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Bundestagsverwaltung: Linux auf dem Abstellgleis?

23.04.2007 | 13:27 Uhr |

Gerät Linux bei der Bundestagsverwaltung ins Abseits? Diese Gefahr sieht zumindest der deutsche Linux-Verband. Denn Microsoft habe laut Linux-Verband erfolgreich Lobbyarbeit gemacht und damit erreicht, dass die bestehende Open-Source-Mail-Infrastruktur durch Microsoft Exchange ergänzt werde.

Der Linux-Verband e.V. ist der "Branchenverband der im Umfeld von Freier Software und Linux aktiven Firmen" tätig ist. Sein Ziel ist es, den professionellen Einsatz von Linux und anderer Freier Software zu fördern. Dieses Ziel sieht der Linux-Verband jetzt bei der Bundestagsverwaltung gefährdet. Denn angeblich hat Microsoft erreicht, dass die vorhandene Open-Source-Lösung für die Mailinfrastruktur der Bundestagsverwaltung durch Microsoft Exchange ergänzt werde, wie einer Veröffentlichung des Linux-Verbandes zu entnehmen ist.

Angeblich seien dem Linux-Verband interne Informationen zugespielt worden, denen zufolge "an den Fachabteilungen vorbei mit dem Gremium des Ältestenrates die IT-Strategie der Bundestagsverwaltung manipuliert wird". Der Linux-Verband kritisiert, dass "durch die Beschlüsse dieses deutlich technologiefernen Gremiums… die auf freier und kostengünstiger Basis bestehende E-Mail-Infrastruktur durch das Produkt "Microsoft Exchange" ergänzt werden soll".

Dem stünde aber die von der IuK-Kommission (die für Informations- und Kommunikationstechnologie zuständige Kommission des Bundestags) getroffene Richtungsentscheidung zum Einsatz von Open-Source-Software entgegen. Der Linux-Verband sieht das Vorhaben des Ältestenrates als ersten Schritt dahin, die Entscheidung der IuK-Kommission umzudrehen.

Der Linux-Verband vermutet das mögliche Votieren für Exchange als Ergebnis der "im öffentlichen Bereich zur Zeit besonders umtriebigen Microsoft Lobbyisten". Denn für dieses Mail-Projekt gäbe es keine offizielle Ausschreibung, der Linux-Verband ist sich aber sicher, dass ein derartiges Projekt mit dem Ziel, Microsoft Exchange einzuführen, derzeit läuft.

Kritische Stimmen aus Unternehmenskreisen hätten sich bereits beim Unternehmensverband gemeldet. Einige Unternehmen würden sogar rechtliche Schritte gegenüber dem Bundestag prüfen.

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