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Bitkom-Studie unterstützt Telekom-Drosselung

30.04.2013 | 09:53 Uhr |

Die Umsätze sind rückläufig, die nötigen Investitionen steigen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Bitkom-Studie. Dem Telekom-Chef dürfte die Studie sehr gelegen kommen.

Wie Bitkom in einer Studie herausgefunden hat, schrumpfen die Umsätze in der Festnetz-Kommunikation (also auf dem Telefon- und DSL-Markt) 2013 deutlich. Wurden in Deutschland im Jahr 2005 noch 31 Milliarden Euro umgesetzt, sollen es dieses Jahr nur noch 24,6 Milliarden sein. Das entspricht einem Rückgang von über 20 Prozent seit 2005. Im Vergleich zum Vorjahr soll das Umsatzvolumen um 2 Prozent schrumpfen. „Die Netzbetreiber haben seit 2005 mehr als 6 Milliarden Euro Jahresumsatz verloren“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. „Diese Mittel fehlen nun für dringend benötigte Investitionen in den weiteren Ausbau der Breitbandnetze." Für die Versorgung Deutschlands mit einer Glasfaserinfrastruktur seien Investitionen von etwa 80 Milliarden Euro nötig.

Auch die Telekom stößt in der aktuellen Debatte um die DSL-Drosselung in dieses Horn. Telekom-Chef René Obermann verteidigt die Pläne unter anderem mit dem Hinweis auf Milliardeninvestitionen im DSL-Sektor. Für die Telekom ist der Zeitpunkt der veröffentlichten Studie überaus günstig.

Den Schuldigen für die Umsatz-Misere sieht Bitkom im scharfen Preiswettbewerb. Kunden würden heute weniger als 3 Prozent des Preises zahlen, den sie vor der Liberalisierung gezahlt hätten. Überseegespräche würden sogar unter 1 Prozent des ehemaligen Preises ausmachen. Und schon ab 20 Euro gebe es Telefon-Flatrates, die auch den Internetzugang beinhalten. Rohleder: „Keine andere Branche hat ihre Preise ähnlich stark gesenkt wie die Telekommunikation. Gleichzeitig wurden mehr als 100 Milliarden Euro in die Netze investiert und die Leistungen für die Kunden vervielfacht."

Außerdem habe sich der Internet-Traffic in Deutschland zwischen 2005 und 2011 verfünffacht, ergänzt die Bitkom. Die Gründe lägen in der wachsenden Zahl von DSL-Nutzern. Aber auch das durchschnittliche verbrauchte Datenvolumen ist gewachsen. 2005 waren es laut Bitkom noch 6,4 GB im Monat; aktuell sollen es im Schnitt rund 20 GB sein.

Und dann fügt Rohleder hinzu: „Ein Heavy User braucht um den Faktor 1.000 mehr Netzkapazität als jemand, der nur hin und wieder das Internet nutzt. Netzkapazität hat ihren Preis. In der gegenwärtigen Diskussion um neue Tarifmodelle wird dies zuweilen vergessen.“

Dass der Bitkom-Geschäftsführer in der aktuellen DSL-Debatte die gleiche Meinung wie der Telekom-Chef vertritt, hatte er bereits vor kurzem in einem ARD-Interview bewiesen . Nach Rohleders Argumentation sei es für den Verbraucher eigentlich nichts Neues, da er bei mobilen Datentarifen ohnehin schon standardmäßig eine Drosselung gewohnt sei.

Wer ist eigentlich Bitkom?

Die Bitkom und die Telekom sind keine Unbekannten. Die Bitkom versteht sich als Sprachrohr der IT-, Telekommunikations- und Neue-Medien-Branche. Sie vertritt 1.700 Unternehmen - unter anderem auch die Telekom . Ihr Ziel: "optimale politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen für die ITK-Branche erreichen".

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