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China bald neue Internet-Supermacht

17.06.2007 | 15:11 Uhr |

China ist auf dem besten Wege, die Internet-Supermacht USA hinter sich zu lassen. In der Anzahl der Breitband-Nutzer dürften die Asiaten die Amerikaner bald abgehängt haben.

Mit mehr als 56 Millionen Breitband-Nutzern ist China den derzeitigen Weltmeistern USA mit rund 60 Millionen Anschlüssen dicht auf den Fersen. Durch die olympischen Spiele 2008 in Peking rechnen Internet-Experten mit zusätzlichen Breitband-Impulsen. So sollen bis zur Eröffnung alle Haushalte der chinesischen Hauptstadt mit einem Breitband-Anschluss ausgestattet werden. Weltweit konnten Ende März 2007 bereits 1,1 Milliarden Menschen eine Verbindung zum Internet aufbauen. 300 Millionen davon waren über einen Breitband-Zugang unterwegs, so die Ergebnisse der neuesten Statistik des Marktforschungsinstituts Point Topic .

„Es war nur eine Frage der Zeit, bis China zu den USA aufschließt. Dass es - nicht zuletzt durch die staatlichen Investitionen in Breitband-Infrastruktur - so schnell geht, hatten wir aber nicht erwartet", berichtet Point-Topic-Analystin Katja Müller. Zwar läge China mit einer relativen Verbreitungsdichte von ca. 14 Prozent noch deutlich hinter den USA, die bereits 53 Prozent der Bevölkerung mit Breitband-Anschlüssen versorgen können, die Wachstumsraten lassen jedoch keinen Zweifel zu, dass China zur Großoffensive im Internet ansetzt. Wie dabei jedoch die staatliche Zensur und Überwachung aufrechterhalten werden kann, ist ungewiss: „Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass Chinas Regierung längerfristig mit der Kontrolle der Webaktivitäten seiner Bürger Erfolg haben wird. Die Welt des Internets steht einer derartigen Vorgangsweise entgegen", erklärt Müller.

Westeuropa, Nordamerika und High-Tech-Länder wie Südkorea sind derzeit die Vorreiter in Sachen Breitband-Verbreitung. Entwicklungs- und Schwellenregionen wie Afrika oder Indien liegen aufgrund fehlender Festnetzinfrastruktur noch weit zurück. Dort könnten mobile Technologien wie UMTS oder Wimax eventuell für einen Ausgleich sorgen: „Mobilfunknetze sind ungleich schneller und billiger aufzuziehen als Festnetz- oder Kabelinfrastruktur. Das hat sich auch in den osteuropäischen Ländern gezeigt", so Müller weiter. In Tschechien würden beispielsweise bereits heute rund zehn Prozent aller Breitband-User über ein Mobiltelefon ins Internet gehen.

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