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Deutsche Forscher knacken HDCP-Kopierschutz

25.11.2011 | 10:37 Uhr |

Intels eingeführter HDCP-Verschlüsselungsschutz wurde nun von deutschen Wissenschaftlern umgangen. Und das trotz aller Behauptungen, dass es nur mit extrem teurer Hardware möglich sei.

Die Arbeitsgruppe „Sichere Hardware“ der Ruhr-Universität Bochum hat das Schutzsystem HDCP (High-bandwidth Digital Content Protection) von Intel geknackt. Gelungen ist dies den Forschern laut eigenen Angaben über einen sogenannten „Man-in-the-Middle“-Angriff mit einer selbst entwickelten Hardware. Intel hatte 2010 noch behauptet, dass ein bereits veröffentlichter HDCP-Master-Key zur Entschlüsselung sich nur mit überaus teurer und komplexer Hardware nutzen ließe.

HDCP mit günstiger Hardware gehackt

HDCP kommt als Abspielschutz bei vielen digitalen Geräten vor. Ein typisches Szenario ist die Verschlüsselung des digitalen Signals einer Blu-ray zwischen den Schnittstellen, also zwischen Blu-ray-Player und Fernseher. Ein Mitschneiden oder Aufnehmen von Filmen soll mittels HDCP verhindert werden.

Um Intels Aussage von 2010 zu revidieren, entwickelten die Wissenschaftler eine eigene Hardware auf Basis einer FPGA-Platte (Field-Programmable Gate Arrays). Auf diese Weise war es ihnen möglich, die verschlüsselten Signale abzugreifen und zu entschlüsseln, um sie dann auf einem nicht HDCP-zertifizierten Player oder Fernseher auszugeben. Die Materialkosten beliefen sich dabei auf etwa 200 Euro.

Der leitende Professor Tim Güneysu betont, dass er und sein Diplomand Benno Lomb keine Wege gesucht haben, um Raubkopien zu ermöglichen. Vielmehr wollten sie die Grundlagen des Sicherheitsschutzes untersuchen und den finanziellen Aufwand messen, mit dem das HDCP-System geknackt werden kann. Der Professor führt weiter aus, dass die geringen Materialkosten definitiv nicht für die Sicherheit des aktuellen HDCP-Systems sprechen.

In der Praxis lohnt sich diese Methode wohl nicht für Raubkopierer, da es mittlerweile einfachere Alternativen gibt. Die wahre Bedrohung sieht die Arbeitsgruppe jedoch beim Einsatz des HDCP-Schutzes in Bereichen der Sicherheit von Behörden oder des Militärs. Zwar bietet Intel mit HDCP 2.0 eine neue Version an, aber aufgrund der Abwärtskompatibilität zum Vorgänger bleibt die Sicherheitslücke weiterhin offen.

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