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CPU einfach selbst drucken

29.01.2001 | 16:44 Uhr |

Noch beherrschen Intel und AMD den Markt für Prozessoren. Doch bald könnten die beiden Riesen Konkurrenz bekommen: durch den Heimanwender! Ein neuartiges Verfahren aus den USA soll es in Zukunft möglich machen, komplette Prozessoren kostengünstig auf einem Tintenstrahldrucker selbst zu produzieren.

Noch beherrschen Intel und AMD den Markt für Prozessoren. Doch bald könnten die beiden Riesen Konkurrenz bekommen: durch den Heimanwender! Denn ein neuartiges Verfahren aus den USA soll es künftig ermöglichen, komplette Prozessoren kostengünstig auf einem Tintenstrahldrucker selbst zu produzieren.

Joseph Jacobsen heißt der Mann, der die Chip-Herstellung revolutionieren will. Jacobson ist Leiter der Forschungsgruppe "Molecular Machines" am MIT (Massachusetts Institute of Technology) in Cambridge, Massachusetts.

Rund 20 Wissenschaftler arbeiten an der Entwicklung einer Reihe von Technologien und chemischen Verfahren, um funktionierende Hardware druckbar zu machen. Dabei liegt der Schwerpunkt auf Elektronik, Displays und Maschinen. "Das Endziel ist die Herstellung eines Desktop-Druckers, der einen voll funktionsfähigen Computer auf ein Stück Papier oder Plastik drucken kann", so Jacobson.

Wenn das Verfahren einmal ausgereift ist, sollen sich die Nutzer von zuhause aus die Schaltpläne ihrer gewünschten CPU im Internet aussuchen und diesen dann direkt auf dem heimischen Tintenstrahldrucker ausdrucken können. Natürlich wird dafür keine handelsübliche Tinte in Frage kommen, sondern eine leitende Tinte, in der Nanokristalle aufgelöst sind. Anschließend soll man diese ausgedruckte CPU in seinen PC einsetzen und sofort damit arbeiten können. Als Rohstoff bedient sich Jacobson desselben Materials wie auch Intel oder AMD: Silizium oder Cadmiumselenid-Nanokristalle.

Die bisherige konventionelle Chipherstellung spielt sich in großen High-Tech-Tempeln ab. Riesige Fabrikanlagen, in denen viele Räume nur in Schutzanzügen betreten werden dürfen, um ausreichende Keim- und Schmutzfreiheit bei der Produktion zu gewährleisten. Vermummte Techniker in Ganzkörperanzügen mit Haarkappen und Mundschutz wurden zum Symbol schlechthin für einen ganzen Industriezweig.

Die ganze Chip-Produktion ist außerordentlich kostspielig, von Geheimniskrämerei umgeben und energieaufwendig - wie Intel und Co. angesichts der Stromknappheit in Kalifornien gerade wieder in Erinnerung riefen.

Doch Joseph Jacobsen meint, all das sei unnötig: Statt riesigen, keimfreien Fabrikhallen benötigt er lediglich einen Tintenstrahldrucker, der die leitende Spezialtinte auf das Papier aufbringt. Allerdings ist es dem findigen Tüftler bisher nur gelungen, Chips mit einigen wenigen Transistoren herzustellen. Bis zur Leistungsfähigkeit moderner CPUs ist es noch ein langer Weg. Und über die Kosten für Drucker und Tinte ist bislang noch gar nicht gesprochen worden.

Viele Kollegen von Jacobson und dessen Team bleiben skeptisch und halten diese Möglichkeit zur Chipherstellung nur für einen begrenzten Einsatzbereich für sinnvoll, etwa für die Produktion von Billigchips für Lebensmittelverpackungen, die das aktuelle Verfallsdatum anzeigen.

Bekannt wurde der Amerikaner Joseph Jacobsen, als er eine neue Art von E-Book - entwickelte. Dessen hauchdünne und elastische Digitalanzeige lässt sich nach Belieben immer wieder mit neuen Texten bespielen. Jacobson wurde für die innovative Entwicklung mit dem Mainzer Gutenbergpreis 2000 ausgezeichnet. (PC-WELT, 29.01.2001, hc)

MIT Media Laboratory Research Group Projects: Molecular Machines

Entwicklergruppe

Das Projekt

Diamanten statt Silizium (PC-WELT Online, 14.01.2001)

117,5 GB auf ein Penny-Stück (PC-WELT Online, 18.12.2000)

Bald 10 Gigahertz? (PC-WELT Online, 11.12.2000)

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