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Medienhäuser schrauben Web-Investments zurück

16.08.2009 | 16:35 Uhr |

Deutsche Verlage und TV-Unternehmen schrauben ihre Investments im Online-Geschäft zum Teil deutlich zurück. Zu diesem Schluss kommt eine von der Strategieberatungsfirma OC&C durchgeführte Studie, bei der die im laufenden Jahr bislang getätigten Webaktivitäten deutscher Medienhäuser untersucht wurden. Demnach sind in diesem Jahr nur 16 Zukäufe getätigt worden, im Vorjahr waren es insgesamt noch 98.

"Für die Zurückhaltung der Unternehmen gibt es mehrere Gründe: Der Markt ist relativ gesättigt und die einzelnen Beteiligungsfelder sind weitgehend begrenzt. Zudem sind neue, vielversprechende Geschäftsmodelle derzeit Mangelware", erklärt OC&C -Partner Michael Rzesnitzek die aktuelle Branchenlage.

Ein Blick in die Portfolios der Unternehmen Axel Springer, Hubert Burda, Gruner + Jahr, Georg von Holtzbrinck, The Media Lab, Du Mont Schauberg und die ProSiebenSat.1 Media AG ergab, dass die Medienhäuser seit dem Vorjahr 34 Beteiligungen veräußert oder eingestellt haben. Gleichzeitig wurden aber 50 neue Beteiligungen zugekauft, das ergibt die zuvor schon erwähnte, bereinigte Zukaufsanzahl von 16. Insgesamt verfügen die untersuchten Konzerne momentan über insgesamt 238 Beteiligungen im Online-Geschäft. Besonders bei jenen Online-Aktivitäten, die sich nicht auf eine bereits etablierte Print- oder Verlagsmarke beziehen, seien die Beteiligungen im Vergleich zu 2008 stark rückläufig, berichtet OC&C.

Als Grund für die momentan eher zurückhaltenden Beteiligungsaktivitäten der Medienhäuser wird der wachsende wirtschaftliche Druck aufgrund des kriselnden Werbemarkts angegeben. Verlage und TV-Sender hätten demnach ihren Fokus vom Expansionsgeschäft abgewandt und würden sich momentan eher auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. Eine starke Position im Online-Segment einzunehmen, gilt aber in der Branche nach wie vor als strategisches Muss.

Eine Möglichkeit für Medienunternehmen, Online-Investitionen in bare Münze umzuwandeln, ist das derzeit heftig diskutierte Paid-Content-Modell. Die Studie von OC&C ließ jedoch nur eine geringe Bereitschaft unter den Nutzern erkennen, für ihren Medienkonsum im Web zu bezahlen. Eher vielversprechend sei es, auf Community- und Zielgruppen-Angebote wie zum Beispiel Springer mit dem Fußball-Portal Transfermarkt.de zu setzen. (pte)

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