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Erweiterte-Realitäts-Brillen für den Massenmarkt

06.09.2009 | 15:03 Uhr |

Das französische Unternehmen Optinvent hat mit "Clear-vu" eine Technologie entwickelt, die Head-Mounted Displays (HMDs) - Brillen für erweiterte Realität - für die breite Masse attraktiv machen soll. "Wir können vergleichsweise große Blickfelder realisieren und das zu einem relativ günstigen Preis", meint Optinvent-CTO Khaled Sarayeddine im Gespräch mit pressetext.

Die Clear-vu-Technologie setzt dabei darauf, mit speziellen, durchsichtigen Gläsern gleichzeitig ein großes virtuelles Bild einzublenden und doch freie Sicht auf die Umgebung zu bieten. Noch existieren zwar nur Prototypen, doch schon kommendes Jahr dürfte sich das ändern.

Aktuelle Clear-vu-Prototypen erlauben ein Blickfeld von 35 Grad, was Sarayeddine zufolge einem 100-Zoll-Display in vier Metern Entfernung entspricht. Damit sieht er Clear-vu im Vorteil gegenüber anderen Ansätzen, die durchsichtige HMDs verwirklichen wollen. Oft kämen sehr spezielle optische Elemente zum Einsatz, um Blickwinkel im Bereich von 20 Grad zu erreichen. Bei der eigenen Technologie gehe man davon aus, dass der Blickwinkel noch gesteigert werden kann. "Da ist aber sehr wichtig zu sehen, was unsere Kunden sagen", betont Sarayeddine. Für ihn sei denkbar, dass allzu große Blickwinkel bei manchen Anwendungen sogar Nachteile - etwa ein sich Verlieren des Nutzers in zu großen Bildern - mit sich bringen könnten und daher nicht unbedingt gewünscht werden.

Um die virtuelle Anzeige der realen Umgebung zu überlagern, setzt Optinvent auf einen Ansatz, bei dem die Bilder seitlich montierter Mikrodisplays über eine Kollimatorlinse auf speziell geformte Plastikkomponenten auf der Innenseite der Brillengläser fallen. Diese reflektieren die Bilder geeignet in Richtung Auge. Die Plastikkomponenten sind dem Unternehmen zufolge einfach herzustellen und daher billig. Eine Linse würde nur wenige Dollar kosten, sodass ein komplettes Display-System für unter 200 Dollar angeboten werden könnte, so Optinvent-CEO Kayvan Mirza gegenüber Tech-On. Das wäre für eine durchsichtige AR-Brille relativ günstig.

Einige Videobrillen, bei denen der Nutzer die Umgebung nicht wahrnehmen kann, sind zwar bereits jetzt noch billiger zu bekommen. "Die Leute mögen es nicht, wenn ihnen die Sicht genommen wird", meint allerdings Sarayeddine und verweist auf die geringe Marktdurchdringung solcher Lösungen. Insofern sehe man solche Produkte nicht als Konkurrenz. Auch betont Sarayeddine, dass man bei Clear-vu die Technik weitgehend verbergen könne, statt wie mit aktuellen Lösungen "auszusehen wie aus dem Weltraum". Das Unternehmen selbst will primär als Technologiebereitsteller auftreten, dessen Kunden letztendlich Produkte realisieren. Nach aktuellem Stand der Dinge könnten erste Clear-vu-basierte HMDs eines japanischen Herstellers bereits Ende 2010 auf den Markt kommen. (pte)

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