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IT-Outsourcing weniger lukrativ als gedacht

18.04.2009 | 15:32 Uhr |

Zahlreiche Unternehmen überschätzen die Einsparungspotenziale von IT-Outsourcing. Einer Studie der Beraterfirma Compass Management Consulting zufolge bringen übereilte Auslagerungen von zentralen Funktionen und Kernprozessen ein hohes Risiko mit sich. Ersparnisse bei Personalkosten werden oftmals durch Produktivitätsverluste neutralisiert, berichtet PC World. Outsourcing im Bereich Informationstechnologie ist demnach kein Selbstläufer zur Senkung der Produktionskosten.

IT-Outsourcing ist kein Allheilmittel, bleibt aber für Unternehmen ein wichtiges Instrument zur Kostenreduktion", sagt hingegen Matthias Kraus, Research Analyst von IDC Central Europe , im Gespräch mit pressetext. Das Segment IT-Outsourcing sei generell in geringerem Ausmaß von der Wirtschaftskrise betroffen. Der Markt für IT-Outsourcing sei sowohl auf Anbieter- als auch auf Kundenseite inzwischen reifer und die Wirtschaftskrise führe zu fallenden Preisen, so Kraus weiter. Langfristig gehe die Entwicklung in Richtung von Dynamic Services, also der variablen Bereitstellung von IT-Resourcen und Leistungen. Die Anbieter von Outsourcing müssten nicht unbedingt außer Landes operieren. "Die Entscheidung, ob Outsourcing-Anbieter Dienstleistungen mit Arbeitskraft aus klassischen Offshoring-Regionen erbringen, hängt von den Kapazitäten des Anbieters und der jeweiligen Kundensituation ab", sagt Kraus.

Die Wirtschaftsrezession zwingt Firmen weltweit zu weiteren Kostenreduktionen. "Eine geeignete Maßnahme in wirtschaftlich unruhigen Zeiten ist das partielle IT-Outsourcing von Serviceleistungen, Businesssoftware und IT-Infrastruktur. Der Outsourcing-Markt verhält sich traditionell antizyklisch zur Gesamtwirtschaft", heißt es auch von Seiten der Unysis Corporation . Die Anbieter profitierten vom Bedürfnis der Anwender, ihre Flexibilität zu erhöhen und Fixkosten senken zu wollen. Der konjunkturelle Abschwung wirke für das Geschäft eher als Beschleuniger.

Business-Process-Outsourcing (BPO), also die Auslagerung ganzer Geschäftsprozesse, betrifft vornehmlich große Konzerne in der Banken-, Versicherungs-, Pharma- oder Automobilindustrie. Ausgegründete IT-Abteilungen großer Konzerne werden auf lange Sicht jedoch nicht selbstständig überleben, weil Mutterkonzerne meist von vornherein einen Verkauf der auszulagernden Departements intendieren, analysiert Deutsche Bank Research. BPO steckt in Deutschland nicht mehr in den Kinderschuhen. Die größte Überlebenswahrscheinlichkeit am deutschen Markt für IT-Outsourcing wird international operierenden Anbietern zugesprochen.

Die Rahmenbedingungen für Ausgründungen verändern sich auch in geographischer Hinsicht. Die "Beyond the BRIC-Studie" der London School of Economics stützt sich auf die Auswertung von über 1.000 weltweiten Studien zu IT, Business Process Outsourcing (BPO) und Offshoring aus den Jahren 1993 bis 2009. "Ägypten belegt in unserer Analyse die Spitzenposition bei der Kostenbetrachtung, dem Qualitätsniveau sowie dem zu erwartenden Marktpotenzial", sagt Professor Leslie Willcocks, Leiter der Studie an der London School of Economics. Insbesondere für den englischen Sprachraum wird ein Trend von klassischen Offshoring-Standorten wie Indien hin zu neuen Märkten wie Ägypten, Kenia, den Philippinnen oder Costa Rica nachgezeichnet. (pte)

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