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Buchbesprechung: Visual C# 2005 von Markt+Technik

20.11.2006 | 17:10 Uhr |

Für Microsoft ist C# die Sprache des .net-Framework. C# ist objektorientiert, wurde eigens für die .net-Plattform entwickelt und ist frei von Altlasten. Für so manchen Programmier-Interessierten ist C# also eine verlockender Einstieg in die Welt des Code-Hackens. Wir haben uns deshalb ein typisches Einsteigerbuch für C# aus dem Markt+Technik-Verlag angeschaut.

Speziell für den leichten Einstieg in eine Materie führt Markt+Technik die Easy-Reihe. Auch für C# ist darin ein Band erschienen: "Walter Saumweber, Visual C# 2005 - Mit einfachen Beispielen programmieren". Zwei CD-ROMs liegen dem knapp über 330 Seiten starken Band bei, eine CD enthält die im Buch vorgestellten Code-Beispiele, auf der zweiten Scheibe befindet sich die Visual C# 2005 Express Edition. Microsoft bietet diese Entwicklungsumgebung zwar ohnehin kostenlos zum Download an, aber so sparen Sie sich immerhin den 100 MB großen Download.

Das Buch ist Anfang Oktober erschienen und deshalb relativ aktuell. Zwar hat Microsoft nach Erscheinen von "Visual C# 2005 - Mit einfachen Beispielen programmieren" das .net Framework 3.0 vorgestellt ( die PC-WELT berichtete ), doch spielen dessen gegenüber der 2er-Version hinzugekommene Funktionen keine Rolle beim Erlernen der Grundlagen von C# 2.0.

Der Autor erklärt zu Beginn knapp die Funktion des .net-Frameworks und erläutert in diesem Zusammenhang auch grundlegende Begriffe wie beispielsweise Compiler und Quellcode, aber auch so .net-typische Begriffe wie Intermediate Language Code. Für einen Einsteiger in die Welt des Programmierens sind solche Informationen unverzichtbar. Allzu lange hält sich Saumweber aber nicht mit Theorie auf, schnell geht es nach der ausführlich erklärten Installation der Entwicklungsumgebung Visual C# 2005 Express Edition an das Erstellen des ersten Code-Beispiels. Dabei bricht der Autor mit einer seit Jahrzehnten für das Erlernen von Programmiersprachen aus der C-Familie gültigen Tradition: Mit dem ersten Beispiel-Programm wird nämlich nicht das legendäre "Hello World" auf der Konsole dargestellt, stattdessen darf der Anwender den Text "Mein erstes C#-Programm" ausgeben.

Saumweber vermittelt in den folgenden Kapiteln das nötige Wissen über Syntax und Grammatik von C#. Wer noch nie programmiert hat, lernt jetzt Variablen und deren wichtigste Vertreter sowie Konstanten kennen. Er erfährt, wie man mit C# Rechenoperationen durchführt und Fallentscheidungen trifft beziehungsweise Verzweigungen einbaut. Und wie man wiederholte Vorgänge einbaut, sprich Schleifen programmiert. Danach geht es weiter zu Arrays und Methoden. Dabei gibt der Autor immer Schritt-für-Schritt-Anleitungen, neu hinzu kommender Code wird farblich von dem bereits vorhandenen Quelltext abgehoben. Man kann also wirklich ohne Programmiervorkenntnisse einsteigen und kommt zuverlässig voran. Alle Code-Beispiele sind ausführlich erklärt. Den Lese- und Schreibzugriff auf Dateien erklärt der Autor jedoch nicht, diese Information hätten wir uns auch bei einem Einsteigerbuch gewünscht. Auch bei der ein oder anderen Methode hätte man vielleicht etwas ausführlichere Erklärungen und Hinweise geben können (so erfährt man in
Zusammenhang mit Arrays zwar was "Array.Reverse()" nach einem vorangestellten "Array.Sort()" bewirkt, nicht jedoch, was Array.Reverse()" für sich ohne voraus gehendes "Array.Sort()" bezweckt.

Dem Thema "Klassen und Objekte" ist ein eigenes Kapitel gewidmet, schließlich ist C# eine objektorientierte Sprache und das .net-Framework stellt mehrere Tausend Klassen bereit. Damit kommen wir aber auch zu einer kleinen Schwachstelle im Buch. Es erklärt dem Programmieranfänger zwar das grundsätzliche Prinzip der .net-Klassen und skizziert die Namensräume kurz, verzichtet aber darauf, die wichtigsten Klassen überblicksartig vorzustellen. Der Leser, sofern er noch keine weiter gehenden Kenntnisse der Klassenbibliothek des .net-Frameworks hat, bleibt also etwas ratlos zurück. Hier hätten Autor und Verlag etwas mehr Seiten investieren sollen.

Den Großteil des Buches, genauer gesagt bis zur Seite 281, verbringt der Leser auf der Konsole von Windows - bildlich gesprochen. Alle Ein- und Ausgaben erfolgen nämlich über die Kommandozeile von Windows. Erst am Ende des Buches kommt der Autor zu dem Thema, das vermutlich die Leser am meisten interessiert: Wie erstelle ich Windows-Anwendungen? Das Erstellen von "Windows-Forms" wird aber nur noch kurz angerissen. Doch das ist so in Ordnung, der Leser lernt durch die überwiegende Beschränkung auf die Konsolen-Ebene tatsächlich die Grundlagen von C# und beginnt nicht zu früh mit dem "Mausschubsen". Auf Datenbank- und Web-Programmierung geht der Autor nicht weiter ein, was bei einem Einsteigerbuch aber kein Nachteil ist. Dafür gibt es ja weiterführende Literatur.

Am Ende der meisten Kapitel stellt der Autor einige Fragen, mit denen man den eigenen Lernerfolg kontrollieren kann. Die Lösungen dazu bilden zusammen mit einem Glossar und dem Stichwortverzeichnis den Abschluss des Buches.

Alle Codebeispiele werden zwar auf der CD mitgeliefert. Das sollte Programmieranfänger aber nicht dazu verleiten, die Listings nicht selbst einzutippen, und stattdessen nur mit den fertigen Codebeispielen von der CD zu arbeiten. Nur wer selbst den Code eintippt und auch abändert, macht Erfahrungen mit Syntaxfehlern und gewinnt ein Gefühl für die Sprache.

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