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Bundesnetzagentur will gegen Routerzwang vorgehen

26.02.2014 | 09:45 Uhr |

Die Bundesnetzagentur scheint endlich gegen den Routerzwang bei Internetzugängen vorzugehen. Internet-Nutzer sollen dadurch Wahlfreiheit beim Router bekommen. In einigen Details sehen die Router-Hersteller aber noch Nachbesserungsbedarf zum Vorteil des Kunden.

Eines der größten Ärgernisse in Zusammenhang mit Internetanschlüssen ist der Routerzwang: Der Internet-Provider zwingt dem Kunden nicht nur seinen eigenen Router auf, sondern händigt dem Kunden zudem auch nicht dessen Zugangsdaten aus. Damit hat der Kunde in vielen Fällen nicht die Möglichkeit, einen eigenen, besser ausgestatteten und leistungsfähigeren Router (mit integriertem DSL- beziehungsweise Kabelmodel) zu verwenden. Und muss stattdessen zähneknirschend das ihm vom Provider aufgezwungene und für den Internetzugang vorkonfigurierte Modell akzeptieren (die Deutsche Telekom macht hiervon übrigens eine lobenswerte Ausnahme und händigt dem Kunden dessen Zugangsdaten aus). Der Hauptgrund für das wenig kundenfreundliche Verhalten vieler Provider: Diese wollen sich Support-Kosten sparen, die entstehen, wenn der Kunde Fehler bei der Konfiguration des Routers macht.

Hintergrund: Keine Chance dem Router-Zwang!

Bundesnetzagentur sah keine rechtliche Handhabe

Die Bundesnetzagentur als erster Adressat für dieses Problem blieb lange Zeit aber untätig. Sie behauptete im Januar 2013, dass sie keine rechtliche Handhabe gegen die Praxis der Internetprovider sehe, den Internetzugang mit der Nutzung eines vorgegebenen Routers zu koppeln. Der Gesetzgeber habe nicht eindeutig definiert, an welchem Punkt das DSL-Netz in einem Haushalt endet. Aus diesem Grund sei die Entscheidung dem jeweiligen Netzbetreiber zu überlassen. Die Bundesnetzagentur lehnte somit ihre Zuständigkeit ab.  

Diese Gängelung wollen die Router-Hersteller nicht mehr akzeptieren. Sie haben sich im April 2013 an die zuständigen Stellen bei der Bundesregierung und an die Bundesnetzagentur gewandt. Die Hersteller forderten die gesetzlich vorgeschriebene Offenlegung der Netzzugangsschnittstelle an der TAE-Dose und eine freie Routerwahl.  

Regierung gegen den Routerzwang

Die TK-Unternehmen hatten damit bei der Regierung Erfolg. CDU, CSU und SPD haben sich in ihrem Koalitionsvertrag gegen den Routerzwang ausgesprochen: "Nutzerinnen und Nutzer müssen die freie Auswahl an Routern behalten. Daher lehnen wir den Routerzwang ab. Die zur Anmeldung der Router (TK-Endeinrichtungen) am Netz erforderlichen Zugangsdaten sind den Kundinnen und Kunden unaufgefordert mitzuteilen." 

Der politische Wille und der Druck der Router-Hersteller bringt nun anscheinend endlich Bewegung in die Bundesnetzagentur.  Die Behörde hat am 25.02.2014 den ersten Entwurf einer Rechtsverordnung zur Verbesserung der Transparenz auf dem Telekommunikationsmarkt veröffentlicht. In diesem Verordnungsentwurf wolle die Bundesnetzagentur auch die Abschaffung des Routerzwangs festschreiben, wie der Berliner Kommunikationsspezialist AVM erläutert.   

Die 19 Hersteller von Telekommunikationsendgeräten haben jetzt in eine gemeinsame Stellungnahme das Vorhaben der Bundesnetzagentur begrüßt, den Anwendern bei der Nutzung von Endgeräten mehr Rechte einzuräumen. „Die Abschaffung des Routerzwangs durch die Bundesnetzagentur sei hierbei ein ebenso wichtiger wie richtiger Schritt“, führt AVM aus. Ganz zufrieden sind die Router-Hersteller mit dem Entwurf der Bundesnetzagentur jedoch noch nicht.

Streit um Herausgabe der Zugangsdaten

Denn der aktuelle Entwurf sehe nur vor, dass die Netzbetreiber ihren Kunden auf Anfrage die Zugangskennungen für ihre Internet- und Sprachdienste herausgeben müssen, damit diese im Kunden-Router hinterlegt werden  können. Die 19 Hersteller empfehlen jedoch, dass die Kunden diese Daten automatisch unaufgefordert bei Vertragsabschluss so, wie im Koalitionsvertrag festgelegt, und nicht erst auf Nachfrage erhalten.   

Offenlegung der Netzzugangsschnittstelle

Die von den Herstellern darüber hinaus geforderte Klarstellung zur Netzzugangsschnittstelle werde durch diese Verordnung bislang nicht geregelt. Im Interesse des Marktes empfehlen die Hersteller dringend die generelle Offenlegung der jeweiligen Netzzugangsschnittstelle für den direkten Anschluss an das physikalische Mediums. Nur so sei gewährleistet, dass die Hersteller in der Lage sind, für den jeweiligen Netzzugang voll kompatible Geräte herzustellen und damit eine Auswahlmöglichkeit für die Anwender zu bieten.   

Folgende Unternehmen beziehen gemeinsam Stellung im Kampf gegen den Routerzwang:  

- Aastra Deutschland GmbH, Zeughofstraße 1, 10997 Berlin  
- AGFEO GmbH & Co. KG, Gaswerkstraße 8, 33647 Bielefeld  
- Auerswald GmbH & Co. KG, Vor den Grashöfen 1, 38162 Cremlingen  
- AVM GmbH, Alt-Moabit 95, 10559 Berlin  
- Buffalo Technologies EU BV, Polarisavenue 85, NL-2132 JH Hoofdorp  
- devolo AG, Charlottenburger Allee 60, 52068 Aachen  
- D-Link GmbH, Schwalbacher Str. 74, 65760 Eschborn  
- DrayTek GmbH, Pirnaer Str. 9, 68309 Mannheim  
- Ikanos Communications Inc., Kirchplatz 12, 82576 Pfaffenhofen/ Ilm  
- LANCOM Systems GmbH, Adenauerstrasse 20/B2, 52146 Würselen  
- Lantiq Deutschland GmbH, Lilienthalstraße 15, 85579 Neubiberg   
- Nextragen GmbH, Lise-Meitner-Str.2, 24941 Flensburg  
- Patton-Inalp Networks AG, Meriedweg 7, CH-3172 Schweiz  
- Snom Technology AG, Wittestraße 30 G, 13509 Berlin  
- TAS GmbH & Co. KG, Langmaar 25, 41238 Mönchengladbach  
- TechniSat Digital GmbH, TechniPark, 54550 Daun  
- Teldat GmbH / bintec ¿ elmeg, Südwestpark 94, 90449 Nürnberg  
- Tiptel.Com GmbH, Halskestr. 1, 40880 Ratingen  
- Viprinet Europe GmbH, Mainzer Str. 43 Bingen am Rhein  

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