85140

SAP mit eigener Strategie

17.05.2009 | 15:41 Uhr |

Vor dem Hintergrund eines sich deutlich ausweitenden CO2-Emissionshandels plant der Walldorfer Konzern SAP die Übernahme des amerikanischen Softwarehauses Clear Standards. Unternehmen können mit einer speziellen Anwendung von Clear Standards Umweltfaktoren wie CO2-Emmissionen registrieren, analysieren und verwalten.

Die webbasierte Software soll künftig in Business-Applikationen von SAP integriert werden. Die Walldorfer sehen sich so auch in der Lage, den eigenen ökologischen Fußabdruck zu verkleinern. Der European Climate Exchange (ECX), ein weltweit führender elektronischer Marktplatz für Emissionszertifikate, erwartet im laufenden Jahr eine Verdoppelung des Handelsvolumens. "Die Wachstumsrate ist enorm," sagt Patrick Birley, CEO des ECX, gegenüber Reuters. 2009 sollen bereits Emissionsrechte für sechs Mrd. metrische Tonnen gehandelt werden. Im Zuge dessen wird die CO2-Börse auch ihre Palette von Anlageprodukten um Futures-Kontrakte auf europäische Emissionszertifikate erweitern.

SAP sieht offenbar mehr ökologisches Potenzial in der Bündelung von Softwarekapazitäten. "Wir haben ein ganzheitliches Sustainability-Konzept entwickelt. Es geht dabei natürlich auch darum, den eigenen ökologischen Fußabdruck zu verkleinern", sagt Yvonne Masopust, Unternehmenssprecherin von SAP , gegenüber pressetext. SAP würde Übernahmen jedoch nur ins Auge fassen, wenn die Kapazitäten der Firmen exakt mit den eigenen korrespondieren und sich keine Überschneidungen ergeben.

Die Applikationen von Clear Standards können sowohl von Unternehmen eingesetzt werden, die strengen Regelungen unterworfen sind, als auch von Firmen, die sich freiwillig zur Schadstoffreduktion verpflichten. Ob der Gesetzgeber des jeweiligen Landes bereits legislative Vorsehungen getroffen hat oder nicht, ist ohnehin nur mittelfristig relevant. "Vielmehr müssen Unternehmen heute ihren konkreten CO2-Ausstoß, ihren Wasserbedarf und ihren Energieverbrauch kennen, um die Auswirkungen ihres Handeln auf die Umwelt besser steuern zu können", sagt SAP-Vorstandssprecher Léo Apotheker. Außerdem korreliere diese Fähigkeit stark mit der Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit von Wirtschaftsbetrieben.

Die proaktive Ausstattung von Unternehmen mit entsprechenden Steuerungsinstrumenten wirft in Anbetracht von 86.000 SAP-Kunden weltweit enorme Einsparungspotenziale ökologischer wie wirtschaftlicher Natur auf. Finanzielle Details zur geplanten Übernahme wurden jedoch nicht bekannt. (pte)

0 Kommentare zu diesem Artikel
85140