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Bleibt Siemens auf Enterprise Networks sitzen?

22.11.2006 | 12:54 Uhr |

Angeblich sind die Verhandlungen über einen Verkauf des verlustreichen Ausrüsters von Unternehmensnetzen geplatzt.

Die Netzwerksparte Enterprise Networks von Siemens erweist sich - ähnlich wie SBS - allmählich als Ladenhüter. Konzernchef Klaus Kleinfeld hatte schon vor Monaten angekündigt, die defizitäre Sparte bis Jahresende entweder verkaufen oder in ein Joint Venture einbringen zu wollen. Zuvor hatten die Münchner bereits ihr Carrier-Geschäft in ein Gemeinschaftsunternehmen mit Nokia untergebracht. Auf der Jahrespressekonferenz am 9. November musste Kleinfeld jedoch einräumen, dass kein Käufer in Sicht sei.

Wie nun die "Financial Times Deutschland" berichtet, hat Siemens bereits vor zwei Wochen entsprechende Verhandlungen mit dem letzten Interessenten, einem Konsortium aus den Beteiligungsgesellschaften Permira und Apollo Management, abgebrochen. Kleinfeld habe nach dem öffentlichen Protest auf die der Pleite der deutschen Benq-Handysparte kalte Füße bekommen, so die Erklärung. Die Investoren sollen ähnlich wie der taiwanische Konzern einen dreistelligen Millionenbetrag als Mitgift sowie eine Liquiditätsgarantie gefordert haben. Wettbewerber wie Avaya und Nortel seien bereits zuvor auf Distanz gegangen. Netzwerkprimus Cisco befinde sich laut FTD-Bericht in einer Beobachterposition, werde jedoch kaum ein Gebot abgeben.

Nach Aussagen von Siemens verhandelt der Konzern jedoch weiter über einen Verkauf seiner Unternehmensnetzsparte. Derzeit gebe es Gespräche mit mehreren Interessenten, erklärte ein Sprecher am Dienstag in München. Dabei gehe es um einen Verkauf oder eine Beteiligung an der Sparte. Daneben arbeite Siemens an der Neuausrichtung des Geschäfts, um die Produktivität zu steigern.

Bislang schlagen diese Bemühungen jedoch weitgehend ins Leere. So schrumpfte der Umsatz im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr 2005/06 um 3,5 Prozent auf 3,34 Milliarden Euro. Gleichzeitig weitete sich der operative Verlust: Er betrug nach Schätzungen von Marktbeobachtern rund 300 Millionen Euro.

Der 16.000 Mitarbeiter starke Bereich Enterprise Networks ist das letzte Überbleibsel der einst größten Siemens-Sparte Communications. So bringt der Elektronikkonzern das Geschäft mit Festnetz- und Mobilfunkausrüstung (Carrier Networks) zum Jahresende in ein Gemeinschaftsunternehmen mit Nokia ein (Nokia Siemens Networks), das Segment Wireless Moduls wurde in die Automatisierungsparte A&D integriert. Die Handy-Sparte hatte Kleinfeld bereits 2005 mit einer Mitgift von 413 Millionen Euro Benq überlassen - mit den bekannten Konsequenzen. (mb)

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