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YouTube in der finanziellen Krise

13.04.2009 | 15:53 Uhr |

Die Google-Videoplattform YouTube hat derzeit mit starkem Gegenwind zu kämpfen. Nachdem die Plattform in den vergangenen Wochen in Lizenzgebühr-Streitigkeiten mit Verwertungsgesellschaften in Großbritannien und Deutschland geraten war, zeichnen nun Analysten ein düsteres Bild für die Zukunft von YouTube. Wie US-Medien berichten, prognostizieren Hochrechnungen der Credit Suisse dem Videoportal für dieses Jahr einen Verlust von rund 470 Mio. Dollar. Google selbst hat bislang keine finanziellen Details zu YouTube genannt und bemüht sich insgesamt um Geheimhaltung von Zahlen zu einzelnen Unternehmensbereichen. "Wir äußern uns grundsätzlich in keine Richtung zu solchen Spekulationen und Prognosen", sagt auch Stefan Keuchel, Sprecher Google Deutschland, auf Nachfrage von pressetext.

Glaubt man den Analystenprognosen kann die Plattform jedoch trotz seiner immensen Popularität nicht finanziell profitieren. Laut Credit-Suisse-Analyst Spencer Wang gründet sich der wirtschaftliche Misserfolg der Videoseite in erster Linie darauf, dass das Anzeigengeschäft nicht richtig in Schwung kommt. Dabei habe das schwache Werbegeschäft auf YouTube wenig mit der derzeitigen Rezession zu tun, sondern vielmehr damit, dass nutzergenerierte Inhalte als Werbeumfeld nicht besonders attraktiv seien, meint Wang. Die jüngsten Copyright-Debatten und gescheiterten Lizenzverhandlungen mit den Rechteinhabern hätten die Probleme der Videoplattform noch verschärft.

Die Umsatzprognose für YouTube fällt mit etwa 240,9 Mio. Dollar zwar durchaus positiv aus. Allerdings wird auch mit Kosten in der Höhe von bis zu 613 Mio. Dollar gerechnet. Dadurch käme YouTube auf ein Ergebnis im Minus-Bereich. Bei Credit Suisse gehen die Analysten sogar davon aus, dass die Videoplattform ihren Mutterkonzern Google etwas mit nach unten ziehen könnte. Daher korrigerte Wang gar die Gewinnprognose des Internetkonzerns von 4,83 auf 4,68 Dollar pro Aktie.

Allerdings steht YouTube mit seinem zu schwachen Werbeanzeigengeschäft nicht alleine da. Auch die vor allem in den USA populäre Videoseite Hulu hat Mühe, ihre Beliebtheit in Geld zu verwandeln. Auch Hulu verkauft zu wenige Werbeflächen und kann nicht die ganz großen Kunden an Land ziehen. In Zukunft müssen sich die Videoplattformen jedenfalls überlegen, ob die Online-Werbevermarktung tatsächlich den richtigen bzw. sichersten Weg zum Überleben bietet. (pte)

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