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CIH-Virus: Urheber verhaftet

19.09.2000 | 10:09 Uhr |

Chen Ing-Hau, Autor des berüchtigten CIH- oder auch Tschernobyl-Virus, ist auf Taiwan verhaftet worden. Wie der US-Newsdienst Newsbytes berichtet, war der 23-Jährige vergangene Woche von einem taiwanesischen Studenten angezeigt und daraufhin festgenommen worden.

Chen Ing-Hau, Autor des berüchtigten CIH -Virus, ist auf Taiwan verhaftet worden. Wie der US-Newsdienst Newsbytes berichtet, war der 23-Jährige vergangene Woche von einem taiwanesischen Studenten angezeigt und daraufhin festgenommen worden.

Ing-Hau war bereits im April vergangenen Jahres von den taiwanesischen Behörden vernommen worden. Da zu diesem Zeitpunkt allerdings keine Klagen gegen den mutmaßlichen Virus-Urheber vorlagen, wurde Ing-Hau wieder auf freien Fuß gesetzt. Nach seiner Freilassung waren dem zu zweifelhaftem Ruhm gelangten Ex-Studenten mehrere Jobs in Softwareunternehmen angeboten worden. Bis zu seiner Verhaftung war Chen Ing-Hau auch als Programmierer beschäftigt.

Computerexperten auf der ganzen Welt begrüßten die Verhaftung und fordern nun eine Anklage von Ing-Hau. Die Verhaftung sendet ein abschreckendes Zeichen an alle Computerhacker, kommentierte etwa Graham Cluley, Senior Technology Consultant bei Sophos. Und IT-Unternehmen sollten davon abkommen, Urheber von Viren auch noch mit lukrativen Jobs zu belohnen.

Der CIH-Virus ist auch unter dem Namen Tschernobyl-Virus bekannt, weil er zufälligerweise seine Zerstörungsfunktion jedes Jahr jeweils zum Jahrestag der russischen Nuklearkatastrophe (26. April 1986) auslöst. In einigen Varianten wird er auch am 26. jedes Monats aktiv. Der Name CIH des seit 1998 bekannten Virus verweist auf die Anfangsbuchstaben des Virenautors Chen Ing-Hau.

Die Schadfunktion des immer noch verbreiteten Virus ist katastrophal für jeden Rechner: Erst überschreibt der Killer-Virus auf einem Hardware-Baustein der Hauptplatine das Startprogramm, das der Rechner zum Hochfahren benötigt. Dann zerstört der rund 1 Kilobyte große Virus Daten und Systembereiche auf der Festplatte.

Der CIH-Virus hatte im vergangenen Jahr alleine in Südkorea eine Viertel Millionen Computer infiziert und Schäden in Höhe von 250 Millionen US-Dollar angerichtet. Und dies, obwohl heute alle Antivirenprogramme den Virus erkennen und entfernen.

Der anzeigende Student war am diesjährigen Tschernobyl-Jahrestag Opfer des Virus geworden. Sollte Chen Ing-Hau schuldig gesprochen werden, drohen ihm bis zu drei Jahre Gefängnis (PC-WELT, 18.09.2000, jas).

Fragen und Antworten zum CIH-Virus

CIH - noch immer gefährlich (PC-WELT Online, 22.04.2000)

Killer-Virus wird aktiv (PC-WELT Online, 22.04.2000)

CIH-Virus: Weniger Schäden als letztes Jahr (PC-WELT Online, 27.04.2000)

PC-WELT News zu Viren

PC-WELT Artikel über Viren und Bugs

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