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Forscher steuern und sezieren Malware-Netzwerk

05.05.2009 | 16:50 Uhr |

Amerikanische Forscher haben für zehn Tage die Kontrolle über ein wohl-bekanntes Botnet übernommen, um die Methoden der Online-Kriminellen zu studieren. Sie hatten dabei Zugriff auf mehr als 180.000 Zombie-PCs.

Forscher der Universität von Kalifornien in Santa Barbara haben zu Studienzwecken ein Botnet übernommen, das zu den bekannteren Vertretern seiner Art zählt. Die Bot-Malware ist als "Torpig" oder auch "Sinowal" bekannt. Die Forscher hatten zehn Tage lang die Kontrolle über das Botnet, dann haben dessen Betreiber die Kontrollstrukturen geändert. In dieser Zeit hat das Botnet etwa 70 GB an gestohlenen Daten angehäuft.

Die Torpig-Bots gehören zu den besser ausgeklügelten Schädlingen ihrer Art. Sie benutzen Windows-Rootkits als Tarnkappen und stehlen Daten wie etwa Mail-Passwörter und Bankkontodaten. Auf den über 180.000 gekaperten Rechnern des Botnets, auf das die Forscher Zugriff hatten, sind allein in zehn Tagen 70 GB an Daten ausspioniert worden. Die Forscher haben diese Daten gespeichert und arbeiten nun mit dem FBI, Internet-Providern und sogar dem US-Verteidigungsministerium, um die Opfer zu informieren.

Wie sich bei der Analyse des Botnet heraus gestellt hat, werden die Rechner mit Torpig/Sinowal verseucht, nachdem sie sich zunächst den Schädling "Mebroot", auch als "MBR-Rootkit" bekannt, eingefangen haben. Die Bot-Software kann dann als so genannter Drive-by Download auf den PC gelangen.

Torpig/Sinowal spioniert die Passwörter in gängigen Mail-Programmen aus und sammelt auch Mail-Adressen. Außerdem kann es dem Browser des Benutzers beim Besuch einer Banken-Website ein manipuliertes Anmeldeformular unter schieben. Die darin eingetragenen Anmeldedaten fürs Online-Banking werden dann an die Online-Kriminellen übermittelt, die das Botnet kontrollieren. Torpig kennt die Websites von über 300 Geldinstituten, darunter auch Paypal sowie etliche europäische Banken. Auch Kreditkartendaten werden ausspioniert.

Die Forscher haben unter anderem festgestellt, dass die meisten Besitzer von Zombie-Rechnern sehr unvorsichtig sind. Das heißt, sie installieren weder Sicherheits-Updates noch Virenscanner und verwenden leicht zu erratene Passwörter. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse unter dem Titel " Your Botnet is My Botnet: Analysis of a Botnet Takeover " veröffentlicht.

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