Browservergleich

Internet Explorer 9 schlägt Firefox 12 und Chrome 19 beim Energiesparen

Montag, 06.08.2012 | 13:43 von Hans-Christian Dirscherl
Internet Explorer 9 schlägt Firefox 12 und Chrome 19 beim Energiesparen
Vergrößern Internet Explorer 9 schlägt Firefox 12 und Chrome 19 beim Energiesparen
© Microsoft
Wer den Internet Explorer 9 nutzt, schont die Umwelt. Das ist die Botschaft, die Microsoft heute verkündet. Basierend auf einem Test des TÜV Rheinland. Der hat jedoch einen Haken.
Der Internet Explorer 9 soll der aktuell energieeffizienteste Browser sein. „Dies ist das Ergebnis eines aktuellen Tests des TÜV, der den Energieverbrauch verschiedener Browser unter die Lupe nimmt. Als Testsieger verbraucht der Internet Explorer 9 demnach bis zu rund ein Viertel weniger Energie als seine Konkurrenten Mozilla Firefox und Google Chrome“, teilt Microsoft heute mit.

Aktueller Test mit alten Browsern

Allerdings hat die Sache einen schwer wiegenden Haken: Der TÜV Rheinland, der den Vergleichstest durchführte, verglich den Internet Explorer 9 nicht etwa mit dem aktuellen Firefox 14, sondern mit Firefox 12! Bei Opera zog der TÜV Version 11 zum Vergleich heran und nicht die aktuelle Version 12. Nur bei Apples Safari wurde die aktuelle Browserversion verwendet –zumindest teilweise. Denn für MacOS gibt es mit Safari 6 bereits eine neuere Version, Windows-Nutzer müssen dagegen Safari 5 verwenden - diese zog der TÜV für seinen Vergleich heran. Der TÜV begründet seine etwas merkwürdig erscheinende Browserauswahl damit, dass er die am "häufigsten verbreiteten Internetbrowser" testen wollte. Vergleicht man diese Aussage aber beispielsweise mit der Statistik von Webmasterpro, dann bekommt man Zweifel: Denn dort wird eindeutig Firefox 14 als der am weitesten verbreitete Browser geführt. Vor IE9 und IE8 und Chrome 20. Die von der Studie getesteten Browser Firefox 12 und Chrome 19 spielen in der Auswertung von Webmasterpro kaum eine Rolle.

Das Ergebnis im Detail

Der Test der TÜV Rheinland Energie und der Umwelt GmbH hat Internet Explorer 9, Mozilla Firefox 12, Safari 5 und Opera 11 „nach ihren energetischen Eigenschaften auf unterschiedlich leistungsstarken IT-Systemen aus dem Notebook- und Desktop-Bereich geprüft“. Das Test-Fazit: „In allen getesteten Szenarien wurde für den Internet Explorer 9 der geringste Energieverbrauch gemessen. Damit ist der Internet Explorer, im Rahmen der durchgeführten Tests, der energieeffizienteste Browser.“ Wie gesagt: Die neuen Version von Firefox und Opera (und Chrome – siehe unten) waren nicht Gegenstand dieses Tests.

Im Rahmen von repräsentativen Einsatzszenarien auf dem Betriebssystem Windows 7 analysierte der TÜV die Internetbrowser hinsichtlich ihres Energieverbrauchs auf HTML5-Seiten, bei der automatisierten Navigation zu den beliebtesten Webseiten Deutschlands und beim Abspielen von HTML5-Videos. In allen getesteten Szenarien war der Energieverbrauch des Internet Explorer 9 am geringsten, wie Microsoft betont.

Am deutlichsten sei die Energieersparnis beim Verbrauch des Internet Explorers 9 im HTML-5 Benchmark („FishIE Tank“), der mit 12,5 Watt um 27 Prozent geringer ist als der durchschnittliche Wert aller getesteten Browser. Bezieht man dieses beispielhaft auf alle Nutzer in Deutschland, die den Internet Explorer 9 auf Windows 7 verwenden, so entspricht das einer täglichen Energieersparnis von mehr als 76.000 kWh oder einer Menge von rund 15.000 Liter Benzin. Aber auch beim Abspielen von HTML5-Videos verbraucht der Internet Explorer 9 im Durchschnitt über ein Fünftel weniger Energie als seine – nicht mehr ganz aktuellen - Konkurrenten (-20,5 %).

Im Energieverbrauch schlägt der IE9 den veralteten Mozilla Firefox 12 in allen getesteten Szenarien. Insbesondere beim Aufrufen der Top20-Websites nach AGOF (bei fünf geöffneten Tabs) verbraucht der Internet Explorer 9 mit 4,7 Watt über ein Drittel weniger Energie (37,2%) als der Mozilla Firefox 12. Das entspricht einer täglichen Energieersparnis von über 75.000 kWh oder einem verhinderten Schadstoffausstoß von mehr als 45.000 kg CO2. Auch die energetischen Eigenschaften im Vergleich zum Google Chrome sind in allen Szenarien energieeffizienter. Bei der Darstellung von HTML5-Videos verbraucht der Internet Explorer 9 mit 3,3 Watt im Durchschnitt über ein Drittel weniger Energie (37,0%) als Google Chrome. Auch hier kann man täglich über 54.000 kWh sparen. Oder anders gesagt, mit der Menge an gesparter Energie könnten jährlich mehr als 16 Drei-Personen-Haushalte versorgt werden.

Chrome 19 statt Chrome 21 verwendet

Doch aufgepasst: Auch beim Vergleich IE vs Chrome zogen die TÜV-Prüfer eine alter Browser-Version heran: Nämlich Chrome 19! Aktuell ist Chrome 21.

Update 13.40 Uhr: Stellungnahme von Microsoft

PC-WELT hat sofort bei Microsoft nachgefragt, weshalb für die Studie veraltete Versionen von Firefox, Opera und Chrome zitiert werden. Die für Microsoft zuständige Presseagentur antwortete umgehend: Die Studie wurde im Mai und Juni 2012 mit den damals aktuellen IE-Konkurrenten durchgeführt. Die Auswertung und Ausarbeitung der Studie nahm aber geraume Zeit in Anspruch, so dass die Ergebnisse erst jetzt veröffentlicht werden konnten. 

Montag, 06.08.2012 | 13:43 von Hans-Christian Dirscherl
Kommentieren Kommentare zu diesem Artikel (15)
  • dnalor1968 20:15 | 28.09.2012

    Was heißt sparsamer? Der IE ist bei Windows automatisch mitinstalliert, ander Browser müssen zusätzlich installiert werden.

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  • f-w p 12:30 | 28.09.2012

    Enregievergleich Internet-Browser

    Wenn der Internetexplorer nicht sparsamer als die anderen Browser wäre, dann würde dass ja für MicroSoft heissen, dass das Betriebssystem den IE nicht optimal unterstützt (smile:, bzw. die anderen Browser nicht behindert.

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  • Il Tedesco 19:42 | 18.08.2012

    Nachdem ich meinen Lachkrampf fast nicht überstanden hätte, muß ich nun doch noch was dazu sagen. Was von der Seriosität des TÜV Rheinland zu halten ist, kann man ja nun ausreichend nachlesen. Da werden Prüfsiegel nach dem Gießkannenprinzip verteilt, ohne daß es jemals einen Test gegeben hätte usw. Da sind die Herrschaften ja schon desöfteren aufgeflogen. Aber wie war das nochmal: Der IE nutzt doch zum großen Teil Komponenten, die schon beim Systemstart von Windows geladen werden und damit bereits aktiv sind, oder? Wie haben denn die Experten des TÜV deren Stromverbrauch berechnet? Wie berechnet man denn den zusätzlichen Verbrauch durch längere Ladezeiten usw.? Und nicht zuletzt: Wieviel hat denn Kleinweich für diesen "Vergleich" bezahlt? Ernst nehmen kann man das ja nun wirklich nicht. Mich persönlich stört daran aber vor allem, daß PC-Welt diesen Schwachsinn doch weitgehend unkommentiert stehen läßt. Anstatt diesen Volksverdummungsversuch beim Namen zu nennen, werden da - wenn auch im Konjunktiv - noch die einzelnen "Testergebnisse" breitgetreten. Es gab mal Zeiten, da konnte die PC-Welt keine neue Software von Kleinweich mehr testen, weil sie deren Mist systematisch geprüft und auseinandergenommen hat. Wann wird diese Redaktion endlich wieder ihrer Aufgabe und Verantwortung gerecht?

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  • Joa 17:38 | 07.08.2012

    Sehr schön ausgedrückt von brzl! :spitze: Das erinnert mich an die ernstgemeinten (!) Versuche, den Energieverbrauch von Monitoren zu drücken, indem man Anwendungsoberflächen auf „Weiße Schrift vor schwarzem Hintergrund“ umstellt. Damit nicht so viel Licht verbraucht wird... Hätte man den InternetExplorer gegen einen Firefox mit AdBlockPlus (Werbeblocker-AddOn) getestet, dann hätte das entlarvt, wie viel Energie für die Werbeflut draufgeht.

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  • brzl 09:51 | 07.08.2012

    Spitzfindig

    Auf der einen Seite liest man in der PC Welt Artikel, in denen beschrieben wird, wie man einen PC am morgen automatisch aufstarten lassen kann, damit der Rechner schon läuft, wenn man das Büro betritt und man keine ach so wertvolle Zeit beim Warten auf das Starten verliert- Der Preis: Die ganze NachtStandby-Betrieb. PC Welt schreibt Artikel um Artikel, wie man seinen Rechner übertaktet. (Verlustleistung ist proportional zur Taktfrequenz) PC Welt stellt immer wieder energiefressende Höllenmaschinen vor.. etc etc... Und dann fängt man an, den geschätzten Energieverbrauch von Browsern zu vergleichen Den PC und Peripherie abschalten und mit geeigneten Mitteln Standby-Verbrauch abschalten, wenn man ihn mehr als eine halbe Stunde nicht braucht, mit dem Austausch ein Jahr länger warten (graue Energie), auf Papier drucken, nur wenn nötig, für Entwürfe Rückseite von von überholten Ausdrucken verwendet, das bringt etwas. Die Mückenzählerei mit Browservergleichen ist eine unnütze Spielerei, etwa so, wie wenn der Sahib sich überlegt, ob er Heu sparen kann, wenn er einen leichteren Elefantentreiber anstellt.

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