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Gratis-Virenscanner & -Firewalls sind nichts für Firmen

06.03.2009 | 14:13 Uhr |

Avira Antivir, Zone Alarm, Lavasoft Ad-Wware sind nur drei bekannte Sicherheitsprogramme, die sich unter den Anwendern großer Beliebtheit erfreuen. Doch für Unternehmensanwender heißt es: Finger weg. Wer als professionelle Anwender beispielsweise Avira Antivir Personal Free benutzt, muss mit Abmahngebühren, Schadenersatzforderungen und eventuell mit Vertragsstrafen rechnen.

Hand aufs Herz: Nutzen Sie Ihr privates Notebook auch oder sogar nur beruflich? Und schützen Sie es trotzdem mit Zonealarm vor unbefugtem Zugriff und mit Avira Antivir Personal Free vor Malware? Dann handeln Sie in jedem Fall illegal, wie Marion Janke, Rechtsanwältin von Internetrecht-Rostock , auf Anfrage der PC-WELT erklärte. Juristische Schlupflöcher dürfte es fast keine geben.

Nehmen wir als Beispiel nur mal den beliebten Virenschutz von Avira . Avira gestattet die Nutzung seiner Antivir Personal Free-Version nur für den rein privaten Gebrauch. In den FAQs stellt Avira klar, dass die Nutzung der kostenlosen Personal-Version nicht nur Unternehmen und professionellen Anwendern, sondern auch Vereinen, Gemeinden und Kirchen untersagt ist: "Die kostenfreie Lizenz für Avira AntiVir Personal betrifft ausschließlich den persönlichen Gebrauch. Der Einsatz in den Gemeinden, Vereinen, Kirchen usw. ist nicht gestattet." Damit dürfte es unzulässig sein, die Gratis-Variante auf dem privaten Zweit-Notebook zu installieren, sofern dieser auch nur in irgendeiner Art fürs Gewerbe genutzt wird.

Eine urheberrechtliche Grenze zwischen privater und gewerblicher Nutzung lässt sich nicht ziehen, da es nach dem Urheberrechtsgesetz auf diese Unterscheidung eigentlich nicht ankommt. Es ist in diesem Falle Avira als Lizenzgeber, der in seinen Lizenzen (Allgemeine Geschäftsbedingungen) sagen kann, zu welchen Bedingungen er die kostenlose Nutzung seiner Software gestattet, wie Janke weiter ausführt.

Nutzt ein Freelancer Avira Antivir Personal auf seinem Unternehmensrechner, so stellt dies laut Janke erstens einen Verstoß gegen den Lizenzvertrag mit Avira und zweitens eine Urheberrechtsverletzung dar.

Sofern die Lizenzbedingungen dem User vor (!) der Nutzung des Programms angezeigt und vom User auch in irgendeiner Art und Weise bestätigt und akzeptiert wurden, sind sie zu einem wirksamen Vertrag zwischen User und Avira geworden, an den sich beide halten müssen. Ob bei einem Verstoß auch Vertragsstrafen möglich sind, hängt von den konkreten Lizenzbedingungen ab. Rechtlich möglich ist dies auf jeden Fall, wie Janke betont.

Da Avira eine berufliche Nutzung von Antivir Personal ganz ausdrücklich nicht gestattet, liegt für diese Nutzung keine Genehmigung vor. Folge: die berufliche Nutzung ist eine Urheberrechtsverletzung. Dieser Rechtsverstoß kann von Anwälten abgemahnt werden, womit für den abgemahnten User allein Anwaltskosten in Höhe von ca. 800 bis 1500 Euro entstehen können. Zusätzlich könnte Avira Schadensersatz für die unerlaubte Nutzung in Höhe der Kosten einer kostenpflichtigen Antivir-Version verlangen.

Juristische Schlüpflöcher könnten sich aus Jankes Sicht nur dann ergeben, wenn die Lizenzbedingungen dem User vor Nutzung des Programms nicht ordnungsgemäß zur Kenntnis gegeben wurden - er also gar nicht wissen konnte, dass er diese bestimmte Software nur zu privaten Zwecken nutzen darf.

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