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Chinesen attackieren taiwanesische DVD-Hersteller

05.03.2008 | 13:39 Uhr |

Führende chinesische DVD-Hersteller haben aufgrund des Marktrückzugs Toshibas aus dem HD-DVD-Geschäft reagiert und ihre Produktionsstätten auf das Blu-ray-Format umgestellt - in der Hoffnung, dass die Nachfrage anzieht.

Einem Anlagen-Ausrüster zufolge wollen modernst ausgestattete Fabriken im Reich der Mitte noch in der ersten Hälfte des laufenden Geschäftsjahres mit der Massenproduktion des DVD-Nachfolgeformats beginnen, berichtet das asiatische Branchenportal "DigiTimes" unter Berufung auf Industriekreise. Angesichts des chinesischen Vorstoßes gehen Brancheninsider mittlerweile sogar davon aus, dass taiwanesische Produzenten im Hinblick auf ihre Blu-ray-Investitionen ins Hintertreffen geraten könnten. Ersten Erkenntnissen zufolge soll es sich bei einem der aktiven chinesischen Unternehmen um China Hualu Panasonic AVC Networks handeln. Das chinesische Joint-Venture-Unternehmen zwischen der im Staatsbesitz befindlichen China Hualu Group und der japanischen Matsushita Electric Industrial besitze mit dieser offensiven Taktik einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil, der sich zudem gewinnbringend für den Standort China auswirkt, meinen Insider. Obwohl taiwanesische Speichermedien-Hersteller wie CMC Magnetics oder Ritek zwar jetzt schon in der Lage sind, ein- sowie mehrfach beschreibbare Blu-ray-Disks herzustellen, habe man noch nicht auf eine Massenproduktion umgestellt, zitiert DigiTimes einen Industrieinformanten.

Die taiwanesischen Hersteller des DVD-Nachfolgeformats begründen ihre konservative Investitionspolitik indes mit Bedenken über möglicherweise hohe Gebührenaufwendungen. Zudem lägen die Hauptsorgen nach wie vor darin begründet, dass derzeit noch offen sei, ob der Blu-ray-Markt tatsächlich die nächsten zwei bis drei Jahre wachsen wird. "Singulus Technologies hat bereits massiv vom Richtungswechsel auf Blu-ray profitiert. Insofern gehe fest ich davon aus, dass sich dieses Medium langfristig durchsetzen wird. Dass die Chinesen allerdings eine führende Rolle beanspruchen, ist mir bislang neu", heißt es aus Analystenkreisen gegenüber pressetext. CMC-Magnetics-Präsident Robert Wong beabsichtigt hingegen eine Kooperation mit der taiwanesischen Regierung.

Ziel dieser Zusammenarbeit sei es, eine für Blu-ray betreuende Intellectual-Property-Gesellschaft aufzubauen, die sich für die Belange des DVD-Nachfolgeformats einsetzt. Solange eine solche Institution jedoch noch nicht besteht, wolle man in Taiwan jedenfalls abwarten, heißt es. Die Zurückhaltung der taiwanesischen Hersteller sehen Insider auch in der Markteinschätzung des Speichermedium-Unternehmens Gigastorage . Demnach sei die Nachfrage nach beschreibbaren Blu-ray-Disks noch so klein, dass japanische Firmen und Ritek genug Produktionskapazitäten besäßen, um die gegenwärtige Nachfrage zu stillen. Angesichts dieser Ausgangslage mache es für Unternehmen wie Gigastorage derzeit kaum Sinn, den Ausbau der Produktionsstätten für Blu-ray-Rohlinge voranzutreiben. (pte)

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