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Wikipedia Lexikon in einem Band

18.09.2008 | 10:31 Uhr |

Es liegt richtig schwer in der Hand und macht optisch einiges her: das "Wikipedia-Lexikon in einem Band". Das Cover ziert natürlich das vom Webauftritt her bekannte typische Wikipedia-Logo mit der Erdkugel aus den vielen Puzzleteilen. Und doch handelt es sich bei diesem Buch um ein eigenständiges Produkt, bei dem uns nicht so ganz klar ist, wer es kaufen soll.

Das "Wikipedia Lexikon in einem Band" (gebundene Ausgabe; Bertelsmann Lexikon Verlag/Wissen Media Verlag; 1. Auflage, September 2008) ist relativ preiswert, 19,95 Euro sind nicht viel Geld für ein Buch mit festem Einband, durchgehend farbigen Abbildungen und 992 Seiten Umfang (Amazon.de übertreibt übrigens etwas mit seiner Produktbeschreibung und nennt 1008 Seiten). Die gesamte Verarbeitung macht einen soliden Eindruck, hier konnte das Bertelsmann-Lexikon-Institut seine langjährige Erfahrung ausspielen. Doch bei einem Lexikon entscheidet nicht die äußere Aufmachung sondern der Inhalt. Und der basiert auf mitunter stark gekürzten und redaktionell überarbeiteten Wikipedia-Artikeln.

Interessant und durchaus originell ist das Auswahlkriterium für die 50.000 erfassten Stichwörter: Es handelt sich dabei um die 50.000 im Zeitraum 2007/2008 am häufigsten aufgerufenen Wikipediaartikel. Somit spiegelt das Wikipedia-Buch die jüngste Interessenslage der Internetnutzer und das aktuelle Weltgeschehen recht gut wider - ein interessantes Unterscheidungsmerkmal zu anderen gedruckten Lexika. Allerdings gilt dieses Auswahlkriterium nur bis zum 14. April 2008, denn an diesem Tag war Redaktionsschluss. Das hat zur Folge, dass beispielsweise die Stichworte zu Georgien oder Müntefering sehr knapp ausfallen - im April 2008 war der Konflikt zwischen Georgien und Russland noch nicht derart eskaliert und Franz Müntefering noch nicht in die aktive Politik zurück gekehrt, er pflegte damals noch seine todkranke Ehefrau.

Das beschriebene Auswahlkriterium sorgt für eine mitunter kuriose Stichwortsammlung: So findet man relativ viele Einträge zu aktuellen Kinofilmen wie Indiana Jones und Computerspielen wie GTA Grand Theft Auto, doch wenn man wissen will, was es mit Kalkriese, Cannae oder der Goldenen Bulle auf sich hat, stößt man auf Schweigen (Tipp: Kalkriese wird kurz unter dem Suchbegriff Varusschlacht erwähnt). Unter dem Stichwort "Hannibal" findet man drei Einträge: Ein kurzer Eintrag behandelt den berühmten karthagischen Feldherrn, der die Alpen überquerte und Rom an den Rand der Niederlage brachte. Etwas länger fällt dagegen der Artikel zu den Filmen um den Kannibalen Hannibal Lecter aus, für den es obendrein noch einen eigenen Lexikon-Eintrag gibt. Diese ungewöhnliche Auswahl lässt den Bildungsbürger erschauern, doch ist das in diesem Fall ausdrücklich gewollt und spiegelt eben die Neugier und die Wissbegierde der Internetnutzer wider (sollte das Leben des antiken Hannibal von Hollywood verfilmt werden, so dürfte sich diese Gewichtung bei Wikipedia deutlich verschieben). Der Bertelsmann-Lexikon-Verlag betont dieses Auswahlkriterium ausdrücklich und erklärt auch, wie die mitunter episch langen Wikipedia-Originalartikel für den knappen Platzvorrat eines einbändigen gedruckten Lexikons zurecht gestutzt wurden: So dienten als Textquellen die ersten Absätze der Online-Artikel, die, wie der Verlag betont, behutsam überarbeitet wurden, wenn es erforderlich war.

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