Cloud-Dienste

Neue Online-Speichertarife von Web.de und GMX mit deutschem Datenschutz

Montag den 11.06.2012 um 10:42 Uhr

von Hans-Christian Dirscherl

Web.de und GMX bringen neuen Tarife für Online-Speicher, die dem deutschen Datenschutz-Gesetzen unterliegen.
Vergrößern Web.de und GMX bringen neuen Tarife für Online-Speicher, die dem deutschen Datenschutz-Gesetzen unterliegen.
© Web.de/GMX
Die 1und1-Tochterunternehmen Web.de und GMX wollen ein größeres Stück vom Online-Festplattenspeicherkuchen abbekommen. Und starten deshalb zum 11. Juni mit neuen Angeboten auf den heiß umkämpften Markt. Ihr wichtigstes Argument ist der Speicherort der Nutzerdaten.
Bei Online-Festplattenspeicher oder Speicher in der Cloud denken viele Nutzer zunächst einmal an Dropbox . Zufriedene Googlemail-Nutzern fällt beim Stichwort Onlinespeicher vermutlich das noch vergleichsweise junge Google Drive ein. Treue Microsoft-Nutzer verwenden als Online-Speicher Skydrive. Und iCloud ist natürlich die erste Wahl für Apple-Fans. Doch alle diese Cloud-Dienste haben einen wesentlichen Nachteil – sie speichern die Daten auf Server außerhalb der Bundesrepublik Deutschland (also auf US-Servern) und unterliegen somit nicht den deutschen Datenschutzbestimmungen.

Mit dieser Schwäche von Dropbox & Co werben deutsche Cloud-Speicher-Anbieter wie Strato aber auch Web.de und GMX. Die beiden letzteren starten zum 11. Juni neue Einsteigertarife für Cloud-Speicher beziehungsweise Online-Festplattenspeicher.

Web.de Online-Speicher

Bei Web.de gibt es 1 GB Festplattenspeicher kostenlos. 10 Gigabyte Festplattenspeicher können Web.de-Club-Mitglieder gratis nutzen. Wer noch mehr Platz in der Cloud benötigt, muss dafür extra bezahlen: Für 1,99 Euro pro Monat bekommen Freemail-Nutzer 20 GB, für 4,99 Euro sind es sogar 50 GB. Club-Mitglieder wiederum können für 99 Cent Aufpreis zu ihrer Club-Gebühr ebenfalls 50 GB nutzen. Wer sogar 100 GB benötigt, bekommt das als Freemail-Nutzer für 9,99 Euro im Monat, Club-Kunden müssen für die 100 GB 4,99 Euro Aufpreis im Monat bezahlen.

Der Online-Speicher von Web.de lässt sich per WebDAV in Windows, Linux und MacOS integrieren, für Windows-Nutzer gibt es zudem eine eigene Anwendung. Apps für iPhone, iPad und Android stellt Web.de ebenfalls bereit. Von jedem Internet-fähigen Gerät kann man zudem per Browser auf den Web.de Online-Speicher zugreifen. Dokumente lassen sich im Browser bearbeiten, Mailanhänge direkt in der Cloud abspeichern. Weitere Features sind beispielsweise Online-Diashow und Fotoalben. Die maximale Dateigröße beträgt 2 GB.

GMX Media-Center

Der Funktionsumfang des Online-Festplattenspeichers von GMX ist identisch mit dem von Web.de – wenig überraschend. Nur bei den Tarifen gibt es kleine Unterschiede. Kostenlos gibt es auch bei GMX 1 GB. In den Genuss von 5 GB kommen  GMX Promail-Kunden, Top-Mailkunden von GMX können sogar 10 GB gratis nutzen.

Wer mehr Cloud-Speicher benötigt, muss dafür zahlen: 20 GB kosten Freemailnutzern und Pro-Mail-Kunden 1,99 Euro im Monat, 50 GB können Nutzer des kostenlosen GMX-Mail-Dienstes für 4,99 Euro im Monat buchen. Promailer zahlen dafür 2,99 Euro im Monat, Topmailer 99 Cent pro Monat.

Wer 100 GB Online-Speicher bei GMX mieten will, zahlt dafür 9,99 Euro (Nutzer von GMX Freemail), 6,99 Euro (GMX Promail) oder 4,99 Euro (Topmail)

Fazit I: Konkurrenz bietet mehr Gratis-Speicher als Web.de und GMX

Web.de und GMX bieten vom Start weg auch für 0 Euro eine Fülle von Funktionen und Optionen und lassen sich plattformübergreifend nutzen (auch auf IOS-Geräten und Androiden). Da gibt es nichts zu meckern, viele etablierte Konkurrenten können beim Funktionsumfang nicht mithalten.

Anders sieht es bei der reinen Speicherkapazität aus: Gratis bekommt man sowohl bei Web.de als auch bei GMX gerade einmal ein mageres Gigabyte. Das ist wenig im Vergleich zu Microsoft Skydrive (7 GB für alle Nutzer; wer schon längere Skydrive genutzt hat, dem stehen unter Umständen sogar 25 GB zur Verfügung) und Google Drive (5 GB). Selbst Dropbox bietet mit 2 GB doppelt so viel Speicherplatz, zudem kann man diesen kostenlos mit einigen legalen Tricks deutlich vergrößern 1155485 . Die Telekom-Tochter Strato bietet bei Hidrive Free ebenfalls deutlich mehr, nämlich 5 GB kostenlosen Festplattenspeicher. Nur wer bereits zahlender Kunde bei Web.de oder GMX ist, kommt in den Genuss von mehr Gratisspeicher.

Fazit II: Web.de und GMX werben mit Datenschutz-Aspekten
Gegen die deutlich größeren Gratis-Festplattenspeicher von Skydrive und Google Drive führen die beiden 1und1-Tochterunternehmen aber das wichtige Argument Datenschutz ins Feld. Denn die Daten von Web.de Online-Speicher- beziehungsweise GMX Media-Center-Kunden liegen auf Servern in der Bundesrepublik Deutschland und unterliegen somit den hierzulande geltenden Gesetzen. US-Geheimdienste, von denen es ja einige gibt, sollten unter normalen Umständen keinen Zugriff auf die Server von Web.de und GMX bekommen. Web. de und GMX garantieren zudem die Löschung der hoch geladenen Daten, wenn der Kunde seinen Zugang kündigt.

Außerdem überträgt der Kunde bei den 1und1-Unternehmen keine Nutzerrechte – ein Unterschied zu manchem US-Unternehmen. Web.de und GMX versprechen zudem ihren Kunden, dass sie die auf ihre Online-Speicher hochgeladenen Daten nicht auf „unangemessene Inhalte“ prüfen; also beispielsweise keine Nacktfotos löschen. Eine derartige Überprüfung führt zumindest Apple bei iCloud-Nutzern durch.

Wer als Privatanwender oder als Unternehmen besonderen Wert auf Datenschutz legt, sollte in der Tat zu einem Online-Speicher-Anbieter aus Deutschland greifen. Hier müssen sich Web.de und GMX aber der Konkurrenz von Strato stellen, die kostenlos immerhin bereits 5 GB zur Verfügung stellen und gegen Aufpreis ebenfalls eine deutliche Speichererweiterung anbieten.

Montag den 11.06.2012 um 10:42 Uhr

von Hans-Christian Dirscherl

Kommentieren Kommentare zu diesem Artikel (2)
  • ohmotzky 07:38 | 12.06.2012

    Da kommt eh nichts vertrauliches oder wichtiges drauf!
    Wolken haben die Eigenschaft sich in nichts auflösen zu können und bei der Namensgebung hat man sich ja was bei gedacht.

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  • plerzelwupp 17:11 | 11.06.2012

    Cloudspeicher verschlüsseln

    Aber selbst bei deutschem Cloudspeicher würde ich empfehlen, die bereitgestellten Daten zu verschlüsseln. Mit Zusatztools (wie beispielsweise Cloudfogger) kann das auch automatisiert erledigt werden: Das komplette Laufwerk wird verschlüsselt. Einmal eingerichtet, verrichten diese Programme fast unmerklich ihren Dienst. Der Zugriff weiterhin ganz normal über den Explorer - oder über die dazugehörige Android- bzw. Iphone Apps bei mobilen Endgeräten.

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