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CeBIT: Computertechnik und Unterhaltungselektronik wachsen zusammen

Auf der CeBIT 2006 rückt das vielbeschworene Zusammenwachsen von Computertechnik und Unterhaltungselektronik in greifbare Nähe.

Vor allem auf dem Mobilfunkmarkt bewegt sich viel, wie am ersten Tag der weltgrößten Branchenmesse in Hannover deutlich wurde. Auch der Markt für Unternehmenssoftware steht vor einem drastischen Umbruch. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte auf ihrem zweieinhalbstündigen Rundgang über die Messe die High-Tech-Unternehmen zu Investitionen in Deutschland auf.

Samsung setzt auf das Mobiltelefon als mobile Schaltzentrale. Das Kamera-Handy B600 mit zehn Megapixel und einer acht GB großen Festplatte empfängt Satelliten-TV und kann Videos aufzeichnen. Auch sonst sollen die Geräte alle Daten jederzeit und von überall abrufen können, sagte Mobilfunk-Europachef Paul Ghent am Donnerstag auf der weltgrößten Computermesse. Sony Ericsson plant eine Neuauflage des Walkman-Handys mit einer Speicherkapazität von vier Gigabyte.

Der weltweit größte Mobilfunkanbieter Vodafone hat künftig ein mobiles Breitbandangebot und einen UMTS-Zuhause-Tarif im Angebot. Mit der Geschwindigkeit eines konventionellen DSL-Anschlusses sollen Kunden bis Ende des Jahres in allen ans UMTS-Netz angeschlossenen Städten über das Handy im Internet surfen können, sagte Vodafone Deutschland-Chef Friedrich Joussen.

Die Konvergenz von Computertechnik und Unterhaltungselektronik ist auch für die Branchenriesen Intel und Microsoft Realität. Auf der CeBIT stellte der weltgrößte Chiphersteller gemeinsam mit dem Software-Giganten den neuen ultra-mobilen PC "Origami" vor. Die Kreuzung aus Smartphone und Tablet-PC ist etwas größer als ein DIN A5-Papier und verfügt über drahtlose Internetanschlüsse sowie ein berührungsempfindliches Display.

Fujitsu Siemens präsentierte das erste Notebook mit bereits integrierter SIM-Karte für den Internet-Zugang über Mobilfunk vorgestellt. Wenn kein WLAN-Zugang über einen Hotspot zur Verfügung steht, wählt sich die SIM-Karte von T-Mobile automatisch über GSM oder UMTS-Netze ein.

Im Markt für Unternehmenssoftware geht der Trend weg von Paketlösungen für einzelne Aufgabenbereiche hin zu einem prozessorientierten Ablauf, der möglicherweise auf nur noch einer Plattform gebündelt wird. Dabei werde sich die Zahl der Systeme in einem Unternehmen weiter reduzieren, sagte SAP-Vorstand Shai Agassi. Nach Einschätzung Agassis müssten die Unternehmen spätestens bis 2008 in die neuen Technologien investieren, um den Trend nicht zu verschlafen.

Auf ihrem ersten CeBIT-Rundgang als Regierungschefin informierte sich Merkel am Stand des Handelsriesen Metro über die neue Funktechnik RFID - ein weiterer Schwerpunkt der diesjährigen CeBIT. Deutschland hat bei RFID-Funketiketten nach Verbandsangaben große Chancen, die Führung im weltweiten Wettbewerb zu übernehmen. Es gebe hervorragende Softwarespezialisten sowie eine gute IT-Infrastruktur, so der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE). Der RFID-Markt dürfte weltweit bis 2008 auf 2,5 Milliarden Euro steigen (2004: 400 Millionen), sagte VDE-Vorsitzender Alexander Roeder.

Im Streit um die Befreiung des Glasfasernetzes von der Regulierung stellte sich die Kanzlerin hinter die Deutsche Telekom. "Wir werden alles daran setzen, um der Telekom die richtigen Rahmenbedingungen zu setzen". Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke fordert für das Hochgeschwindigkeitsnetz eine befristete Ausnahmeregel, um Pioniergewinne zu sichern.

Trotz kostengünstiger Handytarife und neuer Technologien sieht Siemens-Chef Christian Unterberger seine Festnetzsparte gut aufgestellt. Ungeachtet der Turbulenzen auf dem Telekom-Markt entsprechen die Zahlen den Erwartungen, sagte er. Die Nase vorn habe Siemens aber beim Fernsehen über Internet, einem "Topthema" der diesjährigen Computermesse.

Die Erfolg des Telefonierens über Internet hängt nach Einschätzung des Berliner Geräteherstellers AVM von der Entwicklung komfortabler Endgeräte ab. "Internettelefonie ist günstiger und vielseitiger als das Festnetz", sagte AVM-Geschäftsführer Johannes Nill am Donnerstag auf der CeBIT. Nach Angaben von AVM laufen im geschäftlichen Umfeld inzwischen rund 50 Prozent aller Telefonate über das Internet. Im privaten Bereich sind es derzeit noch rund 10 Prozent.

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