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Call-by-Call-Anbieter lichten sich

03.04.2001 | 11:28 Uhr |

Zahlreiche Billiganbieter von Telefongesprächen stehen auf Grund einer härteren Gangart der Deutschen Telekom vor dem Aus. Die Telekom will von einer Reihe der Call-by-Call-Dienste konsequent Außenstände eintreiben und notfalls die Leitungen sperren.

Zahlreiche Billiganbieter von Telefongesprächen stehen auf Grund einer härteren Gangart der Deutschen Telekom vor dem Aus. Die Telekom will von einer Reihe der Call-by-Call-Dienste konsequent Außenstände eintreiben und notfalls die Leitungen sperren.

Dem Anbieter Teldafax wurden bereits am Montag wegen unbeglichener Rechnungen wichtige Leitungen gekappt. Die Sperrungen beträfen die Servicenummern 0180 und 0190 über Teldafax, sowie Zugänge zum Mobilfunk und Auslandsgesprächen, hieß es von der Telekom in Bonn.

Dieser Schritt erfolgte kurz nachdem das börsennotierte Marburger Unternehmen wegen drohender Zahlungsunfähigkeit ein Insolvenzverfahren beantragte. Die Aktie von Teldafax, die bereits in den vergangenen Wochen abgesackt war, wurde am Montag vom Handel ausgesetzt.

Die Callino GmbH (München) sah sich bereits am Freitag zu einem Insolvenzverfahren gezwungen. Ein konsequentes Vorgehen der Telekom könnte zum Aus zahlreicher säumiger Anbieter in dem Telefon-Billigsegment führen, hieß in Branchenkreisen.

"Wir brauchen das Geld", betonte Telekom-Sprecher Ulrich Lissek in Bonn zu den unbeglichenen Rechnungen. Sie sollen sich nach Angaben des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" insgesamt auf rund eine halbe Milliarde DM summieren. Diese Zahl wollte Lissek nicht kommentieren.

Beim Call-by-Call fungiert die Telekom mit ihrem Leitungsnetz als Voranbieter. Kunden können Gespräche durch Vorwahl einer gesonderten Nummer führen. Rund 400 Unternehmen - so viele Lizenzen haben die Regulierer ausgegeben - bieten hier im harten Wettbewerb ihre größtenteils preisgünstigen Dienste an. Sie müssen der Telekom, der sie mit Billigtarifen Kunden abjagen wollen, für die Nutzung der Leitungen eine Miete zahlen.

Falls - etwa im Falle Teldafax - die Insolvenz eines Anbieters tatsächlich festgestellt werde, werde die Telekom bekannt geben, dass die Leitungen gekappt würden. Dann könnten sich auch die Kunden kurzfristig darauf einstellen. Von Teldafax hieß es, der Insolvenzverwalter werde versuchen, die Abschaltung gemeinsam mit dem Neu-Eigentümer World Access Inc.(Atlanta) noch zu verhindern.

Zahlreiche Wettbewerber der Telekom wie Teldafax, Callino oder RSL COM stünden bei Telekom auch nach Mahnungen in der Kreide und würden ihre Schulden nicht begleichen, hieß es im "Spiegel". Der Schuldenstand etwa von Teldafax betrage mehr als 85 Millionen Mark. Die RSL COM Deutschland GmbH (Frankfurt am Main) wies die Angaben allerdings mit der Erklärung zurück, das Unternehmen habe sämtliche fällige Rechnungen bezahlt.

Die Telekom hatte zuvor bereits dem Frankfurter Unternehmen Star Telecom und Gigabell die Leitungen gekappt. Andere Anbieter gaben schon auf. Es handele sich um eine "normale Marktbereinigung", meinte Lissek. (PC-WELT, 03.04.2001, dpa/ mp)

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