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Breitbandbelastung: Britische ISPs wettern gegen Multimedia-Player der BBC

13.08.2007 | 17:12 Uhr |

Bereits vor einiger Zeit hat der britische Sender BBC seinen Multimedia-Player iPlayer in einer Beta-Version veröffentlicht. Der Player erlaubt den Zugriff auf sowie den Download von BBC-Videos der vergangenen sieben Tage. Dabei werden die Datenpakete im Peer-to-Peer-Verfahren heruntergeladen. Offenbar ist der Player bei den Anwendern recht beliebt, denn verschiedene Internet Service Provider mokieren sich bereits über steigenden Bedarf an Bandbreite und den damit verbundenen, steigenden Kosten.

Wann ist eine Flatrate eine Flatrate? Und wann ist der damit verbundene Traffic noch in Ordnung? Zumindest aus Sicht des Internet Service Providers (ISP)? In England ist diese Frage mal wieder auf den Tisch gekommen, ausgelöst durch den Multimedia-Player iPlayer der BBC . Dieser ist seit einiger Zeit in einer Beta-Version verfügbar und erlaubt britischen Anwendern den Empfang und den Download von BBC-Inhalten der vergangenen sieben Tage. 30 Tage nach dem Download werden die Videos automatisch gelöscht.

So weit so gut, doch um die Performance bei der Übertragung der Videos zu erhöhen - und wohl auch, um die eigenen Server zu entlasten - erfolgt die Datenübertragung beim iPlayer über Peer-to-Peer-Technologie. Nutzer des iPlayers können also Teile von Videos über andere Nutzer herunterladen, die das Video bereits auf ihrer Festplatte haben. Je erfolgreicher ein solcher Dienst aber ist, desto höher wird die dafür benötigte Bandbreite, die in diesem Fall aber nicht die BBC zahlen muss. Und in der Regel auch nicht die Anwender, wenn sie eine Flatrate im Einsatz haben. Sehr wohl zu spüren bekommen es aber die ISPs, wenn ihre Flatrate-Kunden auf einmal sehr viel mehr Traffic-Volumen verbrauchen, als in der monatlichen Gebühr eingepreist wurde. Genau dies ist nun in England der Fall. Die ISPs fürchten, dass der iPlayer ihre Netzwerke höher belasten könnte, als gewünscht, so ein Bericht des IDG News Service.

Tiscali UK erklärte dazu, dass Angebote wie der iPlayer und andere Videodienste "ohne Rücksicht auf die Klärung der Übertragungskosten veröffentlicht werden." Weiter heißt es in einem Statement, dass die Erhöhung der Bandbreite auf Netzwerkseite die Betreiber mehr Geld kosten würde. Die British Telecom gibt sich zurückhaltend und erklärte lediglich, dass der iPlayer und andere Videodienste "in die Entscheidungen hinsichtlich Bandbreite und Service-Qualität einfließen werden."

Damit ist letztlich nichts anderes gemeint, als dass ISPs künftig überlegen könnten, bestimmten Traffic vorrangig zu übertragen, was unter dem unschuldigen Begriff "traffic shaping" daher kommt. Tiscali setzt bereits derartige Techniken ein. So wird VoIP-Verkehr bevorzugt behandelt, damit die Qualität von Sprachverbindungen auch bei starker Netzauslastung nicht leiden. P2P-Traffic würde laut Tiscali zu solchen Spitzenzeiten limitiert aber nicht begrenzt - in dieselbe Kategorie würde demnach künftig auch der iPlayer fallen.

Der BBC ist die Diskussion derzeit im Grunde recht egal, man übt sich in britischer Gelassenheit: "Zwangsläufig wird es so sein, dass einige ISP-Tarife besser für den Download großer Datenmengen passen werden, als andere", so der Sender.

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