214552

Netzwerken im Anti-Social-Network

05.12.2009 | 15:27 Uhr |

Das New Yorker Start-up All Day Buffet setzt mit By/Association auf Networking ohne üblichem sozialen Aspekt. Während Facebook, LinkedIn und Co auf die Vernetzung unter Freunden, Unternehmen und professionellen Kontakten setzten, die man zumeist bereits kennt, positioniert sich By/Association als "Anti-Social-Network".

Die Seite will Menschen dabei helfen, ihren sozialen Radius zu erweitern, indem Kontakte zu vollkommen unbekannten, neuen Personen oder Firmen hergestellt werden. "Wir haben alles weggelassen, das die Plattform zu einem Social Network machen würde", sagt By/Association -Chef Michael Karnjanaprakorn gegenüber der New York Times . So gibt es weder die Möglichkeit, nach Leuten zu suchen, noch können Profile oder Fotos anderer Mitglieder gesehen werden. Die Idee hinter By/Association sei vielmehr, kreative Köpfe, die ihren sozialen Horizont erweitern wollen, miteinander bekannt zu machen. "Die Frage ist, ob so ein Anti-Social-Network bei den Leuten ankommt. Welchen Mehrwert kann ein solches Angebot stiften? Facebook und StudiVZ geben dem User den Mehrwert, mit Freunden und Bekannten über kleine und große Entfernungen hinweg in Kontakt zu bleiben", so David Nelles, Corporate Communications bei virtual identity, gegenüber pressetext.

"Ich kenne eine Vielzahl von Menschen im Bereich Technologie und Desgin, ich kenne aber zum Beispiel keine Ärzte", sagt Karnjanaprakorn. Er wolle Leute aus anderen Branchen treffen, die er normalerweise nie kennenlernen würde, deren Bekanntschaft aber gleichzeitig von großem Wert sein könne. By/Association will diese Aufgabe nun übernehmen. Dabei setzt der Service auf Privatheit. Mitglieder müssen zunächst ein ausführliches Online-Formular mit zahlreichen Fragen ausfüllen und werden dann geprüft und ausgesucht. Seit die Plattform im Juli dieses Jahres startete, haben sich rund 700 Personen "beworben", aber nur 450 wurden tatsächlich aufgenommen.

"Wir lehnen nur Leute ab, die einsilbige Antworten geben oder überhaupt nicht ernsthaft antworten", erklärt Karnjanaprakorn. Die Vernetzung von Personen erfolgt derzeit nicht automatisiert, sondern tatsächlich über die Analyse und Auswahl eines Mitarbeiters, der entscheidet, welche Mitglieder gut zueinander passen könnten. Wenn sich die Plattform verbreitert, werde das Unternehmen jedoch über ein Software-basiertes Empfehlungssystem nachdenken, so der Firmenchef.

"Die Art der Blind Dates von By/ Association ist vielleicht im ersten Moment spannend, aber verliert sicherlich schnell an Reiz. Schleißlich möchte ich mir meine Freunde selbst aussuchen", meint Nelles. Für Exklusivität gebe es aber sicherlich immer eine Nachfrage. Um so exklusiver das Netzwerk und umso spitzer die Zielgruppe, desto höher sei der persönliche Mehrwert. "Vor diesem Hintergrund können auch solche Netzwerke sehr gut neben den Dickschiffen Facebook und Co. erfolgreich arbeiten."

Die Plattform ist aktuell sowohl in New York als auch in Los Angeles und San Francisco aktiv. Außerhalb der USA ist zudem London vertreten. Mit Ende des Jahres sollen die Städte Toronto und Chicago eingegliedert werden. "Wir wollen langsam und in richtigem Maße wachsen", so Karnjanaprakorn. Man habe keinerlei Intention, irgendetwas zu übertreiben und sich Facebook als Vorbild zu nehmen.

Noch ist der Service kostenlos, künftig will das Unternehmen seinen Mitgliedern für das anti-soziale Netzwerken aber einen jährlichen Mitgliedsbeitrag abknöpfen. Letztlich sollen die Nutzer die Möglichkeit haben, auch Events über die Seite zu organisieren. (pte)

0 Kommentare zu diesem Artikel
214552