räumt dies aber erst am 21. Juni 2010 per Änderung seiner Datenschutzbestimmungen ein . Und es dauert wiederum fast einen Monat, bis die Angelegenheit publik wird, nachdem zwei US-Politiker eine Stellungnahme von Apple verlangt haben. Hätte ich eine Mail an Steve Jobs geschrieben, dann hätte ich wohl keine Antwort erhalten. Dabei bin ich selbst auch betroffen, immerhin nutze ich seit fast einem halben Jahr ein iPhone 3GS und dieses Gerät hat also regelmäßig Daten über mich an Apple gesendet. Von mir aus auch anonymisiert und verschlüsselt - aber letztendlich bin ich nie gefragt worden.

Mir klingt es noch in den Ohren: War es nicht erst letzten Freitag, als Steve Jobs reumütig vor die Presse trat, um sich zu den Empfangsproblemen vom iPhone 4 zu äußern und sagte er nicht da: "Apple liebt alle seine Nutzer". Wenn Liebe so aussieht, dann kann ich gerne darauf verzichten. Mir wäre statt "Liebe" dann doch "Ehrlichkeit" und "Offenheit" lieber.

Die Konkurrenz ist aber auch nicht viel besser: Da scheucht Google weltweit seine Google-Autos für Google Street View durch die Gegend und auch hier wird erst durch Zufall bekannt, dass Google quasi nebenbei private WLAN-Informationen gesammelt hat , weil - was selbst Google nicht wusste - ein Programm mitlief, das ein Google-Entwickler für einen anderen Einsatzzweck entwickelt hatte. Immerhin - mein Galgenhumor hat mich noch nicht verlassen - Google hat die Informationsbeschaffer selbst auf die Straßen dieser Welt geschickt, während Apple seine treue Kundschaft für sich arbeiten ließ. Bei Apple zahlt man nicht nur für die Geräte, sondern wird quasi mit dem Kauf der Geräte zur Aushilfskraft von Apple.

Und noch ein Beispiel, wie wenig die Unternehmen beim Datenschutz mitdenken: Blizzard wollte kürzlich seine World-of-Warcraft-Spieler dazu zwingen, nur noch mit ihrem Real-Namen in den Spielerforen aktiv zu sein. Das da der persönliche Datenschutz auf der Strecke bleibt, demonstrierte die World-of-Warcraft-Community auf eindrucksvolle Weise binnen Stunden: Über einen Moderator, der mit gutem Beispiel voran gehen wollte und seinen Real-Namen im Forum verkündete, fanden die Forums-Nutzer via Internet-Recherche so viele persönliche Informationen heraus, dass Blizzard schließlich die Pläne verwarf.

Apple, Google - die Liste der auffällig gewordenen Unternehmen lässt sich schnell um honorige Namen wie Facebook und Microsoft erweitern. So reichte der Hamburger Datenschutzbeauftragte kürzlich eine Klage gegen Facebook ein, weil das soziale Netzwerk selbst Daten von Nicht-Angemeldeten langfristig und ohne Einwilligung speichere . Auf PC-WELT.de haben wir für Nachrichten rund um den Datenschutz einen eigene Rubrik , die stets gut gefüllt ist, weil es einfach zu viele Anlässe gibt, über die berichtet werden muss. Und noch ein Beispiel ist Twitter: Die US-Handelsaufsicht FTC hat Twitter kürzlich dazu aufgefordert, den Schutz der Nutzerdaten ernster zu nehmen .

Dabei ließen sich alle derartigen Probleme ganz einfach lösen, wenn die Unternehmen mehr Offenheit zeigen würden.

Wieso müssen Datenschutz-, Lizenzbestimmungen & Co. immer aus seitenlangen Pamphleten bestehen, die ohnehin nur Juristen verstehen? Als ich mein iPhone 3GS auf iOS 4 aktualisierte, präsentierte mir Apple auf dem iPhone-Bildschirm die AGB auf 107 Seiten.

Die wichtigsten Punkte ließen sich sicher verständlich auf einer Seite zusammenfassen. Unternehmen, die das nicht glauben, müssen einfach nur Artikel von uns oder von Kollegen lesen, in denen immer wieder neue Lizenzbestimmungen auseinandergenommen und auf den Punkt gebracht werden.

Im aktuellen Beispiel hätte beispielsweise Apple schon 2008 seine Nutzer offen und ehrlich direkt kontaktieren können und ihnen mitteilen:

"Hey, wir wollen unseren Ortungsdienst mit eurer Hilfe verbessern und dazu sammeln wir, natürlich nur wenn ihr es wollt, diese und diese Daten. Über einen einfachen Schalter könnt ihr aktiv eure Teilnahme bestätigen und wenn ihr nicht mitmachen wollt, müsst ihr nichts weiter tun."

Stattdessen muss ich die - an sich praktische - Ortungsdienstfunktion nun komplett ausschalten, wenn ich das Verhalten von Apple nicht unterstützen möchte und damit kann keine App diese Funktion nutzen.

Stellt sich also letztendlich die Frage: Wieso müssen erst Zufälle dabei helfen, das echte Verhalten der Unternehmen aufzudecken? Ich befürchte, die Fälle, die aufgedeckt werden, sind nur der Spitze des Eisberges. Ich wünsche mir Unternehmen, die nicht nur behaupten, ihre Kunden zu lieben, sondern sich auch grundsätzlich so verhalten. Das ist letztendlich auch eine Frage der Fairness und Moral.

Diskutieren Sie mit uns im Forum über diesen Kommentar und das Verhalten der Unternehmen

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