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Nachfrage nach Gold lässt Preise steigen

08.10.2008 | 15:55 Uhr |

Die Furcht vor einer weltweiten Rezession sowie die massiven Kurseinbrüche an den internationalen Börsen treibt die Anleger scharenweise zu Gold. Das Edelmetall wird knapp, für Goldbarren gibt es Lieferzeiten von bis zu vier Wochen.

Wie die Financial Times Deutschland berichtet, nehmen Goldhändler in der Bundesrepublik angesichts des Ansturms inzwischen keine Bestellungen mehr entgegen. So brauchen Käufer derzeit vor allem Geduld, um den wertvollen Rohstoff zu ordern. "Die Anfrage übersteigt bei weitem unsere Kapazitäten", wird der Leiter der Berliner Filiale des Edelmetall-Händlers Pro Aurum, Heiko Ganß, von der Berliner Zeitung zitiert. Zu einer ganz ähnlichen Einschätzung gelangt auch Ariane Lang, Kundenberaterin und Goldspezialistin bei der Sparkasse Einbeck: "Die Nachfrage nach Gold boomt derzeit ungebrochen. Sowohl Münzen als auch Barren halten sich die Waage. Kunden investieren ab 50 bis 100 Euro, nach oben hin sind jedoch keine Grenzen gesetzt." Die Verknappung zeichnet sich aber nicht nur vereinzelt, sondern inzwischen bundesweit bei Banken und Goldlieferanten ab.

Vor allem Goldbarren scheinen bei den Anlegern derzeit hoch im Kurs zu stehen. So beträgt die Lieferzeit für Goldbarren gegenwärtig zwischen zwei Wochen und einem Monat. Der Run auf das Edelmetall hat sogar dazu geführt, dass die Nachfrage rund zehnmal so hoch ist, wie zu normalen Zeiten. Dies macht sich vor allem bei den anziehenden Goldpreisen bemerkbar. "Zu Jahresbeginn lag der Goldpreis schon einmal recht hoch. Danach gab es einen kleinen Einbruch, der aufgrund der immensen Nachfrage inzwischen aber zu einem kontinuierlichen Preisanstieg geführt hat", so Lang weiter. Von der Entwicklung profitieren laut der Expertin vor allem die Förderländer Afrika und Australien. Der Nachfrageboom bestätigt sich mit einem Blick auf die Preise. So verteuerte sich die Feinunze Gold, die 31 Gramm ausmacht, zuletzt um drei Prozent auf 881,30 Dollar. Allerdings sollte berücksichtigt werden, dass dieser Preis vom letzten Hoch von mehr als 1.000 Dollar im März dieses Jahres entfernt ist.

Hintergrund für die Goldeuphorie ist das jüngste Szenario an den internationalen Börsen. Allein an der Tokioter Börse musste der schlimmste Absturz in der Geschichte registriert werden. Der Nikkei fiel heute, Mittwoch, zu Börsenschluss um neun Prozent. Damit erlebte die asiatische Börse ihren schlimmsten Tag seit dem "schwarzen Montag" im Jahr 1987. Damals war der Nikkei-Index bis zum Ende des Handelstages um 14,9 Prozent gefallen. Auch die Moskauer Börse bekam die Auswirkungen der Finanzkrise zu spüren und setzte den Aktienindex Micex bis kommenden Freitag vom Handel aus. In den ersten 35 Minuten fiel das Börsenbarometer um 14,35 Prozent in den Keller. Auch der Dax hat die Anfangsverluste ausgebaut und fiel um mehr als 4,5 Prozent. Da die Anleger derzeit massenweise ihre Papiere abstoßen und in vermeintlich sichere Rohstoffe wie Gold investieren, werden Münzen und Barren bei deutschen Händlern zunehmend knapp. (pte)

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