193938

Brüssel genehmigt Fusion AOL/Time Warner

11.10.2000 | 17:54 Uhr |

Die US-Konzerne AOL und Time Warner haben in Europa freie Bahn für ihre Fusion zum weltweit führenden Medienkonzern. Die EU-Kommission billigt den Zusammenschluss unter der Bedingung, dass AOL seine Verbindungen zum Gütersloher Medienkonzern Bertelsmann löst.

Die US-Konzerne AOL und Time Warner haben in Europa freie Bahn für ihre Fusion zum weltweit führenden Medienkonzern. Die EU-Kommission billigt den Zusammenschluss unter der Bedingung, dass AOL seine Verbindungen zum Gütersloher Medienkonzern Bertelsmann löst. Das teilte die EU-Kommission in Brüssel nach gut fünfmonatiger Prüfung mit. Allerdings steht ein Beschluss der US-Wettbewerbshüter noch aus.

Erst vor einer Woche hatten Time Warner und EMI ihren Plan zum Zusammenschluss zum größten Musikkonzern der Welt zurückgezogen und damit den Weg zur Genehmigung der "großen Fusion" von AOL und Time Warner durch Brüssel geebnet.

Die Kommission sorgte sich besonders um den freien Wettbewerb im Musikgeschäft, denn Time Warner und Bertelsmann beherrschten zusammen ungefähr ein Drittel des europäischen Marktes für Musikverwertungsrechte. EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti erklärte, der Musikmarkt werde bereits von einigen großen Unternehmen bestimmt. Dominante Marktpositionen müssten auch in der so genannten New Economy verhindert werden: "Die Gefahr (einer Marktbeherrschung) ist jetzt gebannt."

Bis zu dem Ausstieg von Bertelsmann aus AOL Europe und dem französischen Gemeinschaftsunternehmen AOL Compuserve werde es Übergangsregelungen geben, damit die Beziehungen zwischen AOL und dem Gütersloher Konzern nicht zu eng werden.

"So wird AOL/Time Warner nichts unternehmen, was dazu führen könnte, dass die Bertelsmann- Musik im Internet nur über AOL zugänglich ist und so formatiert wird, dass sie sich nur noch mit der AOL-Player-Software abspielen lässt", schrieb die Kommission. Wettbewerbssorgen beim Breitband-Internetzugang und bei kostenpflichtigen TV-Programmen hielt Brüssel hingegen für unbegründet.

Die Fusion der Superlative könnte nach Beobachtereinschätzung die gesamte Medienbranche umwälzen, da klassische Zeitungs- und TV- Geschäfte mit dem Onlinegeschäft verbunden werden. AOL will nach früheren Angaben Time Warner im Zuge eines Aktientausches für 184 Milliarden Dollar (412 Milliarden Mark) übernehmen. (PC-WELT, 11.10.2000, dpa/ mp)

Time Warner und EMI fusionieren nicht (PC-WELT Online, 05.10.2000)

Zu viel Macht für AOL? (PC-WELT Online, 20.06.2000)

AOL und Time Warner fusionieren (PC-WELT Online, 10.01.2000)

0 Kommentare zu diesem Artikel
193938