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Google lotst jetzt durch den deutschen Nahverkehr (teilweise)

26.11.2012 | 10:19 Uhr |

Mit Google Transit können Sie sich jetzt auch Nahverkehrsverbindungen anzeigen lassen. Google Maps ermöglicht damit ab sofort eine lückenlose Routenplanung quer durch Deutschland. Zum Start weg sind aber nur zwei deutsche Großstädte mit dabei. Weitere sollen folgen. Update 26.11.2012: Die Vogtland GmbH hat auf unsere Anfrage geantwortet.

Bisher zeigte Google Transit nur Verbindungen der Deutschen Bahn AG für die Routenplanung an. Ab heute ist das anders: Google hat seinen Dienst Google Transit auch auf die Nahverkehrsebene ausgeweitet. Zum heutigen Start steht der Nahverkehrsplan aber nur für München (Münchner Verkehrsgesellschaft MVG mit dem Münchner Verkehrsverbund MVV, insgesamt 100 Linien von U-Bahn, Bus und Tram mit mehr als 1200 Haltestellen) und Münster (Stadtwerke Münster mit 24 Buslinien) zur Verfügung.

So nutzen Sie Google Transit

Rufen Sie im Browser maps.google.de auf. Wählen Sie links oben den Button „Route berechnen“ und klicken Sie dann auf das mittlere Icon mit dem Zugsymbol – damit nutzen Sie jetzt Google Transit. Geben Sie jetzt ihre Startadresse in München oder Münster ein und anschließend die Zieladresse. Falls Sie die Abfahrt zu einem späteren Zeitpunkt planen, geben Sie noch das gewünschte Datum und die Uhrzeit ein. Außerdem können Sie bei Datum und Uhrzeit zwischen Ankunft und Abfahrt wählen. Klicken Sie dann auf den blauen Button „Route berechnen“.

Routenplanung mit Google Maps/Google Transit
Vergrößern Routenplanung mit Google Maps/Google Transit

Sofort liefert Ihnen Google Maps die exakte Route (wenn mehrere Routen möglich sind, werden Ihnen diese alle übersichtsartig angezeigt und Sie können die gewünschte Verbindung für Detailinformationen anklicken) und schließt dabei den Nahverkehr sowie die Verbindungen der Bahn AG ein. Sie sehen genau, an welcher Stelle Sie welchen Bus oder welche U-Bahn nehmen müssen oder wo eventuell ein Fußweg erforderlich ist.

Diese Routen stehen für unserer Reiseziel zur Auswahl
Vergrößern Diese Routen stehen für unserer Reiseziel zur Auswahl

Zu jeder Station werden Ankunftszeit und Abfahrtszeit angezeigt. Wenn Sie auf das Icon mit dem Nahverkehrsmittel klicken, erfahren Sie den Dienstleister - in München ist das die MVG (Münchner Verkehrsgesellschaft) - und kommen mit einem weiteren Klick direkt auf deren Webseite. Außerdem wird zur leichteren Orientierung für Ortsfremde auch jeweils sie vorletzte Haltestelle angezeigt, damit Sie sich rechtzeitig auf den Ausstieg vorbereiten können.

Eine Route durch München im Detail
Vergrößern Eine Route durch München im Detail

Unter dem Link „Optionen anzeigen“ können Sie die Verkehrsmittel, die Google Maps bei der Routenberechnung wählen darf, noch weiter eingrenzen. Also beispielsweise nur U-Bahn oder nur Bus. Die Nahverkehrspreise des MVV werden übrigens derzeit noch nicht angezeigt.
 
Wichtig: Wenn Sie in eine andere Stadt außer München oder Münster fahren, dann endet die Berechnung von Google Transit vermutlich am dortigen Hauptbahnhof. Und empfiehlt dann vermutlich den (längeren) Fußweg. Google betont aber, dass alle Nahverkehrsverbünde eingeladen sind, mit Google an der Einbindung von deren Nahverkehrsplänen mitzuarbeiten. München und Münster sind nur die Vorreiter.

Keine Echtzeitdaten!

Wenn Sie Google Maps für die Routenplanung mit dem Auto nutzen, dann können Sie bei der Routenplanung die aktuelle Verkehrslage mit allen Staudaten berücksichtigen lassen. Solche Echtzeitverkehrslagedaten stehen aber für Google Transit (also für die Routenplanung mit dem Öffentlichen Nahverkehr und der Bahn AG) nicht zur Verfügung. Sie bekommen also sowohl für die Bahn AG als auch für die Verkehrsverbünde von München und Münster nur die Soll-Daten angezeigt. Bleibt also wieder einmal eine U-Bahn liegen – wie es erst kürzlich mehrmals in München passiert ist – dann erfahren Sie das nicht aus der Routenanzeige von Google Maps! Wohl aber stehen diese Echtzeitinformationen auf der Webseite des MVG/MVV in München unter MVG live zur Verfügung (bei der U-Bahn wird der Standort jeder Bahn sogar per GPS-Signal übermittelt). Ein echtes Manko! PC-WELT fragte Herbert König, den Chef der MVG, warum diese ja vorhandenen Echtzeit-Daten der Münchner Verkehrsbetriebe nicht in Google Maps einfließen. Seine Antwort: Diese Integration sei geplant, die Daten müssten hierfür aber erst aufbereitet und die Schnittstellen zwischen dem MVG und Google geschaffen werden.

Nur Zugverbindungen der Bahn AG

Links MVG-Chef Herbert König, rechts hinten ein Google-Mitarbeiter bei der Vorstellung von Google Transit mit den Nahverkehrsdaten des Münchner Verkehrsverbundes heute in der Google-Niederlassung in München.
Vergrößern Links MVG-Chef Herbert König, rechts hinten ein Google-Mitarbeiter bei der Vorstellung von Google Transit mit den Nahverkehrsdaten des Münchner Verkehrsverbundes heute in der Google-Niederlassung in München.
© Hans-Christian Dirscherl

Außerdem wollten wir von Google wissen, weshalb bei der Routenplanung mit der Bahn ausschließlich die Verbindungen der Bahn AG, nicht aber die der Privatbahnen berücksichtigt werden. Das Fehler aller Privatbahnen verringert den Nutzen von Google Transit erheblich. Besonders im Nahverkehr ist ohne die Berücksichtigung der Privatbahnen eine optimale Planung der Zugfahrt meist nicht möglich, weil viele wichtige Verbindungen fehlen. Googles Antwort: Alle Privatbahnen sind herzlich eingeladen, ihre Verbindungsdaten Google zur Verfügung zu stellen. Google würde diese dann selbstverständlich in Google Transit integrieren. Mit einigen Konkurrenten der Bahn AG würde Google darüber auch schon verhandeln. Details und Namen wollte Google auf Nachfrage der PC-WELT aber nicht nennen: "Wir reden immer erst über Dinge, wenn Sie für den Nutzer relevant, d.h. nutzbar sind", begründete Lena Wagner, Pressesprecherin von Google, ihre Schweigsamkeit.

Privatbahnen sind eingeladen

In der Praxis stelle sich laut Google aber das Problem, dass die kleineren Privatbahnen ihre Verbindungsdaten nicht in dem von Google für Google Transit verwendeten GTFS-Format (General Transit Feed Specification Reference) bereit stellen würden. Das sei aber zwingend Voraussetzung für die Integration der Verbindungsdaten. Google leiste hierbei auch Hilfestellung, die konkrete Umsetzung müssten aber die jeweiligen Bahnunternehmen machen.

Update 26.11.2012: Das sagen die Privatbahnen

PC-WELT fragte bei zwei Privatbahnen nach dem Grund, weswegen ihre Verbindungsdaten auf Google Maps nicht zur Verfügung stehen. Die Antwort der Veolia Verkehr GmbH, die die Bayerische Oberlandbahn BOB betreibt, viel denkbar kurz und nichtssagend aus: " Die Veolia Verkehr GmbH ist sich der Problematik bewusst und arbeitet derzeit an einer Lösung." Von der ebenfalls angefragten Vogtlandbahn GmbH erhielten wir dagegen eine interessante Antwort: "Wir haben auch in den letzten Wochen und Monaten diesen Dienst in der Presse verfolgt und sehen hier einen großen Nutzen und die Möglichkeit zur Erschließung neuer Fahrgastpotentiale. Wir sind am Freitag noch mit der Pressesprecherin von Google in Kontakt getreten, um die Kontaktdaten der zuständigen Person, zu erhalten. Jetzt müssen wir bei dieser Person uns die Details zu diesem Angebot einholen und  die technische Umsetzung prüfen." Ganz offensichtlich stehen einige Privatbahnen mit Google bisher also noch gar nicht in Kontakt; bis die technische Umsetzung erfolgt, dürfte noch einige Zeit vergehen.

Der Aufwand für die Integration beim MVV

Wie aufwändig die Integration der Nahverkehrsverbindungsdaten ist, zeigt das Beispiel der Münchner Verkehrsgesellschaft MVG: Zwei Personen arbeiteten ein halbes Jahr daran, die Verbindungsdaten des Münchner Verkehrsverbundes MVV für Google aufzubereiten. Die MVG will übrigens die von Google Transit erfassten Abfragedaten und den dadurch signalisierten Bedarf nicht dafür auswerten, um neue Strecken zu planen. Zumindest ist das im Moment nicht geplant. Für die Bedarfsermittlung und den Ausbau des Streckennetzes habe der MVG andere Mittel, erklärte König auf Nachfrage. Übrigens fließt bei dem Vertrag zwischen der MVG und Google kein Geld, wie beide Seiten versicherten. Google verlange nichts für die Integration der Münchner MVV-Daten und die MVG verlange von Google kein Geld für die Bereitstellung ihrer Daten.

Derzeit bleibt Google Transit ohne Konkurrenz in München: Die MVG würde derzeit weder mit Nokia noch mit Apple oder anderen Kartenanbietern verhandeln.

Weltweit verarbeitet Google Transit derzeit für 500 Städte Nahverkehrsverbindungen für die Routenplanung, in Deutschland sind es derzeit aber wie gesagt nur München und Münster. Weitere Städte sollen folgen, die Initiative muss aber von den jeweiligen Nahverkehrsbetrieben ausgehen.

Google Maps mit Google Transit können in jedem Browser genutzt werden. Für Android gibt es zudem die Google Maps-App. Unter iOS 6, aus dem Apple ja die Google-Maps entfernt hat, können Sie Google Maps mit Google Transit im Safari-Browser verwenden.

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