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Ärzte der Zukunft untersuchen über Videochat

31.07.2009 | 13:10 Uhr |

Der Netzwerkspezialist Cisco Systems und die umsatzstärkste private Krankenversicherung der USA, die UnitedHealth Group (UHG) , machen bei der Forcierung der Telemedizin in den Vereinigten Staaten gemeinsame Sache.

Zusammen investieren die Unternehmen Dutzende Mio. Dollar in die Initiative "Connected Care", welche den klassischen Besuch beim Arzt durch digitale Übertragungstechnik - zumindest teilweise - ersetzen soll. Die Patienten müssen sich, so die Idealvorstellung von Cisco und UHG, für Besuche beim Arzt nicht mehr frei nehmen oder lange Anfahrtswege in Kauf nehmen, sondern können mit dem behandelnden Arzt direkt via High-Definition-Videochat kommunizieren.

Die Untersuchung des Patienten erfolgt mithilfe von digitalisierten medizinischen Untersuchungsgeräten wie etwa einem Otoskop, das zur Untersuchung der Gehörgänge eines Patienten verwendet wird. Der Arzt kann dabei die Bilder von der Untersuchung auf seinem Bildschirm in Echtzeit mitverfolgen, sie bewerten und daraufhin eine Behandlung einleiten. Die eigentliche Untersuchung und die Benützung der Geräte erfolgt durch medizinische Assistenten, die entweder bei einem Betriebsarzt oder einer speziell dafür eingerichteten (mobilen) "E-Doctor-Ordination" tätig sind. Entfernungen spielen bei "Connected Care" somit keine Rolle mehr und das Versorgungsgebiet eines Arztes vergrößert sich erheblich.

"Wenn ein Doktor in Wyoming zum Beispiel zwei Patientenabsagen nacheinander hat, könnte er sich online einloggen und anderen Patienten im Netzwerk ärztliche Behandlung anbieten", schlägt Nick Augustinos, Vorsitzender des Global Health Teams von Cisco, vor. Selbst ärztliche Überweisungen an Fachärzte seien entweder On-Demand oder in einer Echtzeitkonferenz denkbar, so Augustinos. Der Markt für telemedizinische Angebote sieht jedenfalls vielversprechend aus. Die UHG prognostiziert für 2012 ein Marktvolumen in den USA von über sechs Mrd. Dollar. Zum Vergleich wurden im aktuellen Jahr insgesamt nur 900 Mio. Dollar in den Ausbau von telemedizinischen Angeboten investiert.

Auch im deutschsprachigen Raum gibt es viele Bemühungen, sich neue Erkenntnisse in der Informationstechnologie im Rahmen von E-Health- und Telemedizin-Programmen zu Nutze zu machen, berichtet Stephan H. Schug, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Gesundheitstelematik e.V. http://www.dgg-info.de auf Nachfrage von pressetext. Besonders bei der Beobachtung und Dokumentation von bestimmten Messwerten, etwa bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes, habe sich der Einsatz moderner Kommunikationstechnologie bewährt, so Schug. Werte wie Herzfrequenz, Körpergewicht oder Blutdruck werden vom Patienten in ein entsprechendes Gerät eingegeben und direkt an den behandelnden Arzt in einem medizinischem Servicecenter übertragen. "Sollten sich gewisse Werte verändern, kann der Arzt dadurch viel schneller eingreifen und gegebenenfalls eine entsprechende medizinische Behandlung einleiten", erklärt Schug die Vorteile des Telemonitoring. Patienten und Ärzte in Deutschland stünden der neuen Technik in der Medizin im Regelfall positiv gegenüber, berichtet der Experte. Besonders schwer und längerfristig erkrankte Menschen würden davon profitieren.

Zu Projekten wie "Connected Care" ist Schug geteilter Meinung: "Eine Ferndiagnose über Video kann unter bestimmten Umständen durchaus sinnvoll sein, etwa wenn die nächste Behandlungsstation außerhalb der Reichweite des Patienten ist. Für eine umfassende medizinische Entscheidungsfindung ist der direkte, physische Kontakt mit einem Patienten aber essenziell", so Schug. Grundsätzlich sollte die Telemedizin eher zur Überwachung als zur Diagnose einer Erkrankung eingesetzt werden, findet der Experte. (pte)

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