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IE 8.0 Beta 2 sendet User-Daten an Microsoft

11.09.2008 | 10:03 Uhr |

Nach Google Chrome gerät nun auch Microsofts Internet Explorer 8 in die Kritik. Der IE zeichnet seit der Beta 2 ähnlich wie Chrome Eingaben des Anwenders auf und sendet sie an den Hersteller.

Microsoft hat im Internet Explorer 8 Beta 2 eine Funktion eingebaut, die die Eingaben des Anwenders in der Adresszeile aufzeichnet und zu Microsoft-Servern sendet, um dem Anwender zum eingegebenen Begriff passende Websites vorzuschlagen.

Microsoft hat die Datenschutzbestimmungen zum Internet Explorer 8 mit Veröffentlichung der Beta 2 geändert und weist mittlerweile unter "Suggested Sites" ("Vorgeschlagene Sites") auf die im Browser enthaltene Funktion hin. Die Funktion, so heißt es, sende die Adressen besuchter Sites und andere Informationen an die Server von Microsoft. Ein Anwender, so wird allerdings betont, müsse diese Funktion aber einschalten, ehe sie aktiv wird. Standardmäßig ist diese Funktion abgeschaltet.

Auch in Chrome hat Google eine solche Funktion eingebaut: Eingaben in der Chrome-Adresszeile werden ebenfalls an den Browser-Hersteller gesendet. Das sorgte für Kritik, denn die Daten wurden nicht anonymisiert übermittelt. Google hatte nach Kritik durch Datenschützer versprochen, die durch die Funktion empfangenen Daten zu anonymisieren, nur maximal 24 Stunden aufzuheben und anschließend zu löschen.

Den Datenschutzbestimmungen von Microsoft ist dagegen nicht zu entnehmen, wie lange die von den Anwendern gesendeten Daten aufgehoben werden und ob die empfangenen Daten anonymisiert werden. Dafür gibt Microsoft genauere Details darüber, welche Informationen genau gesendet werden, sobald die "Vorgeschlagene Sites"-Funktion eingeschaltet wird: Dazu zählen neben der eingegebenen Adresse auch die IP-Adresse des Rechners, die genaue Version des Browsers, Regional- und Spracheinstellungen. Hinzu kommen der Zeitpunkt, wann eine Seite besucht wurde, über welche Seite der Anwender auf die Zielseite gelandet ist und wie lange der Anwender sich auf der Zielseite aufgehalten hat.

"Diese Informationen", so heißt es in den Erläuterungen von Microsoft, "werden dazu genutzt, um ihre (Browser-)Erfahrung zu personalisieren und die Qualität unseres Produktes und des Dienstes zu verbessern." Zusätzlich fügt Microsoft hinzu: "Microsoft wird keine der gesammelten Informationen dazu nutzen, um Sie zu identifizieren, mit Ihnen in Kontakt zu treten oder Sie mit Werbung anzusprechen."

Alissa Cooper vom Center for Democracy and Technology hatte Anfang der Woche bereits Google Chrome kritisiert, weil es Daten der Anwender sammelt und kritisiert nun auch die im Internet Explorer 8 enthaltene Funktion. "Die Sachen, die Sie eingeben, wenn Sie etwas suchen, gehen zurück an den Provider und können sehr tief blicken lassen", so Cooper. Die meisten Anwender würden dies auch wissen, aber sowohl Google Chrome als auch der Internet Explorer 8 würden weiter gehen, als bisher, weil sie nicht nur Suchabfragen aufzeichnen, sondern alle Eingaben, die der Anwender in der Adresszeile macht. Das führe dazu, dass der Browser-Hersteller noch mehr Dinge über den Anwender erfahren könne. Cooper hält Microsoft zugute, dass die Funktion nicht standardmäßig aktiviert ist, wie es bei Google Chrome der Fall ist. "Das macht einen enormen Unterschied. Nicht viele Leute machen sich daran, den Browser zu tweaken."

Sobald die Beta 2 vom Internet Explorer 8 installiert worden ist, erscheint dem Anwender ein Fenster, in dem er gefragt wird: "Möchten Sie auf Websites hingewiesen werden, deren Inhalte Sie interessieren könnten (basierend auf den von Ihnen besuchten Websites)?" Hinzu kommt ein Link, der zu den Datenschutzbestimmungen des Browsers führt. Ist die Funktion einmal eingeschaltet, dann kann sie über das Tools-Menü wieder deaktiviert werden.

Microsoft weist außerdem darauf hin, dass auch einzelne Einträge aus dem Verlauf jederzeit gelöscht werden können, die dann auch nicht bei der Ermittlung von Website-Vorschlägen berücksichtigt werden. Microsoft räumt sich aber das Recht ein, die aus dem Verlauf gelöschten Daten für eine begrenzte Zeit aufzuheben, um "das Produkt und den Dienst zu verbessern", wie es auch hier heißt.

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